Studienfinanzierung Gebühren als Studierbremse
Immer mehr Abiturienten studieren. Noch mehr von ihnen würden an die Hochschulen gehen, wenn sie keine Finanzsorgen hätten.
© David Ebener/dpa

Die Studenten gehen, wie hier in Würzburg, auf die Straße. Auch die Studiengebühren sind ein Kritikpunkt
Am Sonntag bei Anne Will stritt sich Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) mit dem Sozialexperten der SPD, Rudolf Dreßler, über den aktuellen Bildungsstreik. Schavan vertrat in der Fernsehdebatte die Meinung, Studiengebühren wirkten auf Abiturienten nicht abschreckend. Dreßler hingegen erklärte, das Gegenteil sei der Fall, Abiturienten aus einkommensschwachen Familien würden durch Gebühren sehr wohl vom Studium ferngehalten. Wer hat Recht?
Schavan berief sich auf neue Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Danach hat sich in diesem Jahr ein so hoher Anteil von Abiturienten an den Hochschulen eingeschrieben wie nie zuvor. Die Anfängerquote stieg gegenüber dem Vorjahr um drei Prozent auf 43,3 Prozent. Auch in Ländern, die Gebühren nehmen, in Bayern, Baden-Württemberg oder NRW, stieg die Quote. Ausgerechnet in den gebührenfreien Zonen im Osten, darunter Brandenburg oder Sachsen, war der Zuwachs weit geringer, Sachsen-Anhalt musste sogar Einbußen hinnehmen.
Dreßler berief sich hingegen auf eine Studie des von Bund und Ländern getragenen Hochschulinformationssystems (HIS) vom vergangenen Jahr. Das HIS betrachtete dabei nicht nur die Studierquote insgesamt, sondern interessierte sich für die Motive derjenigen Abiturienten, die auf keinen Fall studieren wollen, im Jahr 2006 waren das 28 Prozent. Finanzielle Gründe rangierten dabei der Studie zufolge insgesamt an erster Stelle. 24 Prozent in der Gruppe der Studierunwilligen gaben an, ihnen fehlten allgemein die finanziellen Voraussetzungen für ein Studium. Und 26 Prozent kreuzten an, "Studiengebühren übersteigen meine finanziellen Möglichkeiten".
Rückenwind bekommt Dreßler jetzt von der aktuellen HIS-Untersuchung über den Jahrgang 2008, deren vorläufige Fassung das Bundesbildungsministerium am Montag dem Bildungsausschuss des Bundestags zukommen ließ und die dem Tagesspiegel vorliegt.
Die Forscher vom HIS bestätigen zwar den Befund des Statistischen Bundesamts: Der jahrelange Trend wachsender Unlust auf ein Studium ist gestoppt. Doch innerhalb der Gruppe, die sich entgegen dem Trend nicht für ein Studium entscheidet (nun noch 24 Prozent), spielen finanzielle Engpässe und Gebühren eine große Rolle – vermutlich noch mehr als in den Jahren davor, wie Heiko Quast, einer der Autoren der Studie, auf Nachfrage sagt. Einen direkten Vergleich mit den Studien in den Vorjahren sei allerdings nicht möglich, weil die Wissenschaftler ihre Methode verändert haben.
Anders als bei der vorherigen Untersuchung hatten zum Zeitpunkt der Befragung sieben Länder Gebühren von in der Regel bis zu 500 Euro eingeführt: Bayern, Baden-Württemberg, Hamburg, Niedersachsen (im Sommersemester 2007), Nordrhein-Westfalen (Wintersemester 2006/2007), das Saarland und Hessen (Wintersemester 2007/2008) – Hessen schaffte seine Gebühren zum Wintersemester 2008/2009 ab.
Die befragten Abiturienten konnten bei 14 möglichen Motiven auf einer Skala von eins bis fünf angeben, wie stark sie für ihren Studienverzicht verantwortlich sind. Über drei Viertel der Abiturienten, die ein Studium für sich ausschließen, gaben als "starkes" oder "sehr starkes" Motiv an, "die nötigen finanziellen Voraussetzungen" für ein Studium nicht zu haben. 73 Prozent erklärten, sie wollten am Ende des Studiums keine Schulden aus Studienkrediten oder dem Bafög haben. Und 69 Prozent sagten, "Studiengebühren überschreiten meine finanziellen Möglichkeiten". Bei den Frauen waren es sogar drei Viertel gegenüber 57 Prozent bei den Männern.
