Gefälschten Publikationslisten will die DFG vorbeugen
Wie der Publikationsdruck Forscher zum Fälschen verleiten kann, zeigte sich vor einem Jahr an der Uni Göttingen. Wissenschaftler führten unfertige Manuskripte an, um einen millionenschweren Sonderforschungsbereich zu verlängern. Fälschlicherweise hatten sie auch angegeben, Arbeiten seien bereits bei Journalen eingereicht worden.
Ein Skandal, der sich nicht wiederholen soll, auch wenn die DFG einen direkten Zusammenhang der neuen Richtlinien mit dem Göttinger Vorfall bestreitet. Künftig dürfen Forscher nur Publikationen aufführen, die als Manuskripte vorliegen und für die Herausgeber bestätigen, dass sie in Kürze veröffentlicht werden. Wenn es um Fehlverhalten gehe, beschäftige das Frisieren von Literaturlisten die DFG inzwischen am meisten, sagte Generalsekretärin Dorothee Dzwonnek – andere Vergehen, wie das Fälschen von Messergebnissen, treten in den Hintergrund.
Die neuen DFG-Vorgaben werden die Arbeitsweise in der Wissenschaft nachhaltig verändern, glaubt Ernst Rietschel, Präsident der Leibniz-Gemeinschaft. Forscher müssten sich „auf Qualität und Originalität besinnen“. Es sei zu hoffen, dass die Gutachter die Belastung durchhielten, die fünf wichtigsten Aufsätze wirklich zu lesen – schließlich würde das sehr viel mehr Arbeit bedeuten. Ansonsten könnte das Pendel bald zurückschlagen. Der Leidensdruck in der Wissenschaft sei aber groß: „Wir wollten auf Dauer nicht mehr weitermachen mit der Salamitaktik“, sagt Rietschel.
Dass auch Ministerien oder Unileitungen von quantitativen Kriterien abrücken, halten Experten für unwahrscheinlich. Sybille Hinze, stellvertretende Leiterin des Instituts für Forschungsinformation und Qualitätssicherung in Bonn, befürchtet daher, dass Forscher künftig zwischen beiden Extremen hin und her gerissen sein könnten. Bei der leistungsbezogenen Mittelvergabe könnte für sie weiterhin die reine Masse zählen – während sie bei der DFG nachweisen müssen, dass sie Artikel mit Substanz produzieren.
- Datum 24.02.2010 - 10:31 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
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z.B. im "New Scientist" wurde das 5-Artikel-Kriterium schon vor ca 15 Jahren (oder früher) vorgeschlagen ...
Vermutlich ist es relativ egal, welche Kriterien man zur Bewertung wissenschaftlicher Leistung heranzieht: sobald es Regeln gibt, gibt es auch genug "Schlaumeier", die sie mit irgendwelchen "Tricks" oder "Auslegungen" erfüllen oder umgehen (Stichwort "Zitierzirkel" oder Recycling von Arbeiten in mehreren Journalen oder man steht an n-ter Stelle als Co-Autor mit auf dem Paper und nimmt die Kollegen beim nächsten eigenen Paper als Co-Autoren mit dazu). Ein anderer Kritik-Punkt liegt auch auch in dem Prinzip "the trend is your friend": Arbeiten über Forschungsfelder, die "in Mode" sind, werden häufiger zitiert als Arbeiten über "Nischenbereiche", die möglicherweise das Potenzial haben, neue Trends zu setzen (z.B. das Thema "Primzahlen" war uns ist relevant für sichere Datenverschlüsselung etc.). Natürlich ist das auch ein Ausdruck davon, dass in einem Bereich viele Wissenschaftler arbeiten, weil es gesellschaftlich, ökonomisch oder für die Zukunft (wahrscheinlich) relevant ist (z.B. das Thema "Klima") und es deshalb auch entsprechend viele Forschungsgelder gibt. Über die Qualität der jeweiligen Arbeit sagt das aber natürlich noch nichts aus. Je mehr Wissenschaftler es gibt, desto höher fallen auch die entsprechenden Zahlen zur Bewertung von Wissenschaftlern aber auch von Journalen aus (z.B. Zitate pro Arbeit, H-Faktor, Impakt-Faktor etc.). Das heisst aber nicht, dass die Forschung immer besser wird oder - vice versa - früher von entsprechend schlechterer Qualität war.
