Im DNA-Labor kann jeder fiktive Verbrechen aufklären
Um das Unsichtbare sichtbar zu machen, arbeiteten die Kuratoren mit zwei Maßstäben: Bei einer Vergrößerung von einer Millionen zu eins wird eine winzige Bakterienzelle 1,50 Meter groß. Bei 50 Millionen zu eins steht man vor einem Komplex aus Muskelproteinen, so imposant wie die Watt'sche Dampfmaschine ein paar Räume weiter. Auch dieses Gebilde zischt und pufft, während es die Bewegung nachahmt, welche die Proteine vollführen, wenn wir unsere Muskeln anspannen. Die Elemente dieser molekularen Maschine sind aus silbrigem Stahlgeflecht, auch hier wieder keine Farben. "Dafür stimmt die Form ganz genau," sagt Gerber-Hirte, "ihre einzigartigen Funktionen haben Nanostrukturen, nur weil sie spezifisch geformt sind."
Die neue Dauerausstellung vermittelt die Dimensionen in der Bio- und Nanotechnologie eindrucksvoll – das Komplexe im winzig Kleinen. Der Besucher streift durch die noch junge Geschichte, die wichtigsten Gerätschaften und Menschen des Feldes und lernt ihre Anwendung in Industrie, Medizin und Alltag kennen.
Das Deutsche Museum ist so etwas wie der Urtyp des Science-Centers
Marc-Denis Weitze, Wissenschaftskommunikator
In der Mitte der Ausstellung hoch oben über schwarzen Vitrinen schwebt wie ein Ufo ein ganz besonderes Exponat – das sogenannte DNA-Besucherlabor. Hier kann jeder selbst in die Rolle des Wissenschaftlers schlüpfen und Genetikexperimente machen. Schüler können zum Beispiel ein fiktives Verbrechen aufklären, indem sie Spuren vom Tatort mit der DNA des Täters abgleichen. Solche Mitmachlabore sind in den vergangenen zehn Jahren wie Pilze aus dem Boden geschossen – ob in Universitäten oder Science-Centern. Rüstet sich das ZNT damit gegen solche Konkurrenz?
"Das Deutsche Museum ist so etwas wie der Urtyp des Science-Centers," sagt Marc-Denis Weitze, Experte für Wissenschaftskommunikation. "Schon der Gründer Oskar von Miller verband den Erhalt von Kulturgut mit spannenden Experimenten."
Doch muss sich das Museum insgesamt umstellen, wenn es seinen Bildungsauftrag weiter erfüllen will. "Bei schnelllebigen Themen wie etwa der Telekommunikation, kann man in einer Ausstellung nur noch die Grundlagen vermitteln, etwa wie funktioniert das Internet", sagt Weitze. "Die Probleme und Fragen, die die Menschen beschäftigen, etwa zum Datenschutz oder Elektrosmog kann man damit nur schwer auffangen. Hier heißt das Schlüsselwort Dialog."
Auch im ZNT ist daher alles auf das Zwiegespräch zwischen Wissenschaft und Bevölkerung ausgerichtet. Im Handumdrehen lässt sich der Ausstellungsraum zum Hörsaal umbauen, in Vorträgen und Bürgerforen sollen die Ängste und Erwartungen der Besucher aufgefangen werden. "Die Menschen werden jeden Tag mit neue Schreckensmeldungen rund um Nano- oder Stammzellen konfrontiert," sagt die Biologin Gerber-Hirte. "Wir möchten sie in die Lage versetzen, sich ein eigenes Bild machen zu können."
Auf sogenannten Partnerinseln ergänzen die größten Forschungseinrichtungen – Max-Planck, Helmholtz und Fraunhofer – die Dauerausstellung mit wechselnden Beispielen aus ihrer Forschung. Zwei Flächen bieten Platz, um auf aktuelle Projekte und Fragen – zum Beispiel zur grünen Gentechnik – einzugehen. Den direkten Kontakt bekommt man freilich beim Blick in das gläserne Forschungslabor. Die Idee ist so erfolgreich, dass auch andere Museen in Schweden und Italien dem Beispiel folgen wollen.
- Datum 19.11.2009 - 11:47 Uhr
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- Serie Technologie
- Quelle ZEIT ONLINE
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