Intersexualität "Caster Semenya versteht sich als Frau, also ist sie eine"

Bald entscheidet sich, ob Caster Semenya ihr WM-Gold behält. Die Läuferin wird in ihrem Frausein angezweifelt. Dabei gibt es keine zwei Geschlechter, sagt Sabine Hark.

Frage: Frau Hark, in Kürze fällt die Entscheidung darüber, ob die intersexuelle südafrikanische Sportlerin Caster Semenya ihr Gold über 800 Meter von der Leichtathletik-WM in Berlin behalten darf. Womit rechnen Sie?

Sabine Hark: Ob sie ihre Medaille nun behalten darf oder nicht: Leider war es Semenya nicht vergönnt, ihren Triumph zu genießen. Es gab kaum Applaus im Stadion, die Medien diskutierten über ihr "ausgeprägtes Kinn", ihre "tiefe Stimme" und die "stark ausgeprägten Muskeln". Seitdem mutmaßt der internationale Leichtathletikverband IAAF darüber, "ob diese Lady eine Frau ist". Dabei hat das IOC schon im Jahr 2000 diese Art von Geschlechts-Tüv bei Sportereignissen abgeschafft.

Anzeige

Frage: Warum? Im Leistungssport geht es doch um harte Arbeit und viel Geld. Muss da am Start nicht Waffengleichheit herrschen?

Sabine Hark

Die 47-jährige ist Professorin für Soziologie und leitet seit April das Zentrum für Interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung (ZIFG) der TU Berlin

Hark: Die damaligen Tests etwa bei den Olympischen Spielen hatten vor allem zur Folge, dass die betroffenen Athletinnen öffentlich beschämt wurden. Zweifelsfreiheit in Sachen Geschlecht wurde aber nicht hergestellt. So war bei den Olympischen Spielen von 1992 und 1996 der sogenannte SRY-Test für alle Teilnehmerinnen obligatorisch. Das SRY-Gen ist das Gen auf dem Y-Chromosom, das für die "männliche" Geschlechtsentwicklung verantwortlich ist Nach mehr als 6000 Tests wurden bei einigen Frauen sexuelle Entwicklungsstörungen nachgewiesen, die davon vorher gar nichts gewusst hatten. Die intersexuellen Frauen waren weder in ihrer Erscheinung noch in ihrer Leistung von anderen XX-Athletinnen zu unterscheiden und wurden zu Unrecht vom Wettbewerb ausgeschlossen.

Frage: Das Publikum sehnt sich nach dem begnadeten Körper. Der Schwimmer Michael Phelps profitiert von seinen riesigen Füßen, der Läufer Usain Bolt kann dank seines Wuchses eine besonders effektive Hebelwirkung erzielen. Muss es aus Ihrer Sicht also genauso als biologischer Glücksfall bewertet werden, wenn Semenya wie gemutmaßt wurde mit nach innen gestülpten Hoden geboren worden sein sollte, die sie mit Testosteron unterstützen?

Hark: Wenn es so wäre, hätte Semenya dann tatsächlich genauso Glück wie Michael Phelps oder Usain Bolt. Allerdings muss ein erhöhter Testosteronspiegel nicht immer leistungsfördernd wirken. Es ist also überhaupt nicht gesagt, dass Semenya schnell ist, weil sie intersexuell ist. So schnell ist sie übrigens auch gar nicht. Vom Weltrekord der Frauen, der seit 1983 steht und von Jarmila Kratochvílová in München gelaufen wurde, ist Semenya weit entfernt.

Auch den Rekord der deutschen Frauen, den Sigrun Wodars 1987 in Rom aufstellte, konnte Semenya nicht brechen. Es stehen ihr also offenbar keine ganz besonderen Mittel zur Verfügung. Vielleicht sollte man überhaupt darüber nachdenken, ob eine Regelung wie im Golfsport, in dem die Vergleichbarkeit der Spieler und Spielerinnen über ein Handicap reguliert wird, nicht eine gerechtere Weise ist, gleiche Startchancen herzustellen.

