Nobelpreisträgerin Ada Yonath "Ich wollte es allen zeigen!"
Sie ist erst die vierte Frau, die den Chemie-Nobelpreis erhalten hat. Im Interview spricht Ada Yonath über Frauen in der Forschung, unstillbare Neugier – und ihre Haare.
© Uriel Sinai/Getty Images

Die Chemie-Nobelpreisträgerin Ada Yonath fühlt sich am Weizmann-Institut in Israel wohl: "Hier ist Forschung viel entspannter als in den USA."
ZEIT ONLINE: Frau Yonath, wie ich hörte, ist ihre Frisur seit ihrer Auszeichnung mit dem Chemie-Nobelpreis 2009 von nationalem Interesse in Israel.
Ada Yonath: Da haben Sie durchaus recht: Wirre, lockige Haare, wie die meinen, nennt man seitdem einen "Kopf voller Ribosomen", angelehnt an die Struktur dieser Moleküle.
ZEIT ONLINE: Für diese Forschung wurden Sie ausgezeichnet. Hat sich durch den Preis sonst noch etwas verändert?
Yonath: Ja. Wissenschaft ist in Israel tatsächlich populärer geworden. Und ich bin nun in der glücklichen Lage, dass man mir zuhört, wenn ich etwas zu sagen habe. Wenn ich also das Bedürfnis und das Gefühl habe, dass ich mich einmischen sollte, besonders gesellschaftlich oder politisch, dann habe ich jetzt die Möglichkeit dazu. Ob ich so etwas verändern kann, wird man sehen.
ZEIT ONLINE: Als Sie mit ihrer Forschung begannen, wurden viele ihrer Ideen für unmöglich erklärt. Heute gelten Sie als Pionierin auf dem Gebiet der Ribosomen, jener Moleküle, die den genetischen Code eines Organismus in Proteine übersetzen und so Leben erst ermöglichen. Sie waren die erste, die Hinweise auf ihre Struktur lieferte mithilfe der Kristallographie.

Die heute 70-jährige Israelin Ada E. Yonath promovierte 1968 am Weizmann-Institut in Israel, wo sie heute noch forscht, in Röntgen-Kristallographie. Ende der siebziger Jahre fasste sie den Entschluss, die Kristallstruktur von Ribosomen durch den Beschuss mit Röntgenstrahlen aufzuklären. Yonath arbeitete daher von 1979 bis 1984 unter der Leitung von Heinz-Günter Wittmann in der Abteilung Ribosomen und Proteinbiosynthese am Max-Planck-Institut für molekulare Genetik in Berlin. Von 1986 bis 2004 leitete sie zudem die Max-Planck-Arbeitsgruppe Ribosomenstruktur am Deutschen Elektronen-Synchrotron (Desy) in Hamburg.
Yonath: Es gibt wahrlich keine andere Möglichkeit biologische Makromoleküle zu untersuchen und Modelle zu entwickeln, die ihre Funktion aufzeigen. Man braucht die Struktur eines Moleküls, um es zu verstehen. Die Ribosomen werden hierfür zunächst kristallisiert und anschließend mit Röntgenstrahlen beschossen. Anhand der Beugungswinkel kann man dann auf die Molekülstruktur schließen. Es gibt wohl auch neuere Methoden, doch die Technik dahinter ist noch immer dieselbe.
ZEIT ONLINE: Macht Sie das stolz?
Yonath: Sehr. Und es macht mich stolz, dass alle vier Frauen, die den Nobelpreis in Chemie erhielten, mit Röntgenstrahlen gearbeitet haben.
ZEIT ONLINE: Halten Sie ihren Nobelpreis besonders in Ehren, weil Sie eine Frau sind?
Yonath: Nein, so war das nicht gemeint. Ich finde zwar, dass es eine tolle Sache ist, mit dem Preis ausgezeichnet worden zu sein – davon kann ich gar nicht genug erzählen – doch das wahre Gefühl etwas erreicht zu haben, kam nicht mit dem Preis, sondern bereits beim ersten Blick auf die Strukturen, als an eine Auszeichnung noch nicht zu denken war.
ZEIT ONLINE: Dennoch ist es eine Seltenheit, dass Frauen mit dem Nobelpreis ausgezeichnet werden.
Yonath: Lassen Sie uns doch einfach festhalten, dass es zahlreiche Männer gab, die sich nicht getraut haben, dieses Projekt anzugehen. Sie hielten es für unmöglich und – das gilt allerdings auch für Frauen – sagten, ich würde keinen Erfolg haben. Es wurde über mich gelacht und vielleicht mehr, weil ich eine Frau bin. Fakt ist doch aber: Sie hatten Unrecht.
- Datum 18.01.2010 - 16:35 Uhr
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Moin,
eine echte Freude die Frau. Neugierig, im besten Sinne respektlos, intelligent und witzig. Von der Sorte Mensch hätte ich gerne mehr!!!
Da sieht man was man/frau kann wenn man/frau sich traut! Weiter so!
Und die Idee was man/frau als nächstes angehen könnte, nein sollte ist auch schon da: "...28 verschiedenen Familien an Antibiotika, deren Wirksamkeit bislang unverstanden ist..." Da kann man den resistenten kleinen Monstern (Stichwort: MRSA) doch mal so richtig zeigen was eine Harke ist!
Und dann soll Forschung auch noch Spass machen. Das Interview ab in den Kopierer und tausendfach an die Forschungsbürokratieoberverwalter gesendet!
CU
P.S.: Sorry für meinen etwas pathetischen Überschwang aber leider habe ich nicht oft die Gelegenheit mich über Artikel in der "Zeit" so zu freuen!
...was für eine Frau?Hut ab...was für eine Geisteshaltung...habe nie soviel Hochachtung für eine Forscherin wie für diese Frau empfunden.Der Artikel war eine angenehme Überraschung nach all den poltischen Katastrophenmeldungen(...und ich meine nicht nur Haiti...sondern auch die politische Szene in Deutschland...speziell FDP)
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