Deutsche Energie-Firmen Mit Geduld und Gülle
China will grüner werden. Deutsche Energietechnologie könnte helfen, doch stoßen Unternehmer auf kulturelle Probleme und wenig Umweltbewusstsein. Von Peer Junker, Peking
© dpa

In Jahr 2004 wurde in Shanghai diese Biogasanlage an einem Berufsbildungszentrum mit 6500 Studenten gebaut
In Europa sind Biogasanlagen inzwischen weit verbreitet. Der Wunsch nach umweltfreundlicheren Alternativen zu Atomkraft und fossilen Brennstoffen, aber auch die hohen Energiepreise fördern das Umdenken. Neben der Nutzung der Sonnenenergie und der Wasserkraft haben Ingenieure daher Biogasanlagen entwickelt, in denen beim Vergären von Pflanzenabfällen oder Tierexkrementen Gas entsteht. Daraus wird dann in einem Blockheizkraftwerk Strom- und Wärme erzeugt.
Im Januar 2009 gründet Markus Dicke (45) die Firma German Biogas. Der Internationale Diplom-Betriebswirt war vorher Vertriebsdirektor "Asia & Business Development" beim deutschen Unternehmen MT-Energie. Jetzt will er in China Biogasanlagen bauen.
Der Hamburger Unternehmer Markus Dicke will solche Biogasanlagen in China verkaufen. Mit einer 500 kW-Anlage können theoretisch rund 1000 durchschnittliche deutsche Vier-Personenhaushalte mit Strom versorgt werden. Doch passt so eine Technologie in ein Schwellenland, dessen Industrialisierung erst in den vergangenen Jahrzehnten richtig Fahrt aufgenommen hat und dessen Energieverbrauch exponentiell ansteigt? Kann man Biogasanlagen dort überhaupt rentabel betreiben?
Markus Dicke ist überzeugt davon. Für seinen ehemaligen Arbeitgeber, den Biogasanlagenbauer MT-Energie, beobachtet er seit 2007 den asiatischen Markt, knüpft erste Kontakte. Doch das Unternehmen richtet seine Aktivitäten nach Osteuropa aus. Der Hamburger ergreift seine Chance und siedelt nach China über. Im Januar 2009 gründet er die Firma German Biogas, mit der er deutsche Technologie verkaufen, Biogasanlagen bauen will.
"Biogas hat in China ein riesiges Potenzial. Die Anlagen hier auf eine wirtschaftliche Basis zu bringen, ist allerdings schwierig. Die chinesische Regierung hält die Energiepreise niedrig, um das Wirtschaftswachstum weiter anzufeuern, sodass sich im Moment allein mit der Energieerzeugung kein Gewinn erwirtschaften lässt", sagt Dicke. Und eine direkte finanzielle Förderung von grüner Energie nach europäischem Vorbild kennt man in China nicht.
Derzeit gibt es in China etwa 3.500 mittelgroße oder große Biogasanlagen. Die meisten sind ineffizient oder funktionieren gar nicht. Im Bundesgebiet, das rund 30 mal kleiner ist als die Volksrepublik China, stehen dagegen 4.500 Anlagen. Sie decken geschätzte zwei Prozent des Strombedarfs in Deutschland. "In China wird noch mit Technik von gestern gebaut", sagt der Hamburger Unternehmer. Und vieles funktioniere nur auf dem "chinesischen Weg".
Was das bedeutet, erklärt Dicke so: "Man sackt Subventionen vom Staat ein, um die Anlagen zu bauen, hat aber kein Interesse an deren Betrieb, weil die Erträge vom Stromverkauf noch nicht einmal die Betriebskosten decken." Häufig fehle es auch einfach am Know-How, vor allem dann, wenn aus komplizierten Gemischen Biogas entstehen soll.