Leser-Kommentare
  1. ... hier stehen sich zwei Dinge gegenüber: Erstens das Recht Transsexueller sich den Geschlecht zuzuordnen mit dem sie sich am wohlsten fühlen. Zweitens das Recht von Teilnehmern eines Wettbewerbs, nicht gegen Leute antreten zu müssen die einen unfairen Vorteil haben.

    Es hat ja durchaus seine Gründe das Wettbewerbe nach Geschlechtern getrennt werden, oder auch nach Gewichtsklassen etc.

    Mein Vorschlag: Sie darf die Medallie behalten. Für die Zukunft wird Geschlecht über den Testosteronspiegel im Blut definiert. Und zwar nach folgender Formel: Der Testosteronspiegel einer repräsentativen Gruppe aus der Bevölkerung wird gemessen und ein Histogramm erstellt. Das Histogramm wird in zwei Hälften jeweils gleichen Wahrscheinlichkeitsgewichts unterteilt. Die obere Hälfte gilt für Wettbewerbe fortan als männlich, die untere als weiblich.

  2. 2.

    Was sind denn gleiche Startbedingungen? Bei den meisten Sportarten gibt es doch neben dem Geschlecht und vielleicht noch dem Alter gar keine weiter klassifizierung mehr. Gleichzeitig werden besonders bei den Ausdauersprotarten eben doch genetische Voraussetzungen getestet. So etwas wie "gleiche Voraussetzungen" gibt es also einfach nicht, das Geschlecht ist da nur eine weitere Kathegorie. Wenn der Einfluss einer Eigenschaft auf das Ergebnis zu groß ist (Gewicht z.B. bei Kampfsportarten), "Geschlecht" bei allen Sportarten, bei denen Kraft und Ausdauer eine Rolle spielt, dann macht es natürlich Sinn, irgendwie zu klassifizieren, damit das ganze unterhaltsam bleibt. Nur mit Fairness hat Wettkampfsport eben nicht viel zu tun, deswegen ist es auch müßig, über "gleiche Voraussetzungen" zu diskutieren.

    • TDU
    • 19.11.2009 um 16:59 Uhr

    Mal sehen, was Frau Hark sagt, wenn Mann der sich als Frau fühlt, mit Hilfe der Chemie bei den Frauen mitmacht. Ich sehe klar die Tendenz, was wir im Ergebenis wollen, wird die Forschung auf jeden Fall hergeben. Zielgerichtet, gedacht zur Umerziehung, aber längst nicht im Namen der Freiheit des Einzelnen.

    Übrigens, die Barbie Spielerin aus dem Bekanntenkreis spielt jetzt erfolgreich Fussball. Keiner hat es aufgedrängt. Aber wahrscheinlich hat es ihr einer eingflüstert. Denn es kann nicht sein, was nicht sein darf. Und diese "Forschung" aus Steuergeldern. In USA muss man wenigsten privates Geld für solche ergebnisorientierten "Forschungen" zusammen kriegen.

  3. ...unterscheidet man nachweisbare Unterschiede zwischen den Geschlechtern in geschlechtshormonabhängige und geschlechtshormonunabhängige Unterschiede. Während man früher annahm, nur die Geschlechtshormone würden das Geschlecht bestimmen, konnte man inzwischen nachweisen, dass es eben auch geschlechtshormonunabhängige Unterschiede gibt.
    Zugrunde liegen biologisch gesehen dieser Unterscheidung die zwei in überwältigender Mehrheit vorkommenden Chromosomenzustände xx weiblich und xy männlich. Diese Zustände entstehen bei ungestörter Entstehung von Keimzellen, Zygote (verschmolzene Keimzellen), Fötus und ungestörter Wirkung der Geschlechtshormone.
    Daher gibt es biologisch gesehen selbstverständlich 2 unterschiedliche Geschlechter.
    Bestimmte STÖRUNGEN nun können Mischzustände hervorrufen.
    Fehlt in einem heranwachsenden Menschen eine hohe Konzentration von Testosteron, entwickelt sich ein Weibchen. Ist das Testosteron vorhanden, entwickelt sich ein Männchen. Stellen wir uns nun den Fall vor, ein Fötus hat Hoden, die Testosteron produzieren, die Rezeptoren für Testosteron sind jedoch durch eine Mutation nicht funktionsfähig. D.h. das gebildete Testosteron wirkt nicht! Es entsteht also eine im Verhalten und äusserlich von "normalen" Frauen in keiner Weise unterscheidbare Dame,die die jedoch Hoden statt Eierstöcke hat und selbstverständlich auch ein xy-Genom hat.

