Städte liegen in Schutt und Asche. Tausende Menschen werden noch vermisst. Seit Sonnenaufgang hat in der Erdbebenregion auf Haiti der Wettlauf gegen die Zeit begonnen. Verschüttete müssen geborgen, Überlebende mit Medikamenten, Nahrung, Wasser und Hygieneartikel versorgt werden, um Seuchen vorzubeugen.

Nach Schätzungen der Vereinten Nationen (UN) sind weit mehr als 80 Hilfsorganisationen aus aller Welt im Katastrophengebiet im Einsatz. Doch die Versorgung der Betroffenen läuft nur schleppend an. Die Zerstörung in Haiti hat ein Ausmaß angenommen, mit dem niemand gerechnet hat. Dennoch greifen nun Notfallpläne, die ständig überarbeitet, aktualisiert und neu durchdacht worden sind – zuletzt nach den schweren Wirbelstürmen und Überschwemmungen in Haiti im Jahr 2008.

Bereits vor der Katastrophe war somit weitgehend geklärt, wer welche Aufgabe übernimmt. "Es wäre ja furchtbar, wenn jeder machen würde, was er für richtig hält", sagt Paul Bendix, Geschäftsführer der Hilfsorganisation Oxfam. Das Deutsche Rote Kreuz oder auch das katholische Hilfswerk Misereor stehen für die medizinische Unterstützung bereit. Jedoch sei man für eine Erdbeben-Katastrophe dieses Ausmaßes nicht vorbereitet, sagt Heinz Oehlers, Länderreferent für Haiti. "Wir warten nun darauf, dass uns Arbeitspläne geschickt werden."

Zunächst geht es aber darum, möglichst vielen Verschütteten das Leben zu retten. "Priorität hat die Suche und Bergung", sagt der Untergeneralsekretär für humanitäre Angelegenheiten der Vereinten Nationen, John Holmes. Die Vereinigten Staaten, China, Frankreich, die Dominikanische Republik und weitere Länder hätten bereits Bergungsteams nach Haiti geschickt. Solange diese arbeiten, halten andere Organisationen sich noch zurück. "Das erklärt sich von selbst", sagt Bendix.

Dennoch werden in manchen Teilen des Landes schon jetzt Nahrungsmittel verteilt. Sie sollen den Plünderungen Einhalt gebieten und sind nach der Bergung und neben der medizinischen Nothilfe am wichtigsten. So stellt zum Beispiel das World Food Programme (WFP) 86 Tonnen Energieriegel ("High Energy Biscuits") bereit. 300.000 Menschen sollen damit eine Woche lang ernährt werden können. Die Welthungerhilfe hingegen stecke zurzeit noch mitten in der Planungsphase, sagt Ute Braun, Länderreferentin der Organisation für Zentralamerika. "Ein Nothilfeteam ist jedoch bereits auf dem Weg."