Vermutlich ist es relativ egal, welche Kriterien man zur Bewertung wissenschaftlicher Leistung heranzieht: sobald es Regeln gibt, gibt es auch genug "Schlaumeier", die sie mit irgendwelchen "Tricks" oder "Auslegungen" erfüllen oder umgehen (Stichwort "Zitierzirkel" oder Recycling von Arbeiten in mehreren Journalen oder man steht an n-ter Stelle als Co-Autor mit auf dem Paper und nimmt die Kollegen beim nächsten eigenen Paper als Co-Autoren mit dazu). Ein anderer Kritik-Punkt liegt auch auch in dem Prinzip "the trend is your friend": Arbeiten über Forschungsfelder, die "in Mode" sind, werden häufiger zitiert als Arbeiten über "Nischenbereiche", die möglicherweise das Potenzial haben, neue Trends zu setzen (z.B. das Thema "Primzahlen" war uns ist relevant für sichere Datenverschlüsselung etc.). Natürlich ist das auch ein Ausdruck davon, dass in einem Bereich viele Wissenschaftler arbeiten, weil es gesellschaftlich, ökonomisch oder für die Zukunft (wahrscheinlich) relevant ist (z.B. das Thema "Klima") und es deshalb auch entsprechend viele Forschungsgelder gibt. Über die Qualität der jeweiligen Arbeit sagt das aber natürlich noch nichts aus. Je mehr Wissenschaftler es gibt, desto höher fallen auch die entsprechenden Zahlen zur Bewertung von Wissenschaftlern aber auch von Journalen aus (z.B. Zitate pro Arbeit, H-Faktor, Impakt-Faktor etc.). Das heisst aber nicht, dass die Forschung immer besser wird oder - vice versa - früher von entsprechend schlechterer Qualität war.
wie die Angestellten-Kultur langsam alle Bereiche einschließlich der Geistes- und Naturwissenschaften überwuchert hat:
"Ich verstehe zwar nicht, was drinsteht, kann es deshalb auch nicht beurteilen - aber ich kann Zeilen und Seiten etc. zählen, und Punkte verteilen"
Wesentlich aussagekräftiger als die reine Anzahl von Publikationen ist meiner Meinung nach der sog. "H-index". Hat ein Forscher z.B. den H-index 13, bedeutet dies, dass 13 seiner Publikation jeweils mindestens 13 mal zitiert wurden. Eine breite Masse kaum zitierter Publikationen geht demnach hier nicht in die Wertung ein.
Hätte dieser Index mehr institutionelle Relevanz, würde dies geradezu davon abhalten, ein gutes Ergebnis über mehrere Publikationen zu zerteilen und somit sein Ranking zu "verwässern". Entsprechend könnte man auch bei der Beurteilung verschiedener zeitlich begrenzter Projekte einzelner Gruppen vergleichbare Indizes über den betreffenden Zeitraum auf Gruppenebene auswerten. Belohnt würden dann diejenigen, die eine begrenzte Anzahl wirklich innovativer Artikel publizieren statt einer Vielzahl hochspezialisierter oder gar "recycelter" Schriften,
...naja, ich finde auch die Zitierhäufigkeit problematisch, weil das ja allen, die schon Macht besitzen, zugute kommt. Willst Du (in den Geisteswissenschaften z.B.) Dich profilieren, dann greife zurück und zitiere die etablierten, großen Namen, um zu "beweisen", dass Du da reingehörst...in diese Kreise. Werden nur die "Kleinen", Unbekannten nachzitiert, macht das nen unbedeutenden Eindruck.
Das Hauptproblem mit dem H-Index ist, dass er monoton steigt. D.h. einen einmal erreichten H-Index kann man nicht mehr verlieren, was zur Folge hat, dass automatisch Aeltere bevorzugt werden (so aehnlich wie man ab einem gewissen Alter fuer manche Sportabzeichen praktisch nur noch ankommen muss), sowie dass auch unproduktiv Gewordene anscheinend ihre Position zumindest halten.
Darueberhinaus sind auch die Zitiergewohnheiten nicht nur zwischen den Faechern, sondern mitunter auch in den Unterdisziplinen unterschiedlich, was einen Vergleich enorm erschwert. Letzlich gibt es keine allgemein faire Metrik fuer wissenschaftliche Leistung; ohne die wertende Erfahrung eines Gutachters duerften solche Vergleiche viel schlimmer ausgehen als ohne.