  4. Andere Störungen im normalen Ablauf der Entstehung der Keimzellen, die z.B. die Anzahl der Chromosomen ändern, und andere zum Teil bisher verstandene und sicher auch unverstandene (Transsexualität) Veränderungen der Wirkung von Geschlechtshormonen und geschlechtshormonunabhängigen Genen bewirken weitere Mischzustände.
    Fakt ist jedoch, dass man einen "ungestörten" von einem "gestörten" Ablauf der Geschlechtsentwicklung biologisch unterscheiden kann.
    Genauso wie es möglich ist, geschlechtsabhängige Unterschiede z.B. in der Entwicklung des Gehirns darzulegen.
    Zu behaupten, zwischen Mann und Frau gebe es ein Kontinuum, unterschlägt, dass die Mischformen auf Veränderungen beruhen, die man sonst als Krankheiten ansieht (Genmutationen, Chromosomenveränderungen etc.).
    Aber was soll man sonst von soziologischer Genderideologie erwarten, die jede Naturwissenschaft ignoriert?

    (Es ist wirklich eine Zumutung, dass man nicht mehr einen einzigen langen Kommentar schreiben kann. Und lächerlich dazu!)

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ...mich irgendjemand falsch versteht.
    Meine Ausführungen sollen betroffene Menschen nicht stigmatisieren.
    Und die jeweilige Geschlechtsidentität ist einer individuellen Entwicklung unterworfen.
    Klar machen wollte ich, dass der Begriff "Geschlecht" kontextabhängig ist. Und so wie ich mehrmals erwähnt habe, wie es biologisch-medizinisch ist, stünde es der werten Professorin gut zu Gesicht zu erwähnen, dass ihr "Kontinuum" der Geschlechter rein aus der Perspektive ihrer (sehr ideologisierten) Wissenschaft so nennbar ist und naturwissenschaftliche Erkenntnisse ignoriert. Stattdessen behauptet sie keck, diese seien obsolet.

    Ich weiß ja nicht, was Sie unter dem schon sprachlich widersprüchlichen Konstrukt "soziologischer Genderideologie" verstehen, aber die soziologische Gendertheorie tut - vereinfacht gesagt - nichts anderes, als darauf hinzuweisen, was Sie offenbar für nicht nötig halten oder - möglicherweise betriebsblind - übersehen haben; nämlich: "dass die Mischformen auf Veränderungen beruhen, die man sonst als Krankheiten ansieht (Genmutationen, Chromosomenveränderungen etc.)", wobei "als Krankheiten ansehen" eben eine Frage des subjektiven Standpunkts ist (um nicht gleich von Ideologie) zu sprechen; es wird von der soziologischen Genderforschung eben den Fragen nachgegangen, nach welchen Kriterien solche Kategorien wie Krankheit und Gesundheit theoretisch konstruiert und Menschen ihnen (in unserer gegenwärtigen Kultur eben als "Mann", "Frau" oder "krank") zugeteilt werden, und welche Funktionen ein solches System in der Gesellschaft erfüllt. Theorien auch über Theoriebildungsprozesse zu entwickeln (Erkenntnistheorie, Wissenschaftstheorie) und zu diesem Zwecke auch forschend interzeitliche (Wissenschaftsgeschichte) sowie interkulturelle (Wissenschaftssoziologie) Vergleiche anzustellen, bzw. deren Erkenntnisse zumindest fachbezogen zu reflektieren und somit auch auf die Naturwissenschaften zu beziehen, ist mitnichten Ignoranz, sondern im Gegenteil ein wichtiger Bestandteil einer jeden ernstzunehmenden Wissenschaftspropädeutik. Gute Naturwissenschaftler, die wirkliche Wissenschaftler sind, und nicht nur methodisch einseitig (halb-)gebildete Techniker in ihrer jeweiligen Spezialdisziplin, wissen das. Sie sind fähig, auch interdisziplinär zu arbeiten, über den eigenen Tellerrand zu schauen, und nehmen auch die Schwachstellen ihrer eigenen Theoriegebäude kritisch war. Nur so ist wissenschaftlicher Fortschritt überhaupt möglich.