Und natürlich sind in China auch die landwirtschaftlichen Voraussetzungen anders als in Deutschland. Hierzulande wird häufig Mais zum Vergären verwendet, so dass das Biogasgemisch einen gewissen Anteil an Trockensubstanz beinhaltet. Die Chinesen nutzen vor allem Gülle aus der Viehzucht – ein kostenloses Abfallprodukt. Gezielt Pflanzen zur Energieproduktion anzubauen, also für die Biomasse Geld auszugeben, rentiert sich in China nicht.
Die Gülle hat allerdings einen Nachteil: Sie enthält viel Wasser. "Das heißt, ich heize erst einmal nur Wasser auf und bekomme viel weniger Gas raus. Das ist natürlich weniger effizient", sagt Dicke. Er glaubt fest daran, dass der Bedarf an Biogasanlagen in China steigen wird – auch unabhängig von den Energiepreisen. Dort gehe es auch immer darum, ein Müll- oder Umweltproblem zu lösen. "Dafür ist eine Biogasanlage perfekt."
Auch wenn der Unternehmer gut vorbereitet ist – Projekte zu verwirklichen ist in China nicht einfach. Fast drei Jahre hat Dicke gebraucht, um sich ein Netzwerk aufzubauen, Kontakte zur chinesischen Regierung, Behörden, Wissenschaftlern und potenziellen Kunden zu knüpfen. Auch bei der Marktanalyse musste er ganz von vorn anfangen. Statistiken im Bereich Biogas gab es nicht, oder sie waren nicht zu bekommen.
Obwohl er bis jetzt keine einzige Biogasanlage gebaut hat, glaubt der Hamburger an sein Produkt und setzt auf ein langfristiges Engagement in China. Jutta Ludwig, Leiterin der deutschen Außenhandelskammer in Peking (AHK), weiß, dass man als Unternehmer in China einen langen Atem haben muss. "Der chinesische Markt stellt besonders hohe Anforderungen an deutsche Unternehmen, gerade weil sich das Land stetig wandelt. Strukturen und Bestimmungen sind lokal sehr unterschiedlich, und der Markt unterliegt nun mal keinen europäischen Regeln", sagt Ludwig.
Daneben sind es auch kulturelle Unterschiede, die viel Zeit in Anspruch nehmen können. Einfach nur Fakten zu präsentieren, reicht bei chinesischen Kunden nicht aus. "Der wirkliche Glaube an das Geschäft entsteht erst über die Zeit. Bis man mit Chinesen zu einem Vertragsabschluss kommt, vergehen meist Monate oder sogar Jahre. Es muss viel Vertrauen aufgebaut werden", erklärt Unternehmer Dicke, der mittlerweile mit einem großen chinesischen Energieversorger zusammenarbeitet. Er hofft, noch dieses Jahr seine erste Biogasanlage zu bauen.

Seit 2005 leitet Peter Küsters (42), Techniker für Garten- und Landschaftsbau, seine Firma Greenlink mit Hauptsitz in Peking. Die Firma ist ein Tochterunternehmen des Familienbetriebs Gartenhof Küsters aus Neuss. 1999 führte ihn ein Auftrag das erste Mal nach China.
Peter Küsters ist schon deutlich weiter. Der deutsche Gartenbauunternehmer hatte schon 1999 seinen ersten Auftrag in China, weitere folgten. 2002 zog er nach Peking, wo er 2005 seine Firma GreenLink Küsters gründete. Mittlerweile hat er Niederlassungen in Shanghai und Hongkong. Seine Spezialität sind Dachbegrünungssysteme, die für eine bessere Isolierung sorgen und so beim Energiesparen helfen.
Grünflächen auf Hochhäusern, Gartenanlagen für Hotels – Aufträge bekommt Küsters genug. Zwar arbeitet er hauptsächlich für internationale Kunden, chinaspezifische Probleme sind aber auch ihm nicht fremd. "Die Behörden sind oberflächlich gesehen hilfsbereit, wissen aber oft nicht, wie sie ihre eigenen Gesetze und Verordnungen auslegen sollen. Man fragt zehn Fachleute und bekommt mindestens elf Antworten", sagt Küsters.
