Schutz vor Naturkatastrophen Warten auf das nächste Beben
Erdbeben wie in Haiti zeigen, wie verwundbar unsere Zivilisation ist. Vorhersagbar sind Erdstöße nicht, aber der Mensch kann lernen, sich anzupassen. Von Rüdiger Schacht
© Jewel Samad/AFP/Getty Images

Schutt und Asche: Eine Woche nach dem Beben vom 12. Januar geht eine Frau durch den zerstörten Ort Jacmel in Haiti
Kaum eine andere Naturgewalt schlägt so plötzlich, so erbarmungslos zu und erreicht so viele Menschen wie ein starkes Erdbeben. Das hat die Naturkatastrophe in Haiti dem Menschen einmal mehr vor Augen geführt. Doch starke Beben sind keine Seltenheit. Allein 2009 gab es zwei Erdstöße mit immensen Schäden: Im Februar bebte in Peru die Erde mit der Stärke 6,8, und im April erschütterte ein Beben der Stärke 5,8 die italienischen Abruzzen. Der Mensch sollte sich auf solche Naturkatastrophen gefasst machen.
Doch wie? "Wir können Erdbeben nicht vorhersagen", sagt der Direktor der Abteilung für Erdbebenrisiko und Frühwarnung am Deutschen Geoforschungszentrum in Potsdam (GFZ), Jochen Zschau. "Niemand kann das." Ob es zu einem Beben kommt, wissen auch die Seismologen immer erst hinterher.

Die Menschen in Haiti versuchen ihr Überleben zu sichern. Bilder aus dem Erdbebengebiet
"Mit unserem "Global Earthquake Monitoring"-Modell versuchen wir jedoch, die Wahrscheinlichkeit für Beben und das Ausmaß möglicher Schäden zu bestimmen", sagt Zschau. "Eine exakte Vorhersage des Ortes und des Zeitpunkts ist aber nicht möglich." Die Potsdamer Forscher beobachten, wo sich Spannungen im Untergrund aufbauen, und geben Warnungen an die betreffenden Regionen heraus. Die können folgendermaßen lauten: In den kommenden x Jahren ist in der Region XY die Wahrscheinlichkeit für ein Beben der Stärke X so und so hoch. "Generell gilt, dass die Wahrscheinlichkeit für ein starkes Beben mit zunehmendem zeitlichen Abstand zum vorhergehenden steigt. Die Spannungen in der Erdkruste summieren sich auf."
Die größte Gefahr für ein starkes Beben sehen die Potsdamer derzeit im Bereich der Millionenstadt Istanbul, wo sich zwischen der Eurasischen der Anatolischen Platte schon seit Jahren Spannungen aufbauen. "Bei einem Beben rechnen wir mit 50.000 Toten und bis zu 300.000 Verletzten", sagt Mustafa Erdik vom Kandilli-Observatorium in Istanbul.
Generell ist das Auftreten starker Erdbeben zumeist an die Bewegungen tektonischer Platten geknüpft. Ausnahmen bilden etwa Vulkanausbrüche. Angetrieben von Magma im Erdmantel bewegen sich die Erdplatten, kollidieren und reiben aneinander. Die Geschwindigkeit der Bewegung reicht von wenigen Millimetern bis zu einigen Zentimetern pro Jahr. Vulkanische Prozesse an den Mittelozeanischen Rücken produzieren immer neue Erdkruste, die an anderer Stelle wieder vernichtet wird. Da der Durchmesser der Erde aber nahezu konstant bleibt, taucht an den sogenannten Subduktionszonen eine Platte unter die andere. Die Kruste wird im heißen Innern der Erde wieder aufgeschmolzen. Verhaken sich an diesen Zonen die Platten, kommt es zu Erdbeben.
Andere Erdplatten schrammen auch aneinander vorbei: Entlang der St.-Andreas-Verwerfung in Kalifornien bewegt sich die amerikanische Platte nach Süden, die pazifische nach Norden. 1906 kam es bei einer plötzlichen Seitenversetzung um sechs Meter zum bislang letzten großen Erdstoß mit der Stärke 7,8. Das San-Francisco-Beben forderte rund 3000 Tote und ging es als eine der größten Naturkatastrophen in die amerikanische Geschichte ein. Das letzte Mal bebte die Erde hier spürbar am 7. Januar mit einer Stärke von 4,1. Größere Schäden blieben aus – und die Kalifornier warten weiter auf das nächste große Beben.
Kann der Mensch sich überhaupt gegen die Naturgewalt schützen? "Wir können nur versuchen, uns anzupassen", sagt Zschau. Neben besonderen Baumaßnahmen sieht er insbesondere in der Vorbereitung der Einwohner eine große Chance, menschliche Verluste zu minimieren. Grundforderungen für erdbebensicheres Bauen wurden bereits nach dem Kobe-Beben in Japan von 1995 aufgestellt.
So fordert das Bundesamt für Umwelt der Schweiz (BAFU) 2006 Gebäudekonstruktionen, die Teile der Erdbebenenergie – etwa durch Eigenschwingen oder die Verwendung von Dämpfern – aufnehmen können. Darüber hinaus empfehlen die Ingenieure die Verwendung leichter Bauteile, bei denen tragende und nichttragende Komponenten hinsichtlich der Elastizität und Festigkeit des Gesamtverbandes aufeinander abgestimmt und die wie die Knautschzone eines Autos verformbar sind.
