Evolution der Wirbeltiere Stapfen im Stein
Die Wirbeltiere gingen vielleicht früher an Land als gedacht. Darauf deuten die Spuren einer Ur-Amphibie hin, die Forscher jetzt in einem Steinbruch in Polen entdeckten.
© Andy Lyons/Getty Images

Ein entfernter Vorfahr der Frösche hinterließ vor etwa 397 Millionen Jahren seine Spuren im Schlamm
Der Ursprung des Lebens auf der Erde liegt im Meer. Erst nach Jahrmillionen entdeckten die ersten Tiere das Land als Lebensraum, passten sich an die neue Umgebung an und entwickelten Beine statt Flossen. Dieser entscheidende Schritt in der Evolution der Tiere galt bisher als gut untersucht und reichlich belegt. Der Übergang von den Fischen zu ersten Landwirbeltieren soll vor 380 bis 390 Millionen Jahren vor sich gegangen sein – davon zeugen fossile Überreste der Arten, die beides konnten: schwimmen und krabbeln.
Doch die versteinerten Fußspuren eines geheimnisvollen Tieres, die Wissenschaftler jetzt in einem Steinbruch in Polen entdeckt haben, passen nicht in dieses Bild. Denn sie sind deutlich älter als alle bisher entdeckten Zeugnisse der ersten Landgänger. Und das würde bedeuten, dass die Tiere das Meer viel früher verließen als bisher vermutet.
Die versteinerten Stapfen fand ein Forscherteam um Per Ahlberg von der Universität Uppsala in der Nähe der Stadt Kielce im Südosten Polens. Die Spuren sollen etwa 397* Millionen Jahre alt sein, zehn Millionen Jahre älter als die bislang ältesten Hinweise auf so ein amphibienähnliches Tier. Und die ältesten Fossilien von Tieren, die zwar noch Flossen hatten, aber dennoch schon an Lang herumkrochen, sind sogar noch jünger.
© Per Ahlberg

Die Forscher rekonstruierten anhand der Versteinerung (siehe oben), wie sich das amphibienartige Wesen vor 397 Millionen Jahre fortbewegte
Bekannte Spezies aus dieser Zeit, wie der Fisch Tiktaalik entwickelten sich etwa vor 383 bis 375 Millionen Jahren. Später entstanden die Acanthostega, die sich mit vier beinartigen Flossen im Flachwasser fortbewegten. Der Fund der versteinerten Spuren fordere eine Neubewertung der zeitlichen Einordnung und der Ökologie des Landgangs der Tiere, schreiben die Forscher im Magazin Nature.
Welches Tier die geheimnisvollen Spuren hinterließ, bleibt aber ein Rätsel. Aus den Stapfen und einer Analyse mit Laserscannern konnten die Wissenschaftler lediglich herauslesen, dass der kriechende Unbekannte vermutlich im Flachwasser lebte, bis zu zweieinhalb Meter groß war und sich mit seinen beinartigen Flossen im Schlamm abstieß.
Der Fundort lag zu Lebzeiten der Tiere an der Küste. Das heißt: Die Amphibien haben sich vermutlich im Salzwasser entwickelt – obwohl die heutigen Arten fast ausschließlich im Süßwasser vorkommen.
- Datum 07.01.2010 - 16:07 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 6
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Nachdem keine Schleifspuren des Körpers zu sehen sind müsste er ja schon ganz gut "zu Fuß" gewesen sein. Dies wirbelt etwas die bisherige Zeitschiene durcheinander wenn es ältere Fossilien gibt, die schon ordentlich laufen können und erst später Flossentiere auf's Land kommen. Merkwürdig, dass dies früher (vor ca. 300 Mio. Jahren) alle paar Mio. Jahre vorkam und dieser Übergang mehrfach stattgefunden hat.
Wenn doch "Der Übergang von den Fischen zu ersten Landwirbeltieren (soll) vor 380 bis 390 Millionen Jahren vor sich gegangen sein" soll, dann wären doch 385 Millionen Jahre alte Spuren gar nichts Überraschendes.
die Spuren sollen etwa 397 Millionen Jahre alt sein – wir haben die Zahl im Text geändert.
Grüße aus der Wissenschaftsredaktion
die Spuren sollen etwa 397 Millionen Jahre alt sein – wir haben die Zahl im Text geändert.
Grüße aus der Wissenschaftsredaktion
Meine beiden Vorkommentatoren haben Recht. Beide Fragen sind offensichtlich. Das hat die 'Nature' zur Veröffentlichung angenommen? Entweder haben die Gutachter geschlafen, oder Herr Nitzsche hat uns die schlagkräftigen Argumente für die Neuigkeit der Information nicht gezeigt.
Wenn man als Journalist über seriöse wissenschaftliche Arbeiten berichtet, wäre es gut, die Quelle (Autoren, Jahrgang, Titel, Seitenzahlen) anzugeben. Die journalistische Regel, seine Quellen nicht preiszugeben, um sie zu schützen, gilt im Kontinuum der Vernunft nicht. Im Gegenteil; durch das offen legen der Quelle(n) wird die Information nachprüfbarer.
Es mag etwas pedantisch klingen - aber ich finde es durch den Artikel (insbesondere die ersten Sätze des Textes) etwas verwirrend dargestellt, und wollte daher noch einmal darauf hinweisen: das erste LEBEN an Land waren Pflanzen! Sie verließen das Wasser VOR den ersten Tieren! Wie gesagt - dies ist im Artikel zwar nicht eigentlich falsch dargestellt - ich finde aber, das sollte man dazu wissen; die Pflanzen waren für die Evolution der ersten Landlebewesen als Nahrungsgrundlage sicherlich keine unbedeutende Grundlage...
Cyanobakterien waren wesentlich früher an Land (2,6 Mrd Jahren!!!). So wie chemolithoautotrophe Bakterien und Archaea. Pflanzen kamen vermutlich zeitgleich mit Pilzen als obligaten Symbiosepartner an Land wesentlich später als die oben genannten.
Cyanobakterien waren wesentlich früher an Land (2,6 Mrd Jahren!!!). So wie chemolithoautotrophe Bakterien und Archaea. Pflanzen kamen vermutlich zeitgleich mit Pilzen als obligaten Symbiosepartner an Land wesentlich später als die oben genannten.
die Spuren sollen etwa 397 Millionen Jahre alt sein – wir haben die Zahl im Text geändert.
Grüße aus der Wissenschaftsredaktion
Cyanobakterien waren wesentlich früher an Land (2,6 Mrd Jahren!!!). So wie chemolithoautotrophe Bakterien und Archaea. Pflanzen kamen vermutlich zeitgleich mit Pilzen als obligaten Symbiosepartner an Land wesentlich später als die oben genannten.
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