Jedes Jahr zu Weihnachten hängen Mistelzweige über so mancher Tür, und junge Pärchen stehen küssend darunter. Der landläufigen Legende nach bleiben diese Paare ein Leben lang zusammen.

Dabei ist die weißbeerige Mistel kein netter Geselle: Der Halbparasit ist in den Kronen von Laubbäumen zu finden und raubt den Bäumen Wasser und Nährstoffe, indem er seine Wurzeln in die Wasserkanäle der Bäume schiebt. Allein Photosynthese, die Erzeugung chemischer Energie mithilfe des Sonnenlichts, betreibt er selbst.

Woher der Brauch des Küssens stammt, ist nicht endgültig geklärt. So war die Mistel zum einen den gallischen Priestern, den Druiden, heilig; dies mag der Grund dafür sein, dass die immergrüne Pflanze in einigen Gegenden mit einer goldenen Sichel geschnitten und hinterher verbrannt werden sollte, damit sich die Prophezeiung der ewigen Liebe erfüllte.

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Zum anderen findet sich die Mistel auch in der nordischen Göttersage, in der ein Mistelpfeil den Lichtgott Baldur tötet, sowie in der griechischen Mythologie.

Neben der Macht, die ewige Liebe zu sichern, wird der Mistel auch eine heilende Wirkung nachgesagt. So gehören Mistelpräparate zu den am häufigsten angewandten, rezeptfrei erhältlichen Krebsmitteln im deutschsprachigen Raum. Sie werden als Injektionslösungen angeboten und müssen dem Patienten gespritzt werden.

Die Wirkstoffe sind Lektine, an Zucker gebundene Eiweiße, die speziell von der Mistel produziert werden. Die Eiweiße führen zu einer Aktivierung des Immunsystems, die mit Fiebersymptomen einhergeht. Diese ist allerdings unspezifisch, richtet sich also nicht direkt gegen Krebszellen, sondern versetzt den Körper allgemein in eine Art erhöhte Bereitschaft, gegen Krankheiten anzukämpfen.

Einige Menschen sprechen besonders gut auf die Lektine an, bei anderen bleiben die positiven Effekte aus. Aufgrund fehlender und nicht aussagekräftiger Studien zur Wirksamkeit, akzeptiert das Deutsche Krebsforschungszentrum die Mistelmedikamente nicht als Krebstherapeutikum. Neben der Verheißung der ewigen Liebe mag vollkommene Gesundheit auch zu viel der Ehre sein für eine kleine parasitäre Pflanze.

Hinter dem Türchen vom 8. Dezember 2009 verbirgt sich die Antwort auf die Frage: Wie riecht Weihnachten?