Orientierung der ZugvögelAugen auf beim Vogelflug

Sehen Zugvögel das Magnetfeld der Erde? Zumindest ist das Sehzentrum im Hirn der Tiere an der Orientierung beteiligt. Das haben deutsche Forscher jetzt an Rotkehlchen herausgefunden. von 

Rotkehlchen Robin Zugvogel Singvogel

Oldenburger Forscher haben herausgefunden, dass das Europäische Rotkehlchen das Erdmagnetfeld sehen kann  |  © Henrik Mouritsen

Jedes Jahr legen Zugvögel auf ihren Wanderungen Tausende Flugkilometer zurück. Präzise orientieren sie sich anhand des Erdmagnetfeldes und landen regelmäßig punktgenau am Ziel. Die Frage, wie die Tiere das Feld wahrnehmen, konnte jedoch bis heute nicht beantwortet werden.

Ein deutsches Forscherteam will dieses "große Mysterium der Biologie", wie die Wissenschaftler im Magazin Nature schreiben, nun aufgeklärt haben. "Wir haben den bislang klarsten Beweis geliefert, dass sich der magnetische Kompass von Vögeln im visuellen System befindet", sagt der Biologe Henrik Mouritsen von der Universität Oldenburg .

Dass sich Vögel bei ihrem Vogelzug am Magnetfeld orientieren, gilt aufgrund zahlreicher Experimente in der Verhaltensforschung und theoretischen Berechnungen in der Physik als gesichert. Ungeklärt war bislang, welche sensorischen Mechanismen es den Vögeln erlauben, das Magnetfeld wahrzunehmen.

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In den vergangenen 20 Jahren dominierten zwei Theorien das Forschungsfeld: Nach der Eisenmineral-Kristall-Hypothese können die Tiere winzige Eisenoxid-Kristalle im Schnabel als Kompass nutzen, da das Metall direkt auf das Magnetfeld reagiert. Vertreter der zweiten Theorie gehen davon aus, dass ein Lichtrezeptor, auch Cryptochrom genannt, in den Nervenzellen der Augen die genaue Orientierung möglich macht. Dieses Cryptochrom wandelt die magnetischen Informationen nach Ansicht der Forscher in visuelle Wahrnehmung um. Das würde bedeuten, die Vögel sehen das Erdmagnetfeld tatsächlich.

"Als ich mit der Forschung begann, gehörte ich nicht zu einem bestimmten Lager", sagt Mouritsen. Doch bereits 2004 stieß er auf etwas, das dafür sprach, dass das Magnetfeld der Erde für die Zugvögel sichtbar ist: die Hirnregion Cluster N, ein Teilbereich des Sehzentrums.

Der Biologe untersuchte dennoch beide Theorien neurologisch – an Rotkehlchen ( Erithacus rubecula) . "Bei einem Teil der Vögel haben wir die Nervenbahn im Schnabel gekappt und bei dem anderen den visuellen Gehirnbereich ausgeschaltet", erklärt Mouritsen.

Dass die Tiere für diesen Versuch sterben mussten, sieht er als notwendigen Dienst für die Wissenschaft. Vor allem, wenn man "zu einem eindeutigen Ergebnis kommt und weitere Experimente dieser Art überflüssig macht", sagt der Biologe – und meint damit ein Ergebnis, wie er und seine Kollegen es bei den Rotkehlchen fanden.

Denn während sich die Versuchstiere mit gekappter Nervenbahn im Schnabel in ihren Käfigen noch immer in Richtung des geomagnetischen Nordens orientieren konnten, reagierten jene mit ausgeschaltetem Cluster N nicht mehr auf das Magnetfeld.

Leserkommentare
  1. 1.

    "Wenn wir jedoch wissen, wie sie sich orientieren, können wir die Tiere manipulieren", sagt Mouritsen. So könnten die Tiere während der Verfrachtung einem Magneten ausgesetzt werden, sodass sie überhaupt nicht merken, dass sie an einen anderen Ort gebracht werden.

    Wo will er Sie denn hinbringen dieser Herr Mouritsen? Krank!

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