Studienfinanzierung Gebühren als Studierbremse
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Forscher sehen Zusammenhang zwischen Studiengebühren und Wanderungsverhalten

Rudolf Dreßler hat sich bei "Anne Will" auch auf eine neue Studie des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) berufen. Dessen Forscher sehen einen Zusammenhang zwischen Studiengebühren und dem Wanderungsverhalten der Studierenden im Wintersemester 2007/2008: Zwar können sich die Länder mit Gebühren noch immer über zusätzliche Erstsemester aus anderen Ländern freuen, sie machen "in summa noch immer Wanderungsgewinne", wie die Wissenschaftler schreiben. Doch ihr Saldo sinkt, während die Länder ohne Gebühren aufholen: "Der Abstand beider Gruppen hat sich durch die Trendumkehr fast vollständig geschlossen", stellen die Wissenschaftler fest. Während die ostdeutschen Flächenländer ihre Wanderungsbilanzen "erheblich verbessern" und auch die westdeutschen studiengebührenfreien Länder ihre Bilanz weiter ausbauen, verlief die Entwicklung in den meisten Ländern, die Gebühren nehmen, demnach "konträr".

Das gleiche Muster gelte für die Stadtstaaten. Hamburg, das im untersuchten Zeitraum noch nicht auf dem Studium nachgelagerte Gebühren umgestellt hatte, musste eine "starke Abschwächung der Zuwanderung von Erstsemestern" hinnehmen. Berlin und Bremen legten zu.

Eine Ausnahme gibt es aber auch: Bayern gewinnt 30 Prozent mehr Erstsemester dazu als es verliert – obwohl es Gebühren nimmt. Die Forscher nehmen an, dass es vom Nachbarland Baden-Württemberg profitiert, das ebenfalls Gebühren nimmt, aber bei den Studierenden nicht mit der Reputation der bayerischen Hochschulen mithalten kann.

Die Wissenschaftler vom IWH empfehlen den ostdeutschen Ländern, keine Gebühren einzuführen. Zwar würden "Qualitäts- und Reputationsgesichtspunkte" per se für Gebühren sprechen. Doch seien die damit für die deutschen Hochschulen eröffneten Finanzspielräume zu gering, um "eine signifikante Verbesserung der Lehre zu gewährleisten". Auch gingen "Reputationssignale", die Gebühren generell aussenden könnten, im deutschen Gebührensystem verloren: "Nehmen fast alle Hochschulen in Westdeutschland eine einheitliche Gebühr, ist der Informationswert dieses Preises nahe null." Letztlich werde Ostdeutschland stärker profitieren, wenn es gebührenfrei bleibe und so mehr westdeutsche Abiturienten anziehe. Diese würden dann feststellen, dass die Qualität der ostdeutschen Unis besser als bislang im Westen angenommen ist und so eine "langfristig positive Reputationswirkung" erzeugen.

Nach ersten Erfahrungen mit Studiengebühren seit fast 40 Jahren in Deutschland lässt sich also festhalten: Im studierunwilligen Viertel der Abiturienten wirken sie durchaus abschreckend. Und nicht wenige Studierende gehen ihnen durch Umzug aus dem Weg.

 
Leser-Kommentare
  1. 1. ...

    Nachhilfe zur Benutzung des gesunden Menschenverstandes für die zu diesem Problem zuständigen Politiker:

    Wenn so viele junge Menschen auf die Straße gehen, besitzt die These von Herrn Dreßler auf jeden Fall mehr an Hintergrund, Frau Scharlatan.

    Sie vergessen, dass Ihre Wähler bereits aus dem Studienalter entwachsen sind und zum Großteil kidnerlos oder vermögend. Das nimmt ihnen jedoch nicht die Verantwortung für die Bildungschancen der anderen Gesellschaftsanteile.

    SIE DRÜCKEN SICH UM IHRE VERANTWORTUNG MIT HOHLEM PHRASENGEDRESCHE!!

