Überall dort wo Flüsse ins Meer münden, fließen auch ungeheure Engergiereserven © Getty Images

Die Kraft der Osmose, die Kirschen im Regen platzen lässt und Fleisch beim Pökeln Wasser entzieht, soll in Zukunft auch Energie aus der Steckdose liefern. In Norwegen eröffnet Prinzessin Mette-Marit an diesem Dienstag die erste Testanlage des neuen Kraftwerktyps.

Die Turbine der Anlage läuft nur mit der Energie, die aus dem Konzentrationsunterschied zwischen Süß- und Salzwasser entsteht. Befindet sich zwischen ihnen ein Filter, der nur für Wasser, nicht aber für das gelöste Salz durchlässig ist, so setzt sich das Wasser scheinbar von alleine in Bewegung: In dem natürlichen Bestreben, den Konzentrationsunterschied auf beiden Seiten zu verringern, fließt reines Wasser durch die Membran in die salzige Lösung. Der aufgebaute Druck auf der Seite des Salzwassers treibt anschließend die Turbine an.

Der staatliche Energiekonzern Statkraft hofft bis 2015 das Prinzip kommerziell nutzen zu können. "Wir sind stolz, dass wir in einer Zeit mit großen Klimaherausforderungen und steigendem Bedarf an sauberer Energie eine erneuerbare Energiequelle präsentieren können, die bisher noch nie genutzt worden ist", sagte Konzernchef Bård Mikkelsen.

Die Anlage in Tofte in der Nähe von Oslo reicht aber nur zur minimalen Stromerzeugung. Das Versuchskraftwerk ist für eine Leistung von 2000 bis 4000 Watt ausgelegt. Das reicht in etwa, um eine Herdplatte zu heizen. Für die Zukunft planen norwegische Ingenieure ein weit größeres Osmose-Kraftwerk, das einmal rund 10.000 Haushalte versorgen soll.

Statkraft rechnet schon jetzt mit einem erfolgreichen Projekt: "Osmotisch erzeugter Strom ist eine saubere, erneuerbare Energie mit einem globalen Potenzial von 1600 bis 1700 Terawattstunden, das ist etwa so viel Strom wie China im Jahr 2002 benötigte", sagte ein Unternehmenssprecher. Die dafür nötigen Membranen müssen jedoch noch entwickelt werden. Bislang ist die sehr teure Technik alles andere als rentabel.