Hochschulen Protest in deutschen Hörsälen

Auch in Berlin und München haben Studierende Hörsäle besetzt. Sie fordern mehr Mitbestimmung, bessere Studienbedingungen und eine bessere Bezahlung für Uni-Mitarbeiter.

Uni-Besetzung in Potsdam

Uni-Besetzung in Potsdam

Rund 600 Studierende der Freien Universität haben am Mittwochmittag den größten Hörsaal des zentralen Gebäudes der Geisteswissenschaften (die sogenannte "Rostlaube") in Dahlem besetzt. Nach einer studentischen Vollversammlung habe man beschlossen, den Hörsaal 1a zu nutzen, um neue Protestaktionen im "Bildungsstreik" zu planen und die Universität zu mobilisieren, sagte Benjamin Stotz, Vertreter des Bildungsstreikbündnisses an der FU. Die Studierenden wollten so lange im Hörsaal campieren, bis ihre Forderungen erfüllt seien. "Es gibt weiterhin eine große Unzufriedenheit mit den Studienbedingungen."

Die Besetzer fordern "die Demokratisierung der Universität, die Ausfinanzierung der Studienplätze und eine Überarbeitung der Bachelor- und Masterstudiengänge". Der Protest richte sich auch "gegen jegliche Form der prekären Beschäftigung" – sei es für wissenschaftliche Mitarbeiter oder für das Reinigungspersonal. Die Unileitung habe "großes Verständnis" für friedliche Formen des Protests und gegenüber den Besetzern Gesprächsbereitschaft signalisiert, erklärte der Sprecher des FU-Präsidenten.

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Die Studierenden hätten dieselben Forderungen schon im Sommer erhoben, sie seien jedoch bis heute nicht erfüllt worden, sagte ein Studentensprecher an der HU. Dort wurde das Audimax nach einer Vollversammlung am Nachmittag besetzt. Ab 19 Uhr habe die mittlerweile angerückte Polizei allerdings Studierende, die sich mit Schlafsäcken und Nahrungsmitteln versorgt hatten, nicht mehr ins Gebäude gelassen, hieß es von den Besetzern. An der TU ist für heute um 14 Uhr eine Versammlung im Hauptgebäude, Raum H 104, geplant.

An der Uni Potsdam befindet man sich in einer Patt-Situation. Seit einer Woche besetzen Studierende das Audimax, sie verlangen unter anderem ein besseres Betreuungsverhältnis zwischen Lehrenden und Studierenden und einen freien Zugang zum Masterstudium. Die Forderungen zu erfüllen, ist nach Auffassung der Universität allerdings kaum möglich. Sie sei in Kapazitätsfragen von Landesmitteln abhängig und unterliege beim Übergang zum Master den Vorgaben der Kultusministerkonferenz, erklärte die Unileitung. Präsidentin Sabine Kunst betonte erneut, dass sie zu weiteren Gesprächen bereit sei. Sie wolle das Audimax nicht räumen lassen. "Wir wollen keinerlei Polizei auf dem Campusgelände."

In München besetzten am Mittwochabend rund 250 Studierende den Audimax-Hörsaal der Ludwig-Maximilians-Universität in München, der größten Universität in Bayern. Auch in Basel wurde am Mittwoch das Audimax besetzt.

In Deutschland, Österreich und der Schweiz seien etwa 15 Hochschulen beteiligt, sagte Jan Rosteck vom bundesweiten Bildungsstreikbündnis. In Deutschland seien am Dienstag Mainz und Greifswald dazugekommen. In Greifswald verbrachten rund 20 Studenten die Nacht zum Mittwoch im Audimax. Sie protestieren gegen Budgetkürzungen des Landes und den schlechten Zustand von Unigebäuden. 

In Tübingen räumten rund 200 Studierende am frühen Donnerstagmorgen den größten Hörsaal der Universität. Um Mitternacht war ein entsprechendes Ultimatum der Universitätsleitung abgelaufen. Vergangene Woche war auch ein besetzter Hörsaal an der Uni Münster geräumt worden.