Für seine Dachbegrünungssysteme werden nur Materialien aus Rohstoffen verwendet, die danach wieder recycelt werden können. Glaubt man dem Deutschen, ist die chinesische Konkurrenz dabei nicht so genau. "Chinesischen Kunden ist der Ökofaktor meist egal, da geht es vor allem um einen möglichst niedrigen Preis." Das neue Umweltbewusstsein Chinas hält er in vielen Fällen für vorgespielt.
Tatsächlich hat die chinesische Regierung begonnen, dem Land ein grünes Image zu verordnen. Erneuerbare Energie wird deutlich gefördert, deren Anteil an der Energieversorgung Chinas soll bis 2020 auf 15 Prozent gesteigert werden. Etwa 70 Prozent des chinesischen Stroms kommt allerdings weiterhin aus Kohlekraftwerken. Und noch sterben jährlich rund 700.000 Chinesen an Umweltgiften. Jutta Ludwig von der AHK glaubt dennoch, dass die Regierung ihre Umweltschutzbemühungen ernst meint. "Man hat erkannt, dass man das Land sauber machen muss, weil die Umweltverschmutzung die Bevölkerung krank macht", sagt sie. Doch je weiter man sich von der Regierung in Peking entfernt, desto weniger spielt der Umweltgedanke eine Rolle.
Ein riesiger Markt für erneuerbare Energie und Umwelttechnik ist China dennoch. Markus Dicke von German Biogas wünscht sich, dass mehr deutsche Unternehmer den Schritt hierher wagen. "Es ist eine Katastrophe, wie wenig Deutschland im Bereich der erneuerbaren Energie in China vertreten ist", meint er. Dabei versuchen nicht wenige ihr Glück in China. "Viele Firmen machen von Anfang an eine riesige Show, stellen 30 Leute an, mieten riesige Büroräume. Wenn sie dann keine schnellen Erfolge vorweisen können, sind sie wieder weg", sagt Dicke. Wer in China erfolgreich sein möchte, muss vor allem eines mitbringen – Geduld.
- Datum 05.02.2010 - 11:36 Uhr
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Seite 2: Es stehen 4500 Biogasanlagen in Deutschland nicht 45.000: http://www.bio-energie.de...
Entgegen der Meinung von Herr Dicke wird nicht der Bau, sondern der Betrieb, also die Strom- und Wärmeproduktion in Deutschland vergütet. Seine Aussage dazu ist schlicht falsch.
Daher ist den Betreibern durchaus daran gelegen eine hohe Energieausbeute zu erreichen:
http://www.fnr-server.de/...
Zu den Inputstoffen:
Kommt drauf an wie man es sieht; bezogen auf Masse ist weiterhin Gülle der häufigste Inputstoff, bezogen auf den Energiegewinn sind es mittlerweile die NawaRos.
Lieber Leser,
herzlichen Dank für die Hinweise. Sie haben absolut recht, was die Anzahl der Biogasanlagen angeht. Entschuldigen Sie den Tippfehler, der sich beim Redigieren eingeschlichen hat. Er wurde korrigiert.
Herzliche Grüße aus der Wissenschaftsredaktion.
Lieber Leser,
herzlichen Dank für die Hinweise. Sie haben absolut recht, was die Anzahl der Biogasanlagen angeht. Entschuldigen Sie den Tippfehler, der sich beim Redigieren eingeschlichen hat. Er wurde korrigiert.
Herzliche Grüße aus der Wissenschaftsredaktion.
Lieber Leser,
herzlichen Dank für die Hinweise. Sie haben absolut recht, was die Anzahl der Biogasanlagen angeht. Entschuldigen Sie den Tippfehler, der sich beim Redigieren eingeschlichen hat. Er wurde korrigiert.