    ...mich irgendjemand falsch versteht.
    Meine Ausführungen sollen betroffene Menschen nicht stigmatisieren.
    Und die jeweilige Geschlechtsidentität ist einer individuellen Entwicklung unterworfen.
    Klar machen wollte ich, dass der Begriff "Geschlecht" kontextabhängig ist. Und so wie ich mehrmals erwähnt habe, wie es biologisch-medizinisch ist, stünde es der werten Professorin gut zu Gesicht zu erwähnen, dass ihr "Kontinuum" der Geschlechter rein aus der Perspektive ihrer (sehr ideologisierten) Wissenschaft so nennbar ist und naturwissenschaftliche Erkenntnisse ignoriert. Stattdessen behauptet sie keck, diese seien obsolet.

    Ich weiß ja nicht, was Sie unter dem schon sprachlich widersprüchlichen Konstrukt "soziologischer Genderideologie" verstehen, aber die soziologische Gendertheorie tut - vereinfacht gesagt - nichts anderes, als darauf hinzuweisen, was Sie offenbar für nicht nötig halten oder - möglicherweise betriebsblind - übersehen haben; nämlich: "dass die Mischformen auf Veränderungen beruhen, die man sonst als Krankheiten ansieht (Genmutationen, Chromosomenveränderungen etc.)", wobei "als Krankheiten ansehen" eben eine Frage des subjektiven Standpunkts ist (um nicht gleich von Ideologie) zu sprechen; es wird von der soziologischen Genderforschung eben den Fragen nachgegangen, nach welchen Kriterien solche Kategorien wie Krankheit und Gesundheit theoretisch konstruiert und Menschen ihnen (in unserer gegenwärtigen Kultur eben als "Mann", "Frau" oder "krank") zugeteilt werden, und welche Funktionen ein solches System in der Gesellschaft erfüllt. Theorien auch über Theoriebildungsprozesse zu entwickeln (Erkenntnistheorie, Wissenschaftstheorie) und zu diesem Zwecke auch forschend interzeitliche (Wissenschaftsgeschichte) sowie interkulturelle (Wissenschaftssoziologie) Vergleiche anzustellen, bzw. deren Erkenntnisse zumindest fachbezogen zu reflektieren und somit auch auf die Naturwissenschaften zu beziehen, ist mitnichten Ignoranz, sondern im Gegenteil ein wichtiger Bestandteil einer jeden ernstzunehmenden Wissenschaftspropädeutik. Gute Naturwissenschaftler, die wirkliche Wissenschaftler sind, und nicht nur methodisch einseitig (halb-)gebildete Techniker in ihrer jeweiligen Spezialdisziplin, wissen das. Sie sind fähig, auch interdisziplinär zu arbeiten, über den eigenen Tellerrand zu schauen, und nehmen auch die Schwachstellen ihrer eigenen Theoriegebäude kritisch war. Nur so ist wissenschaftlicher Fortschritt überhaupt möglich.

  5. Der Schwimmer Michael Phelps profitiert von seinen riesigen Füßen, der Läufer Usain Bolt kann dank seines Wuchses eine besonders effektive Hebelwirkung erzielen.

    Is klar.

  6. ...mich irgendjemand falsch versteht.
    Meine Ausführungen sollen betroffene Menschen nicht stigmatisieren.
    Und die jeweilige Geschlechtsidentität ist einer individuellen Entwicklung unterworfen.
    Klar machen wollte ich, dass der Begriff "Geschlecht" kontextabhängig ist. Und so wie ich mehrmals erwähnt habe, wie es biologisch-medizinisch ist, stünde es der werten Professorin gut zu Gesicht zu erwähnen, dass ihr "Kontinuum" der Geschlechter rein aus der Perspektive ihrer (sehr ideologisierten) Wissenschaft so nennbar ist und naturwissenschaftliche Erkenntnisse ignoriert. Stattdessen behauptet sie keck, diese seien obsolet.

  7. Das will ich mal im Boxen sehen. "Mein Name ichst Vitalia Klitschko" - Bäääm ;D

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service