- Datum 02.12.2009 - 10:31 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
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Nachhilfe zur Benutzung des gesunden Menschenverstandes für die zu diesem Problem zuständigen Politiker:
Wenn so viele junge Menschen auf die Straße gehen, besitzt die These von Herrn Dreßler auf jeden Fall mehr an Hintergrund, Frau Scharlatan.
Sie vergessen, dass Ihre Wähler bereits aus dem Studienalter entwachsen sind und zum Großteil kidnerlos oder vermögend. Das nimmt ihnen jedoch nicht die Verantwortung für die Bildungschancen der anderen Gesellschaftsanteile.
SIE DRÜCKEN SICH UM IHRE VERANTWORTUNG MIT HOHLEM PHRASENGEDRESCHE!!
diese Zusammenhänge:
Da studiert man mit Bachelor und Master kompakter, gedrungener und mit wenig Freiraum und -Zeit, darf dafür aber mehr fürs Studium selbst bezahlen. Dass man - neben Studiengebühren - ja noch leben und wohnen, die Zeit fürs Lernen und dann eben auch die Nebentätigkeit haben muss, entgeht der Ministerin evtl. Es soll nämlich Kreise geben, da reichen Bafög und Elternunterstützung allein nicht aus - kann man übrigens auch beim Statistischen Bundesamt nachlesen.
Den Faktor "Unlust" im Bezug auf ein Studium habe ich im Bekanntenkreis übrigens noch nie erlebt ... die zentrale Frage war bislang immer, wie man diese Zeit finanziert bekommen soll.
Und ... unter uns Gebetsschwestern: Das Verständnis für Studiengebühren steigt proportional zur dann eintretenden Besserung der Lernbedingungen. Da muss sich die Ministerin auch fragen lassen, was da für 150€ pro Kopf und Monat bislang verwirklicht wurde. Hier sind aber auch die Unis selbst mitschuldig.
Merke an: Von kurzfristiger Bankenhilfe hat Deutschland (angeblich) Stabilität erhalten. Von langfristiger Erhöhung der Bildungsausgaben (das beträfe ja nicht nur Studenten) in derselben Größenordnung hätte man definitiv mehr Wachstumspotenzial ... nur leider vergisst man diese Langfristigkeiten gern, wenn im 4-Jahres-Rhythmus denkt und sich um die Senkung von Hotelsteuern sorgt.
Ich werde den Verdacht nicht los, dass dieser Effekt gewuenscht ist. Auf dem Akademiker-Arbeitsmarkt ist es nuneinmal sehr eng, wie anderswo auch.
Die Kinder der Oberschicht und Oberen Mittelschicht kommen Dank "Vitamin B" stets unter, der Verdraengungswettbewerb findet zwischen den Kindern der Mittelschicht und der Unteren Mittelschicht statt (die Unterschicht ist nur an ein paar Fachhochschulen ueberhaupt noch vertreten). Der Unterschied ist: Erstere lassen sich von ein paar Hundert oder auch Tausend Euro nicht abschrecken, Letztere schon.
Das hat zwei Effekte:
1. Der Mangel an Studienplaetzen ist nicht so gross.
2. Die Waehler der Mittelschicht sehen fuer ihre Sproesslinge zwar keine gute (Dauerpraktika etc.), aber doch keine hoffnungslose Zukunft (wie es bei noch mehr Absolventen waere). Die Untere Mittelschicht ist im Gegensatz zur Mittelschicht politisch ohnehin apatisch und interessiert nicht weiter.
Wenn die Studiengebühren sinnvoll verwendet würden, wären sie in Ordnung. Werden sie aber oft nicht.
Sinnvoll sind sie unter anderem, weil sich dann vielleicht der eine oder andere Student zwecks persönlicher Weiterbildung ohne ernsthafte berufliche Perspektiven auch für weniger Geld an einer Volkshochschule einschreibt. Diesen Lenkungseffekt finde ich aber im Moment den einzig sinnvollen Zweck, den die Studiengebühren derzeit erfüllen. Dafür müssten Studiengebühren nur unabhängig vom anschließenden Einkommen zurückgezahlt werden.
werden nicht sinnvoll ausgegeben?
Ich meine ,war das denn nicht von vornherein klar?
Ich kann Studenten nicht verstehen,die damals fuer Gebuehren waren weil sie den Versprechungen geglaubt haben.Hinzu kommt ja auch noch dass diese viel zu niedrig sind wenn man eine angemessene qualitative Erhöhung des Lehrangebots fuer alle erreichen will.Weil man das erkannt hat, ist man lediglich auf Materialerneuerung ausgewichen(ein neuer Projektor hier,eine neue Decke fuer den Hoersaal dort) - obwohl auch hier genung Querelen zwischen den fakultäten gab,konnten die grobsten Baustellen beseitigt werden.Aber das kann ja wohl nicht der Sinn von Studiengebuehren sein.
