Onkologie Mit Bakterien gegen KrebsSeite 4/4
Nach Meinung Rescignos dringen die Salmonellen in die Tumorzellen ein. Dadurch markieren sie diese als Angriffsziel für die Körperabwehr. Aus einem Tumorherd, der offenbar nur schlecht vom Immunsystem ausgemacht werden könne, werde ein Infektionsherd, der die Immunabwehr stark provoziere, erklärt die Italienerin. Wie Rescigno berichtet, ist das Verfahren bereits an 14 Krebspatienten getestet worden.
Hier erzielten die Forscher durch die direkte Gabe der Bakterien in den Tumor zwar keinen durchschlagenden Erfolg. Bei zwei der Patienten kam das Krebswachstum zumindest vorübergehend zum Stillstand. Ob hier tatsächlich eine Abwehrreaktion gegen die Tumorzellen ausgelöst wurde, müsse noch untersucht werden, sagt Rescigno.
Die genetische Aus- und Umrüstung gut erforschter Bakterien wie der Salmonellen bietet schier unzählige Therapievarianten. Kalifornische Forscher vom Burnham Institute for Medical Research in La Jolla konnten an Mäusen zeigen, dass die Körperabwehr Tumorzellen umso kräftiger angriff, wenn abgeschwächte Salmonellen, die in die Blutbahn der Tiere gegeben wurden, ein zusätzliches Gen für einen immunologischen Botenstoff enthielten. Die Bakterien trugen dieses Gen mit Namen CCL21, das Immunzellen anlockt, direkt in den Tumor hinein und blockierten so zumindest dessen weiteres Wachstum.
Die Idee, Bakterien als Transportvehikel für Therapeutika zu nutzen, verfolgt ein Team von der britischen University of Sheffield. Die Forscher arbeiten mit Salmonellen, die nur dann ein Zellgift abgeben, wenn sie sich dort aufhalten, wo es sehr wenig Sauerstoff gibt. Unter Bedingungen also, wie sie im Inneren eines Tumors herrschen.
Ob es das ideale Anti-Tumor-Bakterium eines Tages jedoch im Routineeinsatz geben wird, vermag auch der Mikrobenspezialist Dirk Bumann vom Biozentrum Basel nicht vorauszusagen. Was dem interessanten Ansatz bisher fehle, sei der Schritt heraus aus dem akademischen Bereich in die Klinik, sagt Bumann. Offene grundsätzliche Fragen müssten dafür geklärt und risikofreudige Investoren gefunden werden.
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 06.01.2010)
- Datum 06.01.2010 - 14:11 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
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Wenn man den Artikel genau liest, dann geht es nicht darum, dass die Immunabwehr allgemein durch Infektionen gestärkt wird, sondern dass Tumoren durch Bakterieninfektionen zurückgehen, und dass ist durchaus eine hoffnungsvolle Entdeckung. Es wir ja wohl deutlich dargelegt, dass der Grund für diesen ückgang nicht wirklich verstanden ist, aber die Möglichkeit besteht, das das Immunsystem die Tumorzellen durch die Bakterieninfektion veranlasst angreift. Was jedes Schulkind weiß ist, dass die Bakterien angegriffen werden, das ist durchaus ein Unterschied.
Alles Impfen und Antiniotikagaben einfach plattzureden ist unseriös. Die Leute würden deswegen nicht an Krebs erkranken, weil sie schon an Blinddarmentzündung, Masern, röteln usw. verstorben sind. Selbstverständlich macht es keinen Sinn, in jeder Situation Antibiotika zu geben. Das hat aber, wie jedes Schulkind weiß, nichts mit dem Immunsystem zu tun, sondern damit, dass Bakterienstämme sonst gegen Antiobiotika resistent werden. Die Immunabwehr wird durch Infektionen gestärkt, keine Frage, aber bitte nicht alles durcheinander schmeißen und nachplappern und Halbwahrheiten verbreiten!