  2. diese Zusammenhänge:
    Da studiert man mit Bachelor und Master kompakter, gedrungener und mit wenig Freiraum und -Zeit, darf dafür aber mehr fürs Studium selbst bezahlen. Dass man - neben Studiengebühren - ja noch leben und wohnen, die Zeit fürs Lernen und dann eben auch die Nebentätigkeit haben muss, entgeht der Ministerin evtl. Es soll nämlich Kreise geben, da reichen Bafög und Elternunterstützung allein nicht aus - kann man übrigens auch beim Statistischen Bundesamt nachlesen.
    Den Faktor "Unlust" im Bezug auf ein Studium habe ich im Bekanntenkreis übrigens noch nie erlebt ... die zentrale Frage war bislang immer, wie man diese Zeit finanziert bekommen soll.
    Und ... unter uns Gebetsschwestern: Das Verständnis für Studiengebühren steigt proportional zur dann eintretenden Besserung der Lernbedingungen. Da muss sich die Ministerin auch fragen lassen, was da für 150€ pro Kopf und Monat bislang verwirklicht wurde. Hier sind aber auch die Unis selbst mitschuldig.
    Merke an: Von kurzfristiger Bankenhilfe hat Deutschland (angeblich) Stabilität erhalten. Von langfristiger Erhöhung der Bildungsausgaben (das beträfe ja nicht nur Studenten) in derselben Größenordnung hätte man definitiv mehr Wachstumspotenzial ... nur leider vergisst man diese Langfristigkeiten gern, wenn im 4-Jahres-Rhythmus denkt und sich um die Senkung von Hotelsteuern sorgt.

  3. Ich werde den Verdacht nicht los, dass dieser Effekt gewuenscht ist. Auf dem Akademiker-Arbeitsmarkt ist es nuneinmal sehr eng, wie anderswo auch.

    Die Kinder der Oberschicht und Oberen Mittelschicht kommen Dank "Vitamin B" stets unter, der Verdraengungswettbewerb findet zwischen den Kindern der Mittelschicht und der Unteren Mittelschicht statt (die Unterschicht ist nur an ein paar Fachhochschulen ueberhaupt noch vertreten). Der Unterschied ist: Erstere lassen sich von ein paar Hundert oder auch Tausend Euro nicht abschrecken, Letztere schon.

    Das hat zwei Effekte:
    1. Der Mangel an Studienplaetzen ist nicht so gross.
    2. Die Waehler der Mittelschicht sehen fuer ihre Sproesslinge zwar keine gute (Dauerpraktika etc.), aber doch keine hoffnungslose Zukunft (wie es bei noch mehr Absolventen waere). Die Untere Mittelschicht ist im Gegensatz zur Mittelschicht politisch ohnehin apatisch und interessiert nicht weiter.

  4. 4.

    Wenn die Studiengebühren sinnvoll verwendet würden, wären sie in Ordnung. Werden sie aber oft nicht.

    Sinnvoll sind sie unter anderem, weil sich dann vielleicht der eine oder andere Student zwecks persönlicher Weiterbildung ohne ernsthafte berufliche Perspektiven auch für weniger Geld an einer Volkshochschule einschreibt. Diesen Lenkungseffekt finde ich aber im Moment den einzig sinnvollen Zweck, den die Studiengebühren derzeit erfüllen. Dafür müssten Studiengebühren nur unabhängig vom anschließenden Einkommen zurückgezahlt werden.

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    werden nicht sinnvoll ausgegeben?

    Ich meine ,war das denn nicht von vornherein klar?
    Ich kann Studenten nicht verstehen,die damals fuer Gebuehren waren weil sie den Versprechungen geglaubt haben.Hinzu kommt ja auch noch dass diese viel zu niedrig sind wenn man eine angemessene qualitative Erhöhung des Lehrangebots fuer alle erreichen will.Weil man das erkannt hat, ist man lediglich auf Materialerneuerung ausgewichen(ein neuer Projektor hier,eine neue Decke fuer den Hoersaal dort) - obwohl auch hier genung Querelen zwischen den fakultäten gab,konnten die grobsten Baustellen beseitigt werden.Aber das kann ja wohl nicht der Sinn von Studiengebuehren sein.
    Die Wahrheit ist:Es fehlt an Geld so banal es auch klingen mag.Um diese zu investieren muss man es irgendwem wegnehmen.Die Frage lautet also:wie wichtig ist Bildung?

