Arzneimittel für alte Menschen Wenn Medikamente zur Gefahr werden
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Eine Liste bedenklicher Wirkstoffe soll bis Ende 2009 erscheinen

Nun darf man nicht etwa vor Angst gleich alle Medikamente selbstständig absetzen und sich damit am meisten gefährden. Vielmehr ist eine umsichtige Auswahl des wirklich Notwendigen und am besten Verträglichen zusammen mit dem Arzt notwendig. Listen der Arzneimittel, deren Risiken bei Älteren den Nutzen übertreffen oder die bei ihnen anders zu dosieren sind, wurden in verschiedenen Ländern zusammengestellt, zuerst die Beers-Liste in den USA.

Solche Verzeichnisse sind nicht einfach auf Deutschland übertragbar, sagte die Wuppertaler Expertin: Weil viele Medikamente gar nicht bei uns auf dem Markt sind, weil die Ärzte je nach Nation verschiedene Verschreibungsgewohnheiten haben und die Behandlungsleitlinien voneinander abweichen. Im Priscus-Forschungsvorhaben wurde nun auch eine deutsche Liste erarbeitet, deren Grundzüge in Berlin vorgestellt wurden. Sie ist noch nicht veröffentlicht, wird in der Fachpresse erscheinen und soll bis Jahresende ins Internet gestellt werden.

25 Experten verschiedener Fachgebiete, befragt nach der Delphi-Methode, einigten sich auf 83 Arzneisubstanzen, die Ältere nur ausnahmsweise oder unter besonderen Vorsichtsmaßnahmen erhalten sollten. Als Beispiele nannte Petra Thürmann einige besonders riskante Vertreter jener Gruppe von Schmerz- und Rheumamitteln, die gerade im Alter oft schwere Nebenwirkungen haben, auch wenn die Werbung beispielsweise für die Cox-2-Hemmer anderes behauptet. Indometazin und Acemetazin, Ketoprofen, Meloxicam, Prioxipam und Etoricoxib sollten lieber durch besser verträgliche Mittel wie Ibuprofen und Diclofenac ersetzt werden, riet sie.

Als Patient kann man selbst viel dazu beitragen, Arzneimittelschäden zu vermeiden. Vor anderthalb Jahren rief das Bundesgesundheitsministerium einen "Aktionsplan Arzneimitteltherapiesicherheit" ins Leben. Die Koordination der 49 Einzelmaßnahmen liegt bei der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, in deren Vortragsreihe auf dem Ärztekongress Petra Thürmann sprach. Auch Projekte der Versorgungsforschung gehören zu diesem Plan, in dessen Zentrum die Frage steht, wie sich die häufigen Fehler bei der Arzneimittelbehandlung vermeiden lassen.

Vorrangiges Ziel ist die bessere Information nicht nur der Ärzte, sondern auch der Patienten.

Um sie auf die Probleme aufmerksam zu machen, verfasste das Ministerium zusammen mit Ärzte-, Apotheker- und auch Patientenvertretern "Tipps für eine sichere Arzneimitteltherapie". Die wichtigsten Ratschläge: eine sorgfältig geführte Liste aller zurzeit angewandten Medikamente bei jedem Arztbesuch vorlegen; die Anwendungshinweise genau beachten; bei unter der Therapie auftretenden neuen Beschwerden den Arzt oder Apotheker informieren (es könnte ja eine Neben- oder Wechselwirkung dahinter stecken); offene Fragen mit dem Arzt besprechen.

Buchtipp: "Handbuch Medikamente" der Stiftung Warentest, Sonderausgabe 2009. 1359 Seiten, 25 Euro.

 
Leser-Kommentare
  1. Es ist nicht, dass sich gewisse Medikamente nicht mit anderen Medikamenten vertragen. Auch in Bezug auf Nebeneffekte gibt es Kontraindikationen. Zum Beispiel nehme ich ein Stereoidhaltiges Medikament, das dringend die zusätzliche Einnahme von Calcium erfordert. Zugleich aber auch ein Schilddrüsenmedikament, das Calcium strengstens verbietet.

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