Die Wahrheit ist:Es fehlt an Geld so banal es auch klingen mag.Um diese zu investieren muss man es irgendwem wegnehmen.Die Frage lautet also:wie wichtig ist Bildung?
Unabhaengig vom Einkommen zurueckzahlen?
Dann gibt es 3 Klassen von Akademiker:
1.Die mit reichen Eltern.
2.Diejenigen, die mit ihrem Abschluss den richtigen Punkt im Konjunkturzyklus (der seit einigen Jahren nicht mehr berechenbar ist!) erreichen.
3.Diejenigen, die den Rest ihres Lebens auf einem Schuldenberg hocken.
Auch wer die angeblich sicheren MINT-Faecher studiert, hat ein gewaltiges Problem, wenn er/sie im falschen Jahr fertig wird. Physiker, die 2000 ihren Abschluss bekamen, hatten ein Gehalt von 60.000 DM jaehrlich sicher, selbst mit einer 2,5. In 2004 (nach dem Platzen der Dotcom-Blase) haben selbst 1,2-Absolventen fuer 700 Euro im Monat Vollzeit arbeiten muessen.
De facto bedeutet ihr Vorschlag also ein Studierverbot fuer die unteren und mittleren Schichten, denn in welcher Absolventenkonjunktur man fertig wird, kann man nicht vorhersehen, das haengt von Boersencrash, Dingen wie dem 11. September 2001 (ganz schlechte Chancen fuer Luftfahrtingenieure von heute auf morgen) etc. ab.
Dieses Gluecks- bzw. Pechspiel (die Niete ist die lebenslange Verschuldung) bedeutet, dass die kuenftigen Ingenieure, Aerzte und Lehrer sich endgueltig wieder aus den gleichen Schichten rekrutieren wie zu Kaisers Zeiten. Ob ein guter Arzt sich dadurch auszeichnet, dass seine Eltern genug Geld fuers Studium hatten?
Ich jedenfalls bin mit meinem Zahnarzt (Vater einfacher Arbeiter) sehr zufrieden. Meine Mutter hingegen war mit einem Zahnarzt der dritten Generation einmal sehr unzufrieden...
werden nicht sinnvoll ausgegeben?
Ich meine ,war das denn nicht von vornherein klar?
Ich kann Studenten nicht verstehen,die damals fuer Gebuehren waren weil sie den Versprechungen geglaubt haben.Hinzu kommt ja auch noch dass diese viel zu niedrig sind wenn man eine angemessene qualitative Erhöhung des Lehrangebots fuer alle erreichen will.Weil man das erkannt hat, ist man lediglich auf Materialerneuerung ausgewichen(ein neuer Projektor hier,eine neue Decke fuer den Hoersaal dort) - obwohl auch hier genung Querelen zwischen den fakultäten gab,konnten die grobsten Baustellen beseitigt werden.Aber das kann ja wohl nicht der Sinn von Studiengebuehren sein.
Die Wahrheit ist:Es fehlt an Geld so banal es auch klingen mag.Um diese zu investieren muss man es irgendwem wegnehmen.Die Frage lautet also:wie wichtig ist Bildung?
Unabhaengig vom Einkommen zurueckzahlen?
Dann gibt es 3 Klassen von Akademiker:
1.Die mit reichen Eltern.
2.Diejenigen, die mit ihrem Abschluss den richtigen Punkt im Konjunkturzyklus (der seit einigen Jahren nicht mehr berechenbar ist!) erreichen.
3.Diejenigen, die den Rest ihres Lebens auf einem Schuldenberg hocken.
Auch wer die angeblich sicheren MINT-Faecher studiert, hat ein gewaltiges Problem, wenn er/sie im falschen Jahr fertig wird. Physiker, die 2000 ihren Abschluss bekamen, hatten ein Gehalt von 60.000 DM jaehrlich sicher, selbst mit einer 2,5. In 2004 (nach dem Platzen der Dotcom-Blase) haben selbst 1,2-Absolventen fuer 700 Euro im Monat Vollzeit arbeiten muessen.
De facto bedeutet ihr Vorschlag also ein Studierverbot fuer die unteren und mittleren Schichten, denn in welcher Absolventenkonjunktur man fertig wird, kann man nicht vorhersehen, das haengt von Boersencrash, Dingen wie dem 11. September 2001 (ganz schlechte Chancen fuer Luftfahrtingenieure von heute auf morgen) etc. ab.
