Die tiefen dunklen Meere der Erde bieten noch Stoff für wilde Geschichten über Tiefseemonster und unbekannte Welten. Ökonomisch dagegen scheinen die Weltmeere bereits vollkommen geplündert zu sein. Weltweit zurückgehende Fischbestände kündigen die Konsequenzen nicht nachhaltiger Fischerei an, Naturschutzorganisationen wie Greenpeace erhoben mahnend den Zeigefinger, und doch kümmerte es die Politik und Fischindustrie wenig. Die von Wissenschaftlern empfohlenen Fangquoten wurden breitflächig ignoriert und weit höhere Fangmengen toleriert, trotz Millionen Tonnen ungezählten Beifangs und ungewissen Verlusten durch illegalen Fischfang.

Die boomende Aquakultur schürte Hoffnung auf Besserung. Als sie an Bedeutung gewann, hofften viele auf eine Rettung der weltweit bedrohten Fischbestände. Jahre später hatte der einstigen Begeisterung Ernüchterung Platz gemacht. Die negativen Folgen solcher marinen Aquakulturen sind offensichtlich: Antibiotika, die dem Fischfutter beigemischt werden, landen zum Teil auf den Tellern der Verbraucher und machen zudem Bakterien im Ökosystem rund um die im Meer abgeteilten Käfige resistent.

Ein weiteres Problem ist die gewaltige Menge an Exkrementen, die bei der Massenfischhaltung anfällt und die Gewässer verschmutzt. Außerdem werden aus den Wildbeständen Junglachse für die Zucht gefangen. Auch in der Energiebilanz schneiden Fische aus typischen Zuchten schlecht ab, denn sie werden mit Fischmehl aus unrentablen Fischarten gefüttert. Umweltschützer rechnen vor: Um ein Kilogramm Fisch zu züchten, braucht man etwa vier Kilogramm Futter.

Dabei besteht durchaus die Chance, die weltweiten Fischbestände zu retten und nachhaltige Fischerei auf einem hohen Niveau zu garantieren. Vom Ökosystem Meer völlig isolierte Kreislaufanlagen versprechen die ökologisch Revolution in der Fischzucht und eine Entlastung für die Fische in der weiten See. Noch steckt die Forschung und Entwicklung dieser Anlagen in den Kinderschuhen. Vielversprechend ist sie allemal: Ökologisch produziert, ohne Antibiotika und ohne Verunreinigungen der Meere. Der große Nachteil: die horrenden Kosten.

Das Prinzip der Anlagen ist simpel. In riesigen Hallen werden in mehreren Becken die verschiedenen Altersstufen der Fische gemästet, bis sie das Schlachtgewicht erreichen. In der kontrollierten Umgebung und dem passenden Futter geht dies wesentlich schneller als in der Natur. Ein Aal erreicht in zwei statt sechs Jahren das ideale Schlachtgewicht. Das Wasser wird wiederverwendet und durch biologische Filter gereinigt. Parasiten können schwieriger in die Anlagen gelangen, was den Einsatz von Antibiotika minimiert.

Außerdem können die Fische mit Nahrung versorgt werden, die ebenfalls aus Kreislaufanlagen stammt. Eine mögliche Renaissance des Hoffnungsträgers Zuchtfisch, denn Fisch ist tatsächlich ein gesundes Lebensmittel und im Fahrwasser des Bio-Siegeszugs ist die Nachfrage in Deutschland (im Jahr 2008 waren es 1,3 Millionen Tonnen) ungebrochen.

Der große Vorteil der Kreislaufanlagen: Sie könnten fast vollkommen isoliert von der Umwelt produzieren. Dies ist aber mit einem wesentlich größeren finanziellen Aufwand verbunden als in den Teichanlagen an Land und den offenen Farmen, die als riesige Käfige und Netzgehege in Küstennähe im Meer hängen. Momentan würde der in Kreislaufanlagen produzierte Zander etwa mit sieben bis acht Euro pro Kilogramm zu Buche schlagen. Dafür verhindern die abgeschotteten Kreislaufanlagen die negativen Einflüsse auf umliegende Ökosysteme, was bei dem erwachten Bewusstsein für Umweltschutz und Nachhaltigkeit durchaus positiv ins Gewicht fällt.

Die Auswahl an Fisch, die in Kreislaufanlagen produziert werden kann, ist groß. Finanziell lohnen sich aber nur die Edelfische. In Dänemark werden Aale, in Deutschland vor allem Welse gezüchtet. Westeuropa trägt mit 2,1 Millionen Tonnen einen Anteil von 3,5 Prozent an der weltweiten Produktion von Speisefisch in Aquakulturen. Mehr als 90 Prozent stammt aus Asien. Die Produktionskosten spielen dabei eine entscheidende Rolle.