Wenig Nährstoffe, Sauerstoffmangel, abgestorbene Zellen: Die Bedingungen im Inneren eines großen Tumors sind unwirtlich. Doch manche Bakterien fühlen sich gerade hier pudelwohl. Sie spüren Tumorgewebe im Körper auf und vermehren sich hier. Das kann die Krebszellen sogar in den Tod treiben.

Für die medizinische Forschung ist dabei besonders interessant, dass die Bakterien, zum Beispiel solche aus der Familie der Salmonellen oder Clostridien, in Areale vordringen, die herkömmlichen chemotherapeutischen Medikamenten oft verwehrt bleiben. Denn diese sind auf den Transport durch die Blutgefäße angewiesen, die in einem Tumor häufig unvollständig sind.

Dem Chirurgen Wilhelm Busch war Mitte des 19. Jahrhunderts an der Universitätsklinik in Bonn aufgefallen, dass die Tumorgröße bei solchen Patienten schrumpfte, die sich eine schwere Infektion eingefangen hatten. Daher wagte er im Jahr 1867 einen riskanten Versuch. Er legte eine junge Krebskranke in das leere Bett eines Patienten mit Wundrose. Tatsächlich schrumpfte der lebensbedrohliche Tumor im Hals der Frau durch die absichtlich ausgelöste Bakterieninfektion deutlich. Doch die junge Patientin starb kurze Zeit später trotzdem. Denn man wusste weder welcher Erreger die Wundrose überhaupt auslöste, noch hatte man Medikamente in den Händen, um die Infektion einzudämmen.

Lange Zeit fristete die Idee "Bakterien gegen Krebs" ein Schattendasein, die Risiken schienen unbeherrschbar. Doch dank der Gentechnik wächst in letzter Zeit die Hoffnung einiger Forscher, Bakterien so umzurüsten, dass sie dem Tumor, nicht aber dem gesamten Organismus, schaden. Kein Arzt würde einem Krebskranken, der meist auch eine geschwächte Immunabwehr hat, Bakterien verabreichen, die Krankheiten auslösen. Daher wird – meistens an Mäusen – mit abgeschwächten Bakterien experimentiert, deren Erbgut im Vergleich zu ihren krank machenden Verwandten stark verändert ist und die mit Antibiotika gut zu kontrollieren sind.