"Dass überstandene bakterielle Erkrankungen die Immunabwehr stärken weiß ja inzwischen jedes Schulkind. Die Antibiotikaroutine, die unserem Immunsystem diese Arbeit abnimmt und seine selbsterworbene Immunkompetenz dadurch untergräbt, hat ja erst zu der exorbitanten Zunahme von destruktiven chronischen Erkrankungen wie Krebs usw. geführt."
Für einen direkten Zusammenhang zwischen Antiobiose und Krebsinzidenz hätte ich gerne Quellen - und zwar ernsthafte. Man könnte darauf kommen, dass etwa die steigende Inzidenz von Autoimmunkrankheiten u.a. mit vermehrter Antibiose zusammenhängt (wobei auch hier noch keine direkte Korrelation eindeutig nachgewiesen könnte), aber insbesondere die Tumor-Immun-Interaktion ist um einiges komplexer und ambivalenter. Aber ja, indirekt hat die Anwendung von Antibiotika sicherlich zu einer Zunahme der Krebserkrankungen geführt: schließlich hängt die Tumorinzidenz stark mit dem Lebensalter zusammen.
Der Rest ihres Beitrags besteht aus dümmlichen Halbwahrheiten und haltlosen Hypothesen.
"Und ich sage: es ist ein alter Hut. Setzten Sie sich mal in eine gute Bibliothek und lesen ein paar Krankenjournale aus dem späten 18. und frühen 19. Jahrhundert, da werden Sie keinen Mangel an Fallbeschreibungen finden, wo nach überstandener Wundrose (Erysipel) oder Diphterie oder Pocken im Nachgang Tumore, Krebse, Geschwulstkrankheiten etc.verschwanden."
Wie es auch eindeutig im Artikel gesagt wird. Dennoch lässt sich daraus allein medizinisch noch kein Nutzen ziehen.
"Die Medizin hat dadurch mindestens ein Jahrhundert verloren."
Vollkommender Unfug. Nicht nur, dass die Infektionsbiologie und insbesondere die Arbeit der oben genannten Herren entscheidende Impulse für die gesamte Biomedizin gegeben hat, auch epidemiologisch war eine Fixierung auf die Behandlung von Infektionskrankheiten absolut sinnvoll.
"Fragen Sie doch mal Ihre Patienten ob sie, wenns dann drauf ankommt, lieber an einem langwierigen, kostspieligen und alle mutlos machenden Krebs versterben möchten oder kurz und (nahezu) schmerzlos an einer Grippe, Streptokokken- oder Salmonneleninfektion. Ich bin auf die Ergebnisse gespannt."
Man sollte die Frage dahingehend erweitern, dass man den Patienten fragt, ob er lieber mit 25 an einer Infektion oder mit 70 an einem Tumor sterben will.
...stand der Erkenntnis schon immer gern im Weg. Sie bezichtigen Ihre Gegner derselben und sind doch selbst ein gutes Beispiel dafür.
Ich denke, es besteht kein Zweifel daran, daß Antibiotika seit ihrer ersten Anwendung Milliarden Menschen das Leben gerettet oder verlängert haben. (Daß ihre undifferenzierte Anwendung und ihr Mißbrauch in der Tierindustrie schlimme Folgen haben, sei dabei unbestritten.)
Da der Fortschritt der Medizin (auch durch Antibiotika) die Lebenserwartung enorm verlängert hat, haben logischerweise auch Krebserkrankungen als typisches Problem alternder Zellen zugenommen (neben - natürlich - auch anderen Faktoren wie z.B. Umwelteinflüssen).
Daß die Anwendung von Antibiotika durch Effekte auf das Immunsystem Krebserkrankungen auslöst, halte ich für einen unhaltbaren Kurzschluß - eben Ideologie.
Und was die Impfungen betrifft (auch so ein ideologiebelastetes Thema!): ich selbst habe mich immer gern impfen lassen. Und ich habe auch schon in einer Arbeitsgruppe gearbeitet, die zeigen konnte, daß die durch Impfungen erzeugte allgemeine Aktivierung des Immunsystems Tumoren bekämpfen können.
..."bekämpfen KANN" natürlich. Dies war übrigends eine Antwort auf dbddhkp.
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