Apophis ist der eingekreiste Punkt in der Mitte © Nasa UH/IA

Falls Sie Ihren Kalender nicht nur für das gerade begonnene Jahr 2010, sondern gleich für die kommenden dreißig Jahre mit Daten versehen, so sollten Sie den 13. April 2036 ankreuzen. An diesem Tag wird der Asteroid Apophis , benannt nach dem Gott der Finsternis der alten Ägypter, der Erde gefährlich nahe kommen. Apophis ist ein sogenannter Erdbahnkreuzer.

Der dreihundert Meter große Gesteinsbrocken wurde 2004 entdeckt. Als man seine Bahn vermaß, ergab sich eine Wahrscheinlichkeit von 1:50 oder zwei Prozent, dass er mit der Erde kollidieren könnte. Was wie eine geringe Chance klingt, sorgte trotzdem für einige Beunruhigung. Denn schlüge der Asteroid auf Land ein, könnte er einen ganzen Kontinent verwüsten, fiele er ins Wasser, wäre ein verheerender Tsunami an den benachbarten Küsten die Folge.

Die Wahrscheinlichkeit für einen solchen Zusammenstoß mit der Erde ist kein absoluter Wert, sie hängt davon ab, wie genau die Position und die Geschwindigkeit von Apophis gemessen werden können. Wie bei allen Messungen gibt es auch bei diesen die Möglichkeit von Fehlern. Sie ist vor allem groß, wenn wenige Daten vorliegen. Von Apophis gab es anfangs nur wenige Positionsmessungen, um seine Bahn zu berechnen. Seit seiner Entdeckung 2004 ist deren Zahl jedoch sehr viel größer geworden. Daher hatten die Astronomen die Einschlagswahrscheinlichkeit bereits erheblich gesenkt und rechneten nun nur noch mit einer von 1:45.000.

Nun haben die Astronomen der amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa , Steve Chesley und Paul Chodas vom Jet Propulsion Laboratory eine neue Bahnberechnung von Apophis vorgelegt , nach der ein Unglück noch weit weniger wahrscheinlich ist. Sie benutzten dazu Aufnahmen von Großteleskopen in den USA sowie Beobachtungen des mit dreihundert Metern Durchmesser größten Radioteleskops der Welt in Arecibo auf Puerto Rico .

Dank ihrer Daten verkleinerte sich die Trefferwahrscheinlichkeit noch einmal auf beruhigend winzige 1:250.000. Das bedeutet, bei 250.000 Vorbeiflügen an der Erde auf dieser Bahn führt statistisch nur einer davon zu einem Einschlag. In der Realität könnte dieser eine Treffer auch beim nächsten Vorbeiflug erfolgen, eine Aussage darüber kann die Statistik nicht liefern. Doch wäre das sehr sehr unwahrscheinlich.

Trotzdem hat die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos dies zum Anlass genommen, über Methoden zu spekulieren, wie die Bahn von Apophis von der Erde abgelenkt werden könnte. Zum Beispiel durch einen Rammstoß. Womit gerammt werden soll, hat sie aber nicht gesagt. Der längst bekannte Vorschlag ist angesichts der riesigen Masse des Asteroiden von schätzungsweise 30 Millionen Tonnen ähnlich abenteuerlich, wie ein Zünden von Atombomben auf Apophis . Eine Gefahr, sei sie noch so gering, wird für uns also bleiben.