World Science Forum "Davos der Wissenschaft" beginnt

Die Zukunft ruft: In Budapest trifft sich die Forschungselite. Nobelpreisträger und junge Wissenschaftler streiten nicht nur über Klima und Umwelt, sondern auch um's Geld.

Zehn Jahre nach der ersten Tagung beginnt heute das Weltwissenschaftsforum in Budapest. Forscher aus aller Welt treffen sich wie hier 2005 in der Ungarischen Akademie der Wissenschaften

Zehn Jahre nach der ersten Tagung beginnt heute das Weltwissenschaftsforum in Budapest. Forscher aus aller Welt treffen sich wie hier 2005 in der Ungarischen Akademie der Wissenschaften

In der exklusiven Atmosphäre der Ungarischen Akademie der Wissenschaften kommen heute die Welt-Forschungsführer zusammen. Am Donau-Ufer gegenüber des Schlossbergs von Buda beginnt in Budapest das Weltwissenschaftsforum.

Die Überschrift des Treffens lautet etwas kryptisch "Wissen und Zukunft". Doch die Inhalte sind handfest: Die mehr als 500 Forschungspolitiker und Leiter führender Forschungseinrichtungen und Förderorganisation aus knapp 80 Staaten der Erde werden sich wohl in erster Linie Sorgen um die zukünftige Finanzierung von Wissenschaft und Technologie machen. Denn die Gelder dafür fließen im Schatten der Finanzkrise nicht mehr so üppig wie in der Vergangenheit.

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Um Finanzielles soll sich jedoch nicht alles drehen. So will man auch beraten, wie vorhandenes Wissen besser genutzt werden kann, um die globalen Probleme unserer Zeit zu lösen. Allerdings lassen sich echte Forscher kaum aus ihren Labors weglocken. Neben den beiden Nobelpreisträgern Werner Arber, der 1978 den Medizin-Preis erhielt, und Ahmed Zewail, Preisträger für Chemie 1999, sind es vor allem junge, aber in ihren Bereichen bereits international anerkannte Wissenschaftler, die hier ihre eigene Zukunft mitgestalten wollen.

Dazu gehören beispielsweise der Pharmakologe Máté Oláh von der Semmelweis Universität in Budapest. Er ist der Sekretär des Netzwerks junger, herausragender Forscher. Auch Jenny Bäsemann aus dem norwegischen Tromsö, Direktorin des Verbandes der Polarforscher steht Beginn ihrer Karriere und macht sich für junge Wissenschaftler stark.

Frauen sind gerade in den Naturwissenschaften überall auf der Welt immer noch unterrepräsentiert. Die Runde führender Wissenschaftlerinnen ist zwar gewachsen, doch müssen Persönlichkeiten wie etwa die stellvertretende Generaldirektorin der Atomenergieagentur, Ana Maria Cetto, oder Penny D. Sackett, die oberste Wissenschaftlerin Australiens und Chef-Beraterin ihrer Regierung, in Budapest nach neuen und effizienteren Wegen suchen, um die Rolle der Frauen in der Wissenschaft zu stärken.

Angesichts der besonderen Bedrohung der armen Länder durch Klima- und Umweltveränderungen dürfte vor allem die Veranstaltung über wissenschaftliche und technologische Vorsorge und Nachhaltigkeit die verhältnismäßig zahlreichen Wissenschaftsorganisatoren aus Entwicklungsländern anziehen.

Ein brisantes Thema ist auch die "Wissenschaftskommunikation". So könnte es bei der Diskussion zwischen den Chefredakteuren der beiden großen, konkurrierenden Wissenschaftsmagazine Nature und Science, Phillip Campbell und Bruce Alberts auf der einen Seite, und Marin Dacos auf der anderen hoch hergehen. Ist doch Dacos als Direktor des Open Electronic Publishing Center in Frankreich einer der vehementesten Verfechter des freien und kostenlosen Zugangs zur internationalen Forschungsliteratur.

In abgeschiedener Runde trafen sich bereits am Vorabend der Tagung 18 Wissenschaftsminister aus der G-77-Runde, der Gruppe der Entwicklungsländer innerhalb der Vereinten Nationen. Sie wollen ungestört die Leistungsfähigkeiten ihrer oft ganz unterschiedlichen nationalen Strukturen und Organisationen zur Forschungsförderung vergleichen und den besten Weg finden, um ihre jungen Innovationsvorhaben auch weiterhin vorantreiben zu können. Denn gerade in Afrika, Asien und Südamerika kann der Staat noch viel weniger die einzige Förderquelle bleiben, die auch in den reichen Ländern immer weniger sprudelt.

"Das bevorstehende Forum markiert nicht nur das zehnjährige Jubiläum der ersten Weltkonferenz für Wissenschaft, sondern es will vor allem nach vorne schauen und uns zu einer strategischen Vision zur Zukunft der Wissenschaft in der globalen Gesellschaft des 21. Jahrhunderts verhelfen", sagt József Pálinkás, Präsident der Ungarischen Akademie der Wissenschaften und des Weltwissenschaftsforums.

Er kann auf illustre Förderer des Forums bauen wie José Manuel Barroso, den Präsidenten der EU-Kommission, Koïchiro Matsuura, den Generaldirektor der UNESCO, Catherine Bréchignac, Präsidentin des Internationalen Rates für Wissenschaft bei der UNO, und den ungarischen Präsidenten László Sólyom, dem die Entwicklung Ungarns zu einem Spitzenforschungsland innerhalb der Europäischen Union besonders am Herzen liegt.

Da auch der kroatische Präsident Stjepan Mesic erwartet wird, der sich vor kurzem kritisch zu den zwischen alten und neuen EU-Mitgliedsstaaten ungleich verteilten europäischen Forschungszentren geäußert hat, könnte der innereuropäische Ost-West-Forschungskonflikt erneut auf die Tagesordnung kommen.

Das Weltwissenschaftsforum findet in diesem Jahr zum vierten Mal statt. Nach der ersten Weltkonferenz für Wissenschaft im Jahre 1999 ergriff Ungarn die Initiative, ein Forum zu schaffen, von dem die Veranstalter hoffen, dass es – in Anlehnung an das Weltwirtschaftsforum – einmal das "Davos der Wissenschaft" wird.

 
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