Albert Einsteins Erbe der Physik beschäftigt die Wissenschaft bis heute. Viele seiner Theorien sind bestätigt worden. Andere hingegen versucht die Wissenschaft weiterhin experimentell nachzuweisen – wie die Existenz von Gravitationswellen.

In der Theorie lösen diese Wellen die Erschütterungen der Raumzeit aus. Jene stellt man sich am besten als flaches Netz vor, das durch große Gravitationskräfte verzogen wird; die Kräfte gehen zum Beispiel von schwarzen Löchern oder Riesengalaxien aus. Die Entfernung zwischen zwei Objekten ändert sich dabei jedoch nur so minimal, dass Forscher die Verschiebungen bislang nicht nachweisen können.

Einstein war der Überzeugung, man könne Gravitationswellen, aufgrund ihrer geringen Ausmaße, niemals messen. Doch die heutige Physik gibt die Hoffnung nicht auf. Vielmehr scheint sie kurz davor zu stehen, diese Verzerrungen in Raum und Zeit das erste Mal experimentell nachzuweisen. Es wäre eine Entdeckung die das Zeitalter der Gravitationswellenastronomie eröffnen und damit völlig neue Einblicke ins Universum ermöglichen würde, sagen Wissenschaftler wie Henning Vahlbruch und Alexander Khalaidovski. 

Beide arbeiten am Albert-Einstein-Institut in Hannover an der experimentellen Umsetzung der Gravitationswellen-Messung. Mit dem Detektor Geo600 wollen sie den ersten Nachweis der Wellen leisten. Das Gerät gehört zu den empfindlichsten Apparaturen der Welt. Es kann Veränderungen bis zu etwa 10-19 Meter messen, in Zahlen ausgedrückt: 0,0000000000000000001 Meter.

Mithilfe eines geteilten Laserstrahls, der von zwei Spiegeln zurückgeworfen wird, wollen sie die minimalen Abweichungen im Raum registrieren. Die Anlage ist so justiert, dass die beiden Strahlen wieder zusammenlaufen und sich die Wellen der beiden Strahlen gegenseitig aufheben. Der Detektor kann dann keine Helligkeit feststellen. Ändert sich nun, aufgrund einer Gravitationswelle, die Strecke, die ein Laserstrahl zurücklegen muss, dann verschieben sich die Wellen des Laserlichts gegeneinander und ein Teil des Laserlichts erreicht den Detektor – die Verschiebung wird erfasst.

Das größte Problem, vor dem die Forscher nun stehen: Die Schwingungen sind so klein, dass es sich um einen Gravitationswellen-Tsunami handeln müsste, um sie von den natürlichen Quantenrauschen der Laserphotonen unterscheiden zu können. Ein für Einsteins Vorstellung wohl unmögliches Unterfangen

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