    Unabhaengig vom Einkommen zurueckzahlen?
    Dann gibt es 3 Klassen von Akademiker:
    1.Die mit reichen Eltern.
    2.Diejenigen, die mit ihrem Abschluss den richtigen Punkt im Konjunkturzyklus (der seit einigen Jahren nicht mehr berechenbar ist!) erreichen.
    3.Diejenigen, die den Rest ihres Lebens auf einem Schuldenberg hocken.
    Auch wer die angeblich sicheren MINT-Faecher studiert, hat ein gewaltiges Problem, wenn er/sie im falschen Jahr fertig wird. Physiker, die 2000 ihren Abschluss bekamen, hatten ein Gehalt von 60.000 DM jaehrlich sicher, selbst mit einer 2,5. In 2004 (nach dem Platzen der Dotcom-Blase) haben selbst 1,2-Absolventen fuer 700 Euro im Monat Vollzeit arbeiten muessen.
    De facto bedeutet ihr Vorschlag also ein Studierverbot fuer die unteren und mittleren Schichten, denn in welcher Absolventenkonjunktur man fertig wird, kann man nicht vorhersehen, das haengt von Boersencrash, Dingen wie dem 11. September 2001 (ganz schlechte Chancen fuer Luftfahrtingenieure von heute auf morgen) etc. ab.
    Dieses Gluecks- bzw. Pechspiel (die Niete ist die lebenslange Verschuldung) bedeutet, dass die kuenftigen Ingenieure, Aerzte und Lehrer sich endgueltig wieder aus den gleichen Schichten rekrutieren wie zu Kaisers Zeiten. Ob ein guter Arzt sich dadurch auszeichnet, dass seine Eltern genug Geld fuers Studium hatten?
    Ich jedenfalls bin mit meinem Zahnarzt (Vater einfacher Arbeiter) sehr zufrieden. Meine Mutter hingegen war mit einem Zahnarzt der dritten Generation einmal sehr unzufrieden...

    werden nicht sinnvoll ausgegeben?

    Ich meine ,war das denn nicht von vornherein klar?
    Ich kann Studenten nicht verstehen,die damals fuer Gebuehren waren weil sie den Versprechungen geglaubt haben.Hinzu kommt ja auch noch dass diese viel zu niedrig sind wenn man eine angemessene qualitative Erhöhung des Lehrangebots fuer alle erreichen will.Weil man das erkannt hat, ist man lediglich auf Materialerneuerung ausgewichen(ein neuer Projektor hier,eine neue Decke fuer den Hoersaal dort) - obwohl auch hier genung Querelen zwischen den fakultäten gab,konnten die grobsten Baustellen beseitigt werden.Aber das kann ja wohl nicht der Sinn von Studiengebuehren sein.
    Die Wahrheit ist:Es fehlt an Geld so banal es auch klingen mag.Um diese zu investieren muss man es irgendwem wegnehmen.Die Frage lautet also:wie wichtig ist Bildung?

    Unabhaengig vom Einkommen zurueckzahlen?
    Dann gibt es 3 Klassen von Akademiker:
    1.Die mit reichen Eltern.
    2.Diejenigen, die mit ihrem Abschluss den richtigen Punkt im Konjunkturzyklus (der seit einigen Jahren nicht mehr berechenbar ist!) erreichen.
    3.Diejenigen, die den Rest ihres Lebens auf einem Schuldenberg hocken.
    Auch wer die angeblich sicheren MINT-Faecher studiert, hat ein gewaltiges Problem, wenn er/sie im falschen Jahr fertig wird. Physiker, die 2000 ihren Abschluss bekamen, hatten ein Gehalt von 60.000 DM jaehrlich sicher, selbst mit einer 2,5. In 2004 (nach dem Platzen der Dotcom-Blase) haben selbst 1,2-Absolventen fuer 700 Euro im Monat Vollzeit arbeiten muessen.
    De facto bedeutet ihr Vorschlag also ein Studierverbot fuer die unteren und mittleren Schichten, denn in welcher Absolventenkonjunktur man fertig wird, kann man nicht vorhersehen, das haengt von Boersencrash, Dingen wie dem 11. September 2001 (ganz schlechte Chancen fuer Luftfahrtingenieure von heute auf morgen) etc. ab.
    Dieses Gluecks- bzw. Pechspiel (die Niete ist die lebenslange Verschuldung) bedeutet, dass die kuenftigen Ingenieure, Aerzte und Lehrer sich endgueltig wieder aus den gleichen Schichten rekrutieren wie zu Kaisers Zeiten. Ob ein guter Arzt sich dadurch auszeichnet, dass seine Eltern genug Geld fuers Studium hatten?
    Ich jedenfalls bin mit meinem Zahnarzt (Vater einfacher Arbeiter) sehr zufrieden. Meine Mutter hingegen war mit einem Zahnarzt der dritten Generation einmal sehr unzufrieden...