Allerdings, auch ein einzelnes Werk wie "Clash of Civilizations" kann den H-Index nur um eins erhoehen, auch wenn es 1500 mal zitiert wird.
Unter den mir persönlich bekannten Wissenschaftlern ist der bei weitem am meisten zitierte ein Biologe, der christlicher Fundamentalist ist und gegen den Darwinismus schreibt.
Man sollte also aufhören mit diesem Index-Unsinn. Das Hauptproblem scheint mir darin zu liegen, daß die meisten Wissenschaftler sich gar nicht mehr vorstellen können, daß es auch anders gehen könnte. Immer wenn sich ein Index als unbrauchbar erwiesen hat, kommen sie mit einem neuen. Die Alternative heißt Urteilskraft. Man muß, so einfach ist das, einen - meist reicht einer - Aufsatz lesen und sich fragen, ob er etwas taugt.
...naja, ich finde auch die Zitierhäufigkeit problematisch, weil das ja allen, die schon Macht besitzen, zugute kommt. Willst Du (in den Geisteswissenschaften z.B.) Dich profilieren, dann greife zurück und zitiere die etablierten, großen Namen, um zu "beweisen", dass Du da reingehörst...in diese Kreise. Werden nur die "Kleinen", Unbekannten nachzitiert, macht das nen unbedeutenden Eindruck.
Das Hauptproblem mit dem H-Index ist, dass er monoton steigt. D.h. einen einmal erreichten H-Index kann man nicht mehr verlieren, was zur Folge hat, dass automatisch Aeltere bevorzugt werden (so aehnlich wie man ab einem gewissen Alter fuer manche Sportabzeichen praktisch nur noch ankommen muss), sowie dass auch unproduktiv Gewordene anscheinend ihre Position zumindest halten.
Darueberhinaus sind auch die Zitiergewohnheiten nicht nur zwischen den Faechern, sondern mitunter auch in den Unterdisziplinen unterschiedlich, was einen Vergleich enorm erschwert. Letzlich gibt es keine allgemein faire Metrik fuer wissenschaftliche Leistung; ohne die wertende Erfahrung eines Gutachters duerften solche Vergleiche viel schlimmer ausgehen als ohne.
Allerdings, auch ein einzelnes Werk wie "Clash of Civilizations" kann den H-Index nur um eins erhoehen, auch wenn es 1500 mal zitiert wird.
Unter den mir persönlich bekannten Wissenschaftlern ist der bei weitem am meisten zitierte ein Biologe, der christlicher Fundamentalist ist und gegen den Darwinismus schreibt.
Man sollte also aufhören mit diesem Index-Unsinn. Das Hauptproblem scheint mir darin zu liegen, daß die meisten Wissenschaftler sich gar nicht mehr vorstellen können, daß es auch anders gehen könnte. Immer wenn sich ein Index als unbrauchbar erwiesen hat, kommen sie mit einem neuen. Die Alternative heißt Urteilskraft. Man muß, so einfach ist das, einen - meist reicht einer - Aufsatz lesen und sich fragen, ob er etwas taugt.
Besagte "Salamitaktik" und das entsprechend zugehörige Verlangen nach der "Länge" der Publikationslisten bezeugt doch, dass die Damen und Herren, welche Jobs und Forschungsgelder verteilen selber niemals lesen, was der zu Fördernde da publiziert hat... Jeder liest nur seinen eigenen Schund und glorifiziert ihn dann. Das Paradox dabei: Für das, was flutartig veröffentlicht wird über den Trend der letzten Jahre, kann jeder eifrige Schreiber davon ausgehen, dass er der einzige ist, der das jemals und auch für alle Zeit gelesen haben wird. Autismus in der Wissenschaft...ist das denn Wissenschaft?
...naja, ich finde auch die Zitierhäufigkeit problematisch, weil das ja allen, die schon Macht besitzen, zugute kommt. Willst Du (in den Geisteswissenschaften z.B.) Dich profilieren, dann greife zurück und zitiere die etablierten, großen Namen, um zu "beweisen", dass Du da reingehörst...in diese Kreise. Werden nur die "Kleinen", Unbekannten nachzitiert, macht das nen unbedeutenden Eindruck.