 
Leser-Kommentare
  1. 1. ...

    NA ENDLICH!!

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    • LfbA
    • 12.11.2009 um 18:28 Uhr

    wacht die Presse auf!

    Seit Mitte der 90er Jahre gibt es regelmäßig Studentenproteste und im Grunde drückt immer noch der gleiche Schuh!
    Aber die Medien berichten kaum über die Aktionen der Studierenden. Die Stundenten protestieren? Das ist heute fast schon ein Zeichen, dass es bald Winter wird - ein jährlich wiederkehrendes Ereignis, das man genausowenig wahrnimmt wie den jährlichen Vogelflug!
    Die Probleme der Hochschulen, hauptsächlich durch unsinnige Sparmaßnahmen, werden nicht behoben. "Bildung" ist ein wunderschönes Aushängeschild unserer Politiker jeglicher Couleur, aber etwas dafür tun? Laßt sie munter weiterprotestieren, die Studenten. Spätestens am Semesterende, wenn die Prüfungen anstehen, wird sich wieder jeder auf seinen Egoismus besinnen und die Proteste werden abflauen! Wie jedes Jahr eben...

    • LfbA
    • 12.11.2009 um 18:28 Uhr

    wacht die Presse auf!

    Seit Mitte der 90er Jahre gibt es regelmäßig Studentenproteste und im Grunde drückt immer noch der gleiche Schuh!
    Aber die Medien berichten kaum über die Aktionen der Studierenden. Die Stundenten protestieren? Das ist heute fast schon ein Zeichen, dass es bald Winter wird - ein jährlich wiederkehrendes Ereignis, das man genausowenig wahrnimmt wie den jährlichen Vogelflug!
    Die Probleme der Hochschulen, hauptsächlich durch unsinnige Sparmaßnahmen, werden nicht behoben. "Bildung" ist ein wunderschönes Aushängeschild unserer Politiker jeglicher Couleur, aber etwas dafür tun? Laßt sie munter weiterprotestieren, die Studenten. Spätestens am Semesterende, wenn die Prüfungen anstehen, wird sich wieder jeder auf seinen Egoismus besinnen und die Proteste werden abflauen! Wie jedes Jahr eben...

    • Ranjit
    • 12.11.2009 um 12:35 Uhr

    Ich bin skeptisch, ob sich da irgendetwas bewegt.
    Den Univerwaltungen sind häufig die Hände gebunden. Seitens der Politk hat nur die gebildete Arbeitskraft Priorität, nicht die Bildung.

    Das man erstere nicht ohne letzeres bekommt scheint in Berlin noch nicht angekommen zu sein. Aber gut... wenn Deutschland seine Akadmiker nicht schätzt, dann gehen sie eben.
    Ich für meinen Teil werde hier nicht alt.

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    Immerhin erfährt durch die zunehmenden Berichte nun auch die breite Öffentlichkeit mehr von diesem Thema. In den letzten Jahren ist das Thema Bildung stärker in den Fokus der politischen Diskussion geraten, da kommen die fortwährenden Proteste der Studenten doch nur recht. Ich begrüße sie sehr.

    Immerhin erfährt durch die zunehmenden Berichte nun auch die breite Öffentlichkeit mehr von diesem Thema. In den letzten Jahren ist das Thema Bildung stärker in den Fokus der politischen Diskussion geraten, da kommen die fortwährenden Proteste der Studenten doch nur recht. Ich begrüße sie sehr.

  2. 3. Gut

    Gut, dass sich hier endlich mal etwas regt - die Politik wird sich irgendwann entscheiden müssen, ob sie immer nur volltönende Reden schwingt, wie wichtig Bildung und Forschung ist und dass man die Studierquote auf 40% bringen möchte, aber auf der anderen Seite die Schulen und Hochschulen kaputt spart.
    Seit Jahren werden trotz wachsender Studentenzahlen Mittel gekürzt, Stellen gestrichen, Bezahlung und Karriere-Planbarkeit der Hochschulmitarbeiter verschlechtert, gleichzeitig aber die Erwartungen an die Hochschulen hochgeschraubt. Irgendwann ist mal der Punkt erreicht (und der scheint mir nicht mehr fern) wo auch der größte Idealist die Lust verliert angesichts von immer mehr Aufgaben bei immer schlechteren Bedingungen.

