Adventskalender - Türchen 20 Wer sind Rentier Rudolphs Verwandte?
Rentiere sind beliebte Zuchttiere – zum Austragen von Geschenken sind sie allerdings völlig ungeeignet. Ein kleiner Überblick zur Biologie der Hirsche des Nordens
© Olivier Morin/AFP/Getty Images

Rentiere passen ihr Fell an die Jahreszeit an – im Sommer ist es graubraun, im Winter hell bis weiß. Dieses Rentier stapft in Lappland durch den Schnee
1939 bekam Robert May, ein Mitarbeiter der Anzeigenabteilung des Kaufhauses Montgomery Ward in Chicago, den Auftrag, ein Weihnachtsmalbuch für Kinder zu entwerfen – und erfand Rudolph, das Rentier mit der roten Nase.
Seinen internationalen Durchbruch hat Rudolph dem Schwager von May zu verdanken, der ein Lied über das Rentier ersann. Seither führt Rudolph das Rentier-Gespann des amerikanischen Weihnachtsmanns an. Seit dieser Zeit kennt auch fast jeder Rudolphs wilde Verwandten. Doch was wissen wir über die kleinen Hirsche, die rund um den Nordpol verbreitet sind?
Auf Latein heißen sie Rangifer tarandus. Anders als in Kanada und in Rudolphs Heimat Nordamerika – wo das Ren übrigens auch Karibu heißt – gibt es in Skandinavien fast nur noch domestizierte Rentiere.
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Die rund 20 Unterarten werden grob in Tundra-Rentiere und die etwas größeren Wald-Rentiere unterteilt. Sie bringen es immerhin auf eine Schulterhöhe von knapp anderthalb Metern. Die Wald-Rentiere, zu denen auch die vom Volk der Sami in Skandinavien gehaltenen Arten gehören, verbringen den Winter in südlicheren Breiten, im Sommer ziehen sie in die Tundra. In Herden von bis zu einer halben Million Tiere wandern sie Tausende Kilometer weit und durchqueren dabei Flüsse und Meeresarme.
Im Herbst buhlen die Männchen mit keuchenden Rufen um die Gunst der Weibchen. Ein ausgewachsener Rentier-Mann kann dabei einen Harem von bis zu zwölf Weibchen um sich versammeln.
Anders als Rothirsche, die mit erhobenem Haupt ihre Brunftschreie ausstoßen, senken Rentier-Männchen dabei den Kopf. Erst 2007 fanden Forscher vom Berliner Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung heraus, dass die Brunftrufe der Rentiere in einem Luftsack im Rachen gebildet werden, der vor dem Kehlkopf sitzt. Und noch etwas unterscheidet Rentiere von anderen Hirschen: Bei ihnen trägt auch das Weibchen ein Geweih – wenn auch ein kleineres.
Dass Rentiere fliegen können, ist natürlich ein Mythos. Aber vielleicht hatte Robert May eine weitere biologische Eigenart der Tiere im Hinterkopf, als er die Rentiere in seinem Malbuch vor Santa Claus' Schlitten spannte: Denn wenn ein Rentier sich nähert, verrät es sich durch seine klackernden Schritte. Zu hören sind dabei nicht die Hufe, sondern eine Sehne im Fuß der Paarhufer. Zum heimlichen Geschenke-Austragen in der Nacht sind Rentiere also gänzlich ungeeignet. Es sei denn sie fliegen ganz leise von Haus zu Haus.
Hinter dem Türchen vom 12. Dezember verbirgt sich die Antwort auf die Frage: Warum leuchtet am Himmel das Polarlicht?
- Datum 18.12.2009 - 18:06 Uhr
- Serie Schlaue Weihnachten
- Quelle ZEIT ONLINE
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