Den Grundgedanken hinter dem Vorschlag, den H-Index in Anschlag zu bringen, kann ich schon nachvollziehen. Die Sache hat aber einen entscheidenden Haken: Der eingefleischte Utilitarist (zu welchem Ideal sich die Auditionsgesellschaft den Forschenden ohnehin schon mit Nachdruck umerzieht) wittert darin doch nur die Chance, durch die Publikation wilder Thesen per Widerspruch der Entruesteten die Individualstatistik aufzubesseren, und den eigenen Marktwert zu erhoehen.
Wissenschaftlich, zum Beispiel, ist an Huntingtons 'Clash of Civilizations' nun mal wirklich gar nichts dran, aber der H-Index fuer dieses Machwerk waere phaenomenal. Umgekehrt sind mir Fachartikel bekannt, die erst 15 Jahre nach der Veroeffentlichung zu breiter Wirkung gelangt sind... im gegenwaertigen Betrieb waere die wissenschaftliche Karriere der Autoren zum Zeitpunkt des Erfolgs wahrscheinlich schon dem Wahnwitz des daherschwadronierten "Leistungsprinzips" zum Opfer gefallen.
Wer sich noch fragt, wie sich Dekandenz wohl anfuehlt, kann sich durch Einfuehlung in solche Verbloedungszusammenhaenge vielleicht noch rechtzeitig ein Bild machen.
Das Hauptproblem mit dem H-Index ist, dass er monoton steigt. D.h. einen einmal erreichten H-Index kann man nicht mehr verlieren, was zur Folge hat, dass automatisch Aeltere bevorzugt werden (so aehnlich wie man ab einem gewissen Alter fuer manche Sportabzeichen praktisch nur noch ankommen muss), sowie dass auch unproduktiv Gewordene anscheinend ihre Position zumindest halten.
Darueberhinaus sind auch die Zitiergewohnheiten nicht nur zwischen den Faechern, sondern mitunter auch in den Unterdisziplinen unterschiedlich, was einen Vergleich enorm erschwert. Letzlich gibt es keine allgemein faire Metrik fuer wissenschaftliche Leistung; ohne die wertende Erfahrung eines Gutachters duerften solche Vergleiche viel schlimmer ausgehen als ohne.
Allerdings, auch ein einzelnes Werk wie "Clash of Civilizations" kann den H-Index nur um eins erhoehen, auch wenn es 1500 mal zitiert wird.
Vermutlich ist es relativ egal, welche Kriterien man zur Bewertung wissenschaftlicher Leistung heranzieht: sobald es Regeln gibt, gibt es auch genug "Schlaumeier", die sie mit irgendwelchen "Tricks" oder "Auslegungen" erfüllen oder umgehen (Stichwort "Zitierzirkel" oder Recycling von Arbeiten in mehreren Journalen oder man steht an n-ter Stelle als Co-Autor mit auf dem Paper und nimmt die Kollegen beim nächsten eigenen Paper als Co-Autoren mit dazu). Ein anderer Kritik-Punkt liegt auch auch in dem Prinzip "the trend is your friend": Arbeiten über Forschungsfelder, die "in Mode" sind, werden häufiger zitiert als Arbeiten über "Nischenbereiche", die möglicherweise das Potenzial haben, neue Trends zu setzen (z.B. das Thema "Primzahlen" war uns ist relevant für sichere Datenverschlüsselung etc.). Natürlich ist das auch ein Ausdruck davon, dass in einem Bereich viele Wissenschaftler arbeiten, weil es gesellschaftlich, ökonomisch oder für die Zukunft (wahrscheinlich) relevant ist (z.B. das Thema "Klima") und es deshalb auch entsprechend viele Forschungsgelder gibt. Über die Qualität der jeweiligen Arbeit sagt das aber natürlich noch nichts aus. Je mehr Wissenschaftler es gibt, desto höher fallen auch die entsprechenden Zahlen zur Bewertung von Wissenschaftlern aber auch von Journalen aus (z.B. Zitate pro Arbeit, H-Faktor, Impakt-Faktor etc.). Das heisst aber nicht, dass die Forschung immer besser wird oder - vice versa - früher von entsprechend schlechterer Qualität war.
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