Querschnitte durch einen Baum erzählen die klimatische Geschichte seines Lebens. Dicke Ringe lassen auf gute Wachstumsbedingungen schließen, dünne Ringe auf schlechte Zeiten. Wenn Forscher sich das Weltklima anschauen lesen sie nicht in Baumquerschnitten, sondern in Sedimentschichten, die sie an verschiedenen Orten der Welt zu Tage fördern. Die Ablagerungen auf dem Grund von Seen und Meeren verraten viel über die klimatischen Veränderungen und das über Jahrtausende lange Zeiträume.

Die Sedimente des Elgygytgynsee, im äußersten Nordosten Sibiriens, sind eine lückenlose Enzyklopädie der klimatische Geschichte der vergangenen 3.6 Millionen Jahre. Jede klimatische Epoche hat ihren eigenen einzigartigen Fingerabdruck.Der See selbst entstand durch den Einschlag eines Meteoriten und seine Sedimente konnten sich seitdem ungestört ablagern.

Ein internationales Team von 42 Wissenschaftlern hat Anfang 2009  Bohrungen im hunderte Meter dickem Untergrund des Sees durchgeführt. Die Bedingungen sind hart: bei minus 45 Grad arbeiten die Forscher unter extremsten Witterungsverhältnissen. Sie suchen nach Belegen und Hinweisen, wie sich das Klima in der Vergangenheit bis hin in die Arktis veränderte. Mit diesen Informationen können die Wissenwchafteler auch Aussagen über die Auswirkungen und Abläufe des Klimawandels treffen.

Für das Forscherteam um den Projektleiter Martin Melles vom Institut für Geologie und Mineralogie der Universität Köln wurde ein kleines Dorf am Rand des Elgygytgynsees aufgebaut. Um das Gewicht des Spezialbohrers für die Proben tragen zu können, mussten die Wissenschaftler das Eis des Sees verdicken. Die gewonnenen Sedimentekt mussten anschließend bei unter 4 Grad nach Deutschland gebracht werden, um hier genauer analysiert zu werden.

Für das Projekt "Science TV" der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) haben Melles und sein Forscherteam die Kamera in die Hand genommen und ihren Arbeitsalltag dokumentiert. Herausgekommen sind dabei Kurzfilme, die die Studentin Julia Gottschalk auf ihrem Weg in die russische Kälte zeigen und den Forschern bei ihrer Analyse der Millionen Jahre alten Schichten über die Schulter blicken.