Herzliche Grüße aus der Wissenschaftsredaktion.
"Die Behörden sind oberflächlich gesehen hilfsbereit, wissen aber oft nicht, wie sie ihrer eigenen Gesetze und Verordnungen und auslegen sollen."
Also Entweder fehlt da ein Nomen oder ein "und" ist zu viel :)
Die Bauer verwenden Faulgas direkt zum kochen, nicht zum Strom erzeugen.
las letztes Jahr einen - unauffindbaren - Bericht über Kleinstanlagen in Gebieten, die keinen Zugang zum Stromnetz haben.
Die Lösung seien sozusagen Ein-Schwein-Kraftwerke. Die ESKW werden gespeist durch Gülle, menschliche Fäkalien* und alle sonstigen organischen Abfälle.
Die gewonnene Energie reicht mitunter weiter als der Eigenbedarf, simple Ortsnetze werden installiert.
Ist natürlich kaum eine Lösung für Ballungsräume, aber trotzdem eine tolle Idee.
Vor Allem gefällt mir die Idee, daß keine Brennstäbe oder CO²-Mengen nach Art dummer Hunde verbuddelt werden müssen.
Hat der Energielieferant, das Schwein, ausgedient, wird es verspeist und dient somit auch nach seinem Tod nicht nur der Ernährung, sondern auch - über die bekannten Prozesse der Verstoffwechselung - noch einmal der Energieerzeugung.
*können Fäkalien menschlich sein?
las letztes Jahr einen - unauffindbaren - Bericht über Kleinstanlagen in Gebieten, die keinen Zugang zum Stromnetz haben.
Die Lösung seien sozusagen Ein-Schwein-Kraftwerke. Die ESKW werden gespeist durch Gülle, menschliche Fäkalien* und alle sonstigen organischen Abfälle.
Die gewonnene Energie reicht mitunter weiter als der Eigenbedarf, simple Ortsnetze werden installiert.
Ist natürlich kaum eine Lösung für Ballungsräume, aber trotzdem eine tolle Idee.
Vor Allem gefällt mir die Idee, daß keine Brennstäbe oder CO²-Mengen nach Art dummer Hunde verbuddelt werden müssen.
Hat der Energielieferant, das Schwein, ausgedient, wird es verspeist und dient somit auch nach seinem Tod nicht nur der Ernährung, sondern auch - über die bekannten Prozesse der Verstoffwechselung - noch einmal der Energieerzeugung.
*können Fäkalien menschlich sein?
muss man in China noch Geld mitbringen um die vielen kleinen Beamten zu bestechen damit man all das erreicht was man woanders umsonst bekommt.
Man kann das ja mit der Begruenung so machen wie die Partei das zu Olympia gemacht hat, einfach gruene giftige Farbe auf den Erdboden und schon ist der Schein aus der Entfernung gegeben.
las letztes Jahr einen - unauffindbaren - Bericht über Kleinstanlagen in Gebieten, die keinen Zugang zum Stromnetz haben.
Die Lösung seien sozusagen Ein-Schwein-Kraftwerke. Die ESKW werden gespeist durch Gülle, menschliche Fäkalien* und alle sonstigen organischen Abfälle.
Die gewonnene Energie reicht mitunter weiter als der Eigenbedarf, simple Ortsnetze werden installiert.
Ist natürlich kaum eine Lösung für Ballungsräume, aber trotzdem eine tolle Idee.
Vor Allem gefällt mir die Idee, daß keine Brennstäbe oder CO²-Mengen nach Art dummer Hunde verbuddelt werden müssen.
Hat der Energielieferant, das Schwein, ausgedient, wird es verspeist und dient somit auch nach seinem Tod nicht nur der Ernährung, sondern auch - über die bekannten Prozesse der Verstoffwechselung - noch einmal der Energieerzeugung.
*können Fäkalien menschlich sein?
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