In dem von Erdbeben stark betroffenen Japan wurde viel Aufklärungsarbeit für die Bevölkerung geleistet. So lässt sich etwa dem offiziellen japanischen Internetauftritt entnehmen, dass bereits in den Grundschulen Übungen zur geordneten Evakuierung der Klassenzimmer zum Standard gehören. Sie sollen im Fall eines Bebens vor allem Panik vermeiden helfen.
Detaillierte Verhaltensregeln zum Aufenthalt in von Starkbeben gefährdeten Gebieten sind auch im "Merkblatt Erdbeben" des GFZ nachzulesen und über dessen Homepage zu beziehen. Besondere Gefahren sehen die Herausgeber im Einsturz von Gebäuden und geben explizite Warnungen aus: So sollte in erdbebengefährdeten Gebieten das Wohnen in Gebäuden auf instabilem Untergrund und mit schweren Wänden und Dächern aus unbearbeiteten Naturbruchsteinen ohne ausreichende Zementverfugung vermieden werden. Holzrahmenkonstruktionen mit leichten Dächern, wie etwa Fachwerkbauten, sind am wenigstens gefährdet.
"Das Merkblatt gilt auch für alle Katastrophenhelfer des Technischen Hilfswerks (THW)", sagt der Pressesprecher des THW, Nicolas Hefner. Sein Kollege Oliver Hochedez fügt noch hinzu: "Im Fall eines Bebens gilt es, zunächst einmal Ruhe zu bewahren. Es sollte umgehend Schutz unter einem schweren Möbelstück oder einem stabilen Türrahmen gesucht werden. Fenster meiden, Kopf und Gesicht mit verschränkten Armen bedecken."
Diese einfachen Maßnahmen klingen banal, doch können sie im Ernstfall Menschenleben retten. Wichtig ist es vor allem, ein Bewusstsein dafür in der Bevölkerung zu schaffen. Denn wer nicht weiß, was im Untergrund lauert, kann sich nicht vorbereiten.
- Datum 21.01.2010 - 11:25 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Der Iran steht ganz weit oben beim Risiko,
ein Opfer eines Erdbebens zu werden ; )
Der Iran liegt doch sowieso zwischen allen Stühlen, äh Platten!
@ Redaktion
es besteht angesichts der geografischen Lage der Hauptstadt Haitis ein Dauerabonnement auf entsprechende Schäden.
Das passende Störungslineament liegt gleich N der bebauten Fläche. Dazu kommt die sehr problematische Struktur des Baugrunds aus Lockersediment, das neigt durchaus zum aufschaukeln.
Solange ein Flachbeben möglich ist, brauchts auch keine Tipps für bessere Gebäude. Denn eben diese Beben mit extrem kurzen Wellenlaufzeiten (diese treffen praktisch gleichzeitig ein) sind sehr gefährlich weil:
1. P- und S-Welle in flachem Winkel die Geländeoberfläche treffen
2. Oberflächenwellen (R & L) am Aufbau eines mehrachsigen Belastungszustands der Bauwerke mitwirkeden. Dieser Fall ist heir besonders problematisch für die Festigkeit, weil die Belastungsrichtungen oszillierend durchrotieren.
Solchen Belastungen halten nur Hausboote oder Betonbauten Typ "Atlantikwall" stand, eine Bauform die dort sicher unbezahlbar ist.
MfG Karl Müller
Der Iran liegt doch sowieso zwischen allen Stühlen, äh Platten!
@ Redaktion
es besteht angesichts der geografischen Lage der Hauptstadt Haitis ein Dauerabonnement auf entsprechende Schäden.
Das passende Störungslineament liegt gleich N der bebauten Fläche. Dazu kommt die sehr problematische Struktur des Baugrunds aus Lockersediment, das neigt durchaus zum aufschaukeln.
Solange ein Flachbeben möglich ist, brauchts auch keine Tipps für bessere Gebäude. Denn eben diese Beben mit extrem kurzen Wellenlaufzeiten (diese treffen praktisch gleichzeitig ein) sind sehr gefährlich weil:
1. P- und S-Welle in flachem Winkel die Geländeoberfläche treffen
2. Oberflächenwellen (R & L) am Aufbau eines mehrachsigen Belastungszustands der Bauwerke mitwirkeden. Dieser Fall ist heir besonders problematisch für die Festigkeit, weil die Belastungsrichtungen oszillierend durchrotieren.
Solchen Belastungen halten nur Hausboote oder Betonbauten Typ "Atlantikwall" stand, eine Bauform die dort sicher unbezahlbar ist.
MfG Karl Müller
Der Iran liegt doch sowieso zwischen allen Stühlen, äh Platten!
@ Redaktion
es besteht angesichts der geografischen Lage der Hauptstadt Haitis ein Dauerabonnement auf entsprechende Schäden.
Das passende Störungslineament liegt gleich N der bebauten Fläche. Dazu kommt die sehr problematische Struktur des Baugrunds aus Lockersediment, das neigt durchaus zum aufschaukeln.
Solange ein Flachbeben möglich ist, brauchts auch keine Tipps für bessere Gebäude. Denn eben diese Beben mit extrem kurzen Wellenlaufzeiten (diese treffen praktisch gleichzeitig ein) sind sehr gefährlich weil:
1. P- und S-Welle in flachem Winkel die Geländeoberfläche treffen
2. Oberflächenwellen (R & L) am Aufbau eines mehrachsigen Belastungszustands der Bauwerke mitwirkeden. Dieser Fall ist heir besonders problematisch für die Festigkeit, weil die Belastungsrichtungen oszillierend durchrotieren.
Solchen Belastungen halten nur Hausboote oder Betonbauten Typ "Atlantikwall" stand, eine Bauform die dort sicher unbezahlbar ist.
MfG Karl Müller
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