Für die Ozeane bricht die Nacht herein - die Speicherkapazitäten für Kohlenstoffdioxid sind bald erreicht © Greg Wood/Getty Images

Die derzeit beobachtete Erderwärmung hat zu großen Teilen mit dem Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) aus Schornsteinen und Auspuffrohren zu tun. Das freigesetzte Treibhausgas würde die Temperaturen sogar noch weiter treiben, als die Thermometer ohnehin zeigen – wenn es die Ozeane nicht gäbe.

Sie nehmen beträchtliche Mengen an CO2 auf. Wie viel Kohlendioxid sie genau der Atmosphäre entziehen und welche Mengen zwischen den einzelnen Wasserschichten ausgetauscht werden, ist eine Rechnung mit vielen Unbekannten. Denn die Kohlenstoffatome tragen keinen Vermerk, auf dem steht, woher sie kommen, welchen Weg sie zurückgelegt haben und wie lange das gedauert hat. Dementsprechend unsicher sind Angaben zum "Klimaschutzpotenzial" der Weltmeere.

Wissenschaftler um Samar Khatiwala von der Columbia Universität in New York präsentieren jetzt im Fachblatt "Nature" ein Computermodell, das die Aufnahme und den Transport von Kohlendioxid aus menschlichen Aktivitäten in den einzelnen Meeresregionen von 1765 bis 2008 abbildet (Band 462, Seite 346). Sie stützten sich dabei auf neue Messungen, die zum Beispiel anhand des Salzgehalts, der Temperatur oder der Menge des Kohlenstoffisotops C14 den Stofftransport im Meer anzeigen.

Demzufolge haben die Ozeane im vergangenen Jahr rund 2,3 Milliarden Tonnen CO2 aufgenommen. Das ist etwa ein Viertel der Menge, die durch das Verbrennen fossiler Energieträger ausgestoßen wurde (8,7 Milliarden Tonnen). Insgesamt haben die Weltmeere seit Beginn der Industrialisierung der Atmosphäre rund 140 Milliarden Tonnen CO2 abgenommen, zeigen die Berechnungen.

Ursache dafür ist ein Konzentrationsgefälle zwischen Luft und Meer: Steigt der Kohlendioxidgehalt in der Atmosphäre, zieht der Ozean gewissermaßen nach und löst ebenfalls größere Mengen des Gases, um das Gleichgewicht wiederherzustellen.