  5. werden nicht sinnvoll ausgegeben?

    Ich meine ,war das denn nicht von vornherein klar?
    Ich kann Studenten nicht verstehen,die damals fuer Gebuehren waren weil sie den Versprechungen geglaubt haben.Hinzu kommt ja auch noch dass diese viel zu niedrig sind wenn man eine angemessene qualitative Erhöhung des Lehrangebots fuer alle erreichen will.Weil man das erkannt hat, ist man lediglich auf Materialerneuerung ausgewichen(ein neuer Projektor hier,eine neue Decke fuer den Hoersaal dort) - obwohl auch hier genung Querelen zwischen den fakultäten gab,konnten die grobsten Baustellen beseitigt werden.Aber das kann ja wohl nicht der Sinn von Studiengebuehren sein.
    Die Wahrheit ist:Es fehlt an Geld so banal es auch klingen mag.Um diese zu investieren muss man es irgendwem wegnehmen.Die Frage lautet also:wie wichtig ist Bildung?

    Antwort auf "Kommentar Nr. 4"
  6. Gut, dass die Diskussionsrunde bei Anne Will hier nochmal thematisiert wird. Frau Schavan hat die tatsächliche prekäre Situation Deutschlands in Sachen Bildung so dermaßen verschönt dargestellt, als hätte sie mit ihre Partei das Paradies auf Erden geschaffen, so dass nun alle Welt nach Deutschland zum studieren kommt. Auch wenn wir ein paar Gaststudenten mehr haben und Frau Schavan sich dafür auf die Schulter klopft...Das Thema der Sendung war: "Hast du was, wirst du was" - Bildung ist in Deutschland, wie in keinem anderen Land, hauptsächlich von der sozialen Herkunft abhängig!! Darauf ist sie nicht eingegangen - ich bin mir sicher sie weiß warum.

  7. Unabhaengig vom Einkommen zurueckzahlen?
    Dann gibt es 3 Klassen von Akademiker:
    1.Die mit reichen Eltern.
    2.Diejenigen, die mit ihrem Abschluss den richtigen Punkt im Konjunkturzyklus (der seit einigen Jahren nicht mehr berechenbar ist!) erreichen.
    3.Diejenigen, die den Rest ihres Lebens auf einem Schuldenberg hocken.
    Auch wer die angeblich sicheren MINT-Faecher studiert, hat ein gewaltiges Problem, wenn er/sie im falschen Jahr fertig wird. Physiker, die 2000 ihren Abschluss bekamen, hatten ein Gehalt von 60.000 DM jaehrlich sicher, selbst mit einer 2,5. In 2004 (nach dem Platzen der Dotcom-Blase) haben selbst 1,2-Absolventen fuer 700 Euro im Monat Vollzeit arbeiten muessen.
    De facto bedeutet ihr Vorschlag also ein Studierverbot fuer die unteren und mittleren Schichten, denn in welcher Absolventenkonjunktur man fertig wird, kann man nicht vorhersehen, das haengt von Boersencrash, Dingen wie dem 11. September 2001 (ganz schlechte Chancen fuer Luftfahrtingenieure von heute auf morgen) etc. ab.
    Dieses Gluecks- bzw. Pechspiel (die Niete ist die lebenslange Verschuldung) bedeutet, dass die kuenftigen Ingenieure, Aerzte und Lehrer sich endgueltig wieder aus den gleichen Schichten rekrutieren wie zu Kaisers Zeiten. Ob ein guter Arzt sich dadurch auszeichnet, dass seine Eltern genug Geld fuers Studium hatten?
    Ich jedenfalls bin mit meinem Zahnarzt (Vater einfacher Arbeiter) sehr zufrieden. Meine Mutter hingegen war mit einem Zahnarzt der dritten Generation einmal sehr unzufrieden...

    Antwort auf "Kommentar Nr. 4"
  8. In der Schweiz ist so ne Studiengebühr zwischen 900 und 1800 CHF. Pro Semester! Deutschland war lange Zeit im Vergleich ein Himmel erster Klasse und jetzt, ja jetzt ist es nur noch Himmel zweiter Klasse. Ich will nicht sagen, dass Gebühren richtig sind, aber nur zeigen, dass es woanders schlimmer ist.

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