  3. Immerhin erfährt durch die zunehmenden Berichte nun auch die breite Öffentlichkeit mehr von diesem Thema. In den letzten Jahren ist das Thema Bildung stärker in den Fokus der politischen Diskussion geraten, da kommen die fortwährenden Proteste der Studenten doch nur recht. Ich begrüße sie sehr.

    Antwort auf "Obs was bringt..."
  4. Wenn was deutsche Studierde bezueglich solches Sachverhalts machten, kann als "Protest" bezeichnet werden, waere DDR richtiger demokratischer Staat gewesen, weil es woertlich deutsche demokratische Republik hiess.

    Was die Jungendlich da machten war nur das Necken des verhaetschelten Kindes. Es ist das Wort Protest nicht wuerdig.

    Solches gekuensteltes Getue ist die kitschste Komoedie, die in gewissen mass schon den Eklel erregt.

    • LfbA
    • 12.11.2009 um 18:28 Uhr

    wacht die Presse auf!

    Seit Mitte der 90er Jahre gibt es regelmäßig Studentenproteste und im Grunde drückt immer noch der gleiche Schuh!
    Aber die Medien berichten kaum über die Aktionen der Studierenden. Die Stundenten protestieren? Das ist heute fast schon ein Zeichen, dass es bald Winter wird - ein jährlich wiederkehrendes Ereignis, das man genausowenig wahrnimmt wie den jährlichen Vogelflug!
    Die Probleme der Hochschulen, hauptsächlich durch unsinnige Sparmaßnahmen, werden nicht behoben. "Bildung" ist ein wunderschönes Aushängeschild unserer Politiker jeglicher Couleur, aber etwas dafür tun? Laßt sie munter weiterprotestieren, die Studenten. Spätestens am Semesterende, wenn die Prüfungen anstehen, wird sich wieder jeder auf seinen Egoismus besinnen und die Proteste werden abflauen! Wie jedes Jahr eben...

    Antwort auf "..."
    • nostor
    • 12.11.2009 um 18:33 Uhr

    ist diese ganze Berichterstattung über die angeblichen Studentenproteste. Wenn in München 250 der weit über 40.000 Studenten oder in Würzburg gerade mal 50 der über 20.000 Studenten eine Hörsaalbesetzung machen, stellt sich schon die Frage, warum diese Aktionen einer winzigen Minderheit überhaupt bundesweite Presse erhalten. Da wird der Eindruck erweckt, dass es sich um eine Demonstration großen Ausmaßes handele, was natürlich nicht stimmt. Auch die Entscheidungen nach sog. "Vollversammlungen", zu denen ohnehin nur die Protestierer kommen, dienen nur dazu, sich größer zu machen, als man ist. Was passiert hier denn, wenn man es genau betrachtet? Eine verschwindend geringe Anzahl von Studenten, die sich gemessen an ihren nicht-protestierenden Kommilitonen in Promillebereich bewegt, demonstriert für oder gegen irgendwas. Und das rechtfertigt dann bundesweite Berichte über angebliche Demonstrationswellen an den Universitäten? Einfach lächerlich!

  5. Die Ignoranz und stumpfe Ahnungslosigkeit einiger hier ist wirklich erschreckend und traurig. Nur ein Denkanstoss fuer meinen Vorposter:

    500.000 Menschen gerechnet auf die BRD wären ca. das selbe Verhältnis wie die Protestierenden auf die Sesamtstudentenanzahl der LMU. Würden wir das auch fuer sowenig halten?

    Irgendwo muss ein Protest u.a. gegen die herrschende eklatante Verteilungsungerechtig- und unsinnigkeit beginnen. Schade, dass dies sofort im kleinklein ausernandergenommen wird.

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