Auf den ersten Blick könnte man ihn für verrückt halten: Volker Springel erforscht nämlich Dinge, die er noch nie gesehen hat. Dinge, die bisher auch niemand anderes gesehen hat. Doch es gibt immer mehr Hinweise dafür, dass es die unsichtbaren Dinge wirklich gibt und sie überall um uns herum sind: in jedem Raum, jeder Stadt, jedem Planeten, dem ganzen Universum.

Ohne die dunkle Materie würde das Universum völlig anders aussehen
Volker Springel, Astrophysiker

Springel erforscht die dunkle Materie. Den Theorien der meisten Astrophysiker zufolge halten diese unsichtbaren Teilchen den Kosmos wie eine Art Leim zusammen. Der 38-jährige Forscher vom Max-Planck-Institut für Astrophysik in Garching hat wichtige Indizien für die Existenz des kosmischen Klebers zusammengetragen und wurde dafür bereits mit der Otto-Hahn-Medaille der Max-Planck-Gesellschaft und dem Heinz-Maier-Leibnitz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft ausgezeichnet. Am vergangenen Freitag wurde ihm nun in Berlin der mit 100.000 Euro dotierte Klung-Wilhelmy-Weberbank-Preis für Physik verliehen.

"Ohne die dunkle Materie würde das Universum völlig anders aussehen“, sagt er. Die Spiralgalaxien zum Beispiel, die sich wie riesige Karussells um die eigene Achse drehen, würden am Rand ausfransen und ständig Sterne ins Nirvana katapultieren, weil die Gravitationskraft der sichtbaren Materie allein zu schwach ist.

"Erst wenn man die dunkle Materie mit ihrer Anziehungskraft hinzunimmt, sind solche kompakten Gebilde möglich, wie wir sie mit unseren Teleskopen beobachten", sagt Springel. Damit die Sterne nicht vom Karussell fliegen, muss es rund sechsmal mehr dunkle Materie als sichtbare Materie geben, zeigen jüngste Berechnungen der Garchinger Forscher.

Springel und seine Kollegen ließen dazu das Universum noch mal von vorn beginnen. Auf einem Großrechner starteten sie eine Simulation im Jahr 380.000 nach dem Urknall – jener Zeit, in der das All durchsichtig wurde und erstmals Lichtwellen frei durch den Raum jagten. "Damals war die Materie nahezu perfekt gleichmäßig verteilt, wie ein spiegelglatter See mit einigen kleinen Wellen", erläutert der Forscher.