Dieses Gluecks- bzw. Pechspiel (die Niete ist die lebenslange Verschuldung) bedeutet, dass die kuenftigen Ingenieure, Aerzte und Lehrer sich endgueltig wieder aus den gleichen Schichten rekrutieren wie zu Kaisers Zeiten. Ob ein guter Arzt sich dadurch auszeichnet, dass seine Eltern genug Geld fuers Studium hatten?
Ich jedenfalls bin mit meinem Zahnarzt (Vater einfacher Arbeiter) sehr zufrieden. Meine Mutter hingegen war mit einem Zahnarzt der dritten Generation einmal sehr unzufrieden...
werden nicht sinnvoll ausgegeben?
Ich meine ,war das denn nicht von vornherein klar?
Ich kann Studenten nicht verstehen,die damals fuer Gebuehren waren weil sie den Versprechungen geglaubt haben.Hinzu kommt ja auch noch dass diese viel zu niedrig sind wenn man eine angemessene qualitative Erhöhung des Lehrangebots fuer alle erreichen will.Weil man das erkannt hat, ist man lediglich auf Materialerneuerung ausgewichen(ein neuer Projektor hier,eine neue Decke fuer den Hoersaal dort) - obwohl auch hier genung Querelen zwischen den fakultäten gab,konnten die grobsten Baustellen beseitigt werden.Aber das kann ja wohl nicht der Sinn von Studiengebuehren sein.
Die Wahrheit ist:Es fehlt an Geld so banal es auch klingen mag.Um diese zu investieren muss man es irgendwem wegnehmen.Die Frage lautet also:wie wichtig ist Bildung?
Gut, dass die Diskussionsrunde bei Anne Will hier nochmal thematisiert wird. Frau Schavan hat die tatsächliche prekäre Situation Deutschlands in Sachen Bildung so dermaßen verschönt dargestellt, als hätte sie mit ihre Partei das Paradies auf Erden geschaffen, so dass nun alle Welt nach Deutschland zum studieren kommt. Auch wenn wir ein paar Gaststudenten mehr haben und Frau Schavan sich dafür auf die Schulter klopft...Das Thema der Sendung war: "Hast du was, wirst du was" - Bildung ist in Deutschland, wie in keinem anderen Land, hauptsächlich von der sozialen Herkunft abhängig!! Darauf ist sie nicht eingegangen - ich bin mir sicher sie weiß warum.
Unabhaengig vom Einkommen zurueckzahlen?
Dann gibt es 3 Klassen von Akademiker:
1.Die mit reichen Eltern.
2.Diejenigen, die mit ihrem Abschluss den richtigen Punkt im Konjunkturzyklus (der seit einigen Jahren nicht mehr berechenbar ist!) erreichen.
3.Diejenigen, die den Rest ihres Lebens auf einem Schuldenberg hocken.
Auch wer die angeblich sicheren MINT-Faecher studiert, hat ein gewaltiges Problem, wenn er/sie im falschen Jahr fertig wird. Physiker, die 2000 ihren Abschluss bekamen, hatten ein Gehalt von 60.000 DM jaehrlich sicher, selbst mit einer 2,5. In 2004 (nach dem Platzen der Dotcom-Blase) haben selbst 1,2-Absolventen fuer 700 Euro im Monat Vollzeit arbeiten muessen.
De facto bedeutet ihr Vorschlag also ein Studierverbot fuer die unteren und mittleren Schichten, denn in welcher Absolventenkonjunktur man fertig wird, kann man nicht vorhersehen, das haengt von Boersencrash, Dingen wie dem 11. September 2001 (ganz schlechte Chancen fuer Luftfahrtingenieure von heute auf morgen) etc. ab.
Dieses Gluecks- bzw. Pechspiel (die Niete ist die lebenslange Verschuldung) bedeutet, dass die kuenftigen Ingenieure, Aerzte und Lehrer sich endgueltig wieder aus den gleichen Schichten rekrutieren wie zu Kaisers Zeiten. Ob ein guter Arzt sich dadurch auszeichnet, dass seine Eltern genug Geld fuers Studium hatten?
Ich jedenfalls bin mit meinem Zahnarzt (Vater einfacher Arbeiter) sehr zufrieden. Meine Mutter hingegen war mit einem Zahnarzt der dritten Generation einmal sehr unzufrieden...
In der Schweiz ist so ne Studiengebühr zwischen 900 und 1800 CHF. Pro Semester! Deutschland war lange Zeit im Vergleich ein Himmel erster Klasse und jetzt, ja jetzt ist es nur noch Himmel zweiter Klasse. Ich will nicht sagen, dass Gebühren richtig sind, aber nur zeigen, dass es woanders schlimmer ist.
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