Adventskalender - Türchen 16 Woran litt Tiny Tim aus Dickens' Weihnachtsgeschichte?
Weihnachten mit Mickey, Kermit und Barbie: Charles Dickens' "A Christmas Carol" ist neben der biblischen Erzählung die meist adaptierte Weihnachtsgeschichte überhaupt.
© Hulton Archive/Getty Images

Eine Szene aus Charles Dickens' "Eine Weihnachtsgeschichte": Bob Cratchit trägt Tiny Tim auf seinen Schultern
Es ist wohl die berühmteste Weihnachtsgeschichte überhaupt – gleich nach Jesu Geburt selbst natürlich. Seit Charles Dickens' Roman "Eine Weihnachtsgeschichte" – im Original A Christmas Carol 1843 in England erschienen ist, reißt die Begeisterung für die Erzählung nicht ab.
Seit 1901 wurde die "Weihnachtsgeschichte" mehr als 50 Mal verfilmt, es gibt Adaptionen von Mickey Maus, den Muppets und sogar Barbie. Besonders populär ist die Hollywoodversion Die Geister, die ich rief mit Bill Murray in der Hauptrolle und zuletzt startete im November die opulente 3D-Version von Disney.
Die Hauptfigur der Erzählung ist der hartherzige Knauser Ebenezer Scrooge, der für seine Mitmenschen und Weihnachten wenig übrig hat. Er bezahlt seinen Angestellten Bob Cratchit so schlecht, dass dieser seinen schwerkranken Sohn (Tiny) Tim nicht ausreichend versorgen kann. Der Junge ist körperlich behindert – "seine Glieder wurden von eisernen Schienen gestützt", und er hat nicht mehr lange zu leben, heißt es in Dickens' Geschichte. Tiny Tims Schicksal trägt mit dazu bei, dass Scrooge sich von den Geistern der Weihnacht bekehren lässt. Doch woran litt der Kleine überhaupt?
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Den amerikanischen Kinderarzt Donald Lewis ließ die Figur des Tiny Tim nicht los. Er studierte deshalb medizinische Texte des 19. Jahrhunderts und verglich sie mit den in Dickens' Originalskript beschriebenen Symptomen. Tiny Tim wird hier als schmächtig beschrieben, er wirkt unterernährt und schwach, gestützt von seinen Brüdern und einer Krücke. Im American Journal of Diseases of Children veröffentlichte Lewis schließlich seine Theorie: Tiny Tim litt an Renaltubulärer Azidose, einer Nierenkrankheit, die zu Dickens' Zeiten noch nicht exakt beschrieben war, auf die aber Tiny Tims Krankheitsbild passt.
In Dickens' Erzählung kann der Junge behandelt werden, wie genau erfährt der Leser allerdings nicht. Seine Genesung hat er dem geläuterten Arbeitgeber seines Vaters zu verdanken. Aufgerüttelt von den Erlebnissen dreier Geister, die ihn heimsuchen, wandelt sich Ebenezer Scrooge zu einem großzügigen Menschen und zahlt Bob Cratchit fortan ein höheres Gehalt.
Charles Dickens soll sich im Übrigen selbst in einer finanziellen Notlage befunden haben, als er seine "Weihnachtsgeschichte" ersann. Seine Frau erwartete das fünfte von insgesamt zehn Kindern und der Winter stand bevor. Da Dickens keinen Verleger finden konnte, musste er die Kosten für den Druck selbst tragen.
Der Roman wurde ein voller Erfolg, doch weil das Urheberrecht in England noch nicht ausgereift war, kamen bald die ersten Raubkopien in den Umlauf. Dickens ärgerte sich so sehr darüber, dass er zahlreiche Klagen einreichte. Es heißt, die Prozesskosten hätten ihn letztlich genauso viel gekostet, wie ihm der Roman einbrachte.
Hinter dem Türchen vom 15. Dezember verbirgt sich die Antwort auf die Frage: Gibt es die Jungfrauengeburt?
- Datum 16.12.2009 - 08:04 Uhr
- Serie Schlaue Weihnachten
- Quelle ZEIT ONLINE
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...Zusatzinfo:
Walt Disneys "Dagobert Duck" heißt im Original: Scrooge McDuck, als Reminiszenz an Ebenezer Scrooge.
D.h. Erfunden hat ihn eigentlich Carls Barks, der berühmteste unter Disneys Zeichnern.
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