In der Wüste ist jeder Tropfen Wasser wertvoll, elektrische Energie steht nicht ausreichend und zuverlässig zur Verfügung. Warum also nicht das Kapillarsystem der Pflanzen und Bäume nachahmen, um so Wasser aus dem Boden zu saugen? Das dachte sich Ingo Rechenberg, der Chef des Instituts für Bionik und Evolutionstechnik an der Technischen Universität und entwickelte eine bionische Wasserpumpe für die Wüste.

Eine Pumpe auf der Basis der Kapillarkräfte käme außerdem ohne einen beweglichen Apparat im Inneren aus, der das Wasser mechanisch oder hydraulisch nach oben befördert. Solche einfachen, mit Sonnenenergie betriebenen Pumpen könnten auch für Gartenbesitzer in gemäßigten Regionen interessant sein.

"Unser Vorbild ist die Natur", erklärt Rechenbergs Mitarbeiter Michael Stache und weist auf einen Feigenbaum, der eingetopft neben dem Labortisch steht. Ein paar Blätter stecken in einem Gefrierbeutel. Eine Lampe strahlt auf die Plastiktüte, die im Innern feucht beschlagen ist. Eines Tages könnten solche Pflanzen die Wüste mit Wasser versorgen, erklärt der Maschinenbau-Ingenieur, der in einer alten Fabrikhalle im Berliner Stadtteil Wedding an neuen Wasserpumpen tüftelt.

"Das Wasser verdunstet aus den Spaltöffnungen der Blätter", sagt Stache. Danach kondensieren sie an der Plastiktüte und schließen sich zu größeren Tropfen zusammen – und heraus kommt reines Trinkwasser. Die Bioniker nennen das eine "Transpirationspumpe". Die entstehende Verdunstungskälte kühlt die Blätter, so dass Pflanzen auch in heißer Umgebung, in der Wüste etwa, überleben können.

Im Sommer 2009 testete Rechenberg in der Sahara einen Prototyp der Pflanzen-Wasserpumpe, die der Diplomand Jakob Theileis gebaut hat. Mit 75 Jahren schlägt der eremitierte Professor immer noch jedes Jahr in der Wüste Marokkos sein Lager auf, um über mehrere Wochen Tiere und Pflanzen unter extremen Lebensbedingungen zu erforschen. Denn in der Lebensweise der Tiere stecken vielleicht weitere Geheimnisse, sie sich technisch nutzen lassen.