Alle haben ein Interesse daran, die Prüfungslast zu senken
Bei allem Klein-Klein hat der Runde Tisch etliche Vorschläge erarbeitet, die "eine kleine Revolution bedeuten, die das Bachelorstudium entlastet", wie der Altlinke Hajo Funke hoffnungsfroh ausruft. Module sollen nur noch mit einer Prüfung abgeschlossen werden. Wenn ein Modul aus Vorlesung und Seminar besteht, sollen die Studierenden selber entscheiden können, ob sie an der Klausur zur Vorlesung teilnehmen oder eine Hausarbeit schreiben. Wer eine Prüfung nicht besteht, weil er nur 30 Prozent richtig gelöst hat, soll dies im folgenden Semester mit einer zweiten Prüfung, die mit 80 Prozent bestanden wird, kompensieren können. Die Anwesenheitspflicht und -kontrolle in Lehrveranstaltungen, die der AS im Dezember vorerst ausgesetzt hatte, soll dauerhaft liberalisiert werden – mit einer Kann-Bestimmung: Jeder Dozent soll gemeinsam mit den Studenten festlegen können, wie viel Anwesenheit notwendig ist.
Einige Punkte bringt der Runde Tisch am 10. Februar in den Akademischen Senat ein. Haben sie eine Chance durchzukommen? "Die Prüfungslast zu senken, ist ein Anliegen aller", sagt Studentenvertreter Mathias Bartelt, der im AS und am Runden Tisch aktiv ist. Und seitdem der scheidende FU-Präsident Dieter Lenzen sich aus dem Uniparlament zurückgezogen habe, seien Beschlüsse möglich, "die vor ein paar Monaten noch undenkbar gewesen wären". Kaum durchsetzbar aber seien basisdemokratische Forderungen, nach denen Studierende in allen Gremien die Mehrheit haben sollten, die sich mit Lehre und Studium befassen.
Was wird aus dem Runden Tisch, wenn er alle Anträge eingebracht hat? Bongardt schlägt vor, kritisch zu begleiten, wie die Vorschläge in den Unigremien umgesetzt werden. "Wenn sie verloren gehen oder umgedreht werden, melden wir uns zu Wort." Bartelt geht das nicht weit genug: Als unabhängiger Impulsgeber werde der Runde Tisch noch lange gebraucht.
Bongardt hat sich derweil durch die besonnene Leitung des Runden Tisches für höhere Aufgaben ins Gespräch gebracht. Wer den Runden Tisch so engagiert leitet, kann auch die FU leiten, denken manche. Bongardt winkt ab: "Für den Posten des Präsidenten stehe ich definitiv nicht zur Verfügung." Aber für einen anderen Posten? Kein Kommentar. Mit seiner Bereitschaft, Anträge zu redigieren, Studienordnungen zu durchforsten und Gespräche zu moderieren, erweist Bongardt der FU jedenfalls einen großen Dienst. Amory Burchard
- Datum 01.02.2010 - 13:18 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
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Richig gut, dass es jetzt auch an der FU voran geht. Aber ich verstehe nicht, wieso das alles so langsam vonstatten gehen soll?!
Wenn meine Informationen nicht falsch sind, haben Studierende und Unileitung schon im Dezember auf eine gemeinsame Linie geeinigt (siehe google: Bildungsdeklaration Cottbus) und wenn man den Protokollen des dortigen Studierendenrates glaubt, ist auch sonst schon einiges verbessert worden.
Wieso suggeriert die Darstellung des Artikels, dass solch ein Runder Tisch nur an der FU Berlin existiert? Auch an der Uni Trier gibt es diese Einrichtung, auch hier wird fleißig diskutiert, auch wenn auch hier lediglich Vorschläge unterbreitet werden könnnen und die Entscheidungen andernorts getroffen werden. Doch auch hier bleibt (wohl nicht nur) aus studentischer Perspektive zu hoffen, dass es eine "Reform der Reform" geben wird und man sich wieder von stupiden Multiple-Choice-Tests in Geisteswissenschaften und anderen Fehlern des neuen Systems verabschiedet.
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