Sicherheitsforschung Gardinen gegen Spione

Sicherheitsforschung erlebt einen Boom an Hochschulen und Forschungsinstituten. Kritiker befürchten die totale Überwachung, Studenten den Einfluss der Wirtschaft

Computer, Internet, Fernsehen, Handy – Hightech macht Kommunikation und Information rund um die Uhr möglich. Dank ausgeklügelter Infrastruktur sind Energie, Wasser und Dienstleistungen stets verfügbar. Doch komplex vernetzte Gesellschaften sind auch sehr anfällig für Störungen. Technische Fehler, menschliches Versagen, terroristische Attacken oder Naturkatastrophen können schlimme Folgen haben. Datenmissbrauch, Hackerangriffe und Online-Banking-Betrug zeigen Schwachstellen in der Telekommunikation auf. Sicherheit ist ein wichtiges Thema geworden – nicht zuletzt für die Wissenschaft. Bereits 2007 hat der Bund 123 Millionen Euro für zunächst vier Jahre bereitgestellt, um Projekte zur zivilen Sicherheitsforschung anzuschieben. Auch die EU fördert diesen Bereich intensiv.

Mit Erfolg, denn Sicherheitsforschung erlebt mittlerweile einen wahren Boom. An zahlreichen Hochschulen und Forschungseinrichtungen wurden neue Projekte gestartet. Und die Berliner Universitäten sind dabei. An der FU wurde jetzt das „Forschungsforum öffentliche Sicherheit“ eingerichtet. Die TU Berlin hat sich am weitesten vorgewagt. Laut einstimmigem Beschluss des Akademischen Senats von Anfang Februar wird Sicherheitsforschung ein neues Zukunftsfeld, mit dem sich die TU profilieren will.

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Der Kür der Sicherheitsforschung war eine uniweite Bestandsaufnahme vorausgegangen. Dabei zeigte sich, dass mehr als 40 Fachgebiete an 18 TU-Instituten mit sicherheitsrelevanten Themen beschäftigt sind. „Wir waren überrascht, dass es hier bereits so viele Aktivitäten in der Sicherheitsforschung gibt“, sagt Martin Steiof, Forschungsplaner an der TU. Sicherheitsforschung solle nun zu einer „TU-Marke“ ausgebaut werden.

Bei den Projekten geht es um zuverlässige Logistik oder biometrische Verfahren, mit denen Personen aufgrund körperlicher Charakteristika wie Stimme, Iris oder Geruch fehlerfrei identifiziert werden können. Untersucht wird auch, wie vertrauenswürdig im Bereich der Medizin mit digitalen Daten umgegangen wird. Auch „eGovernment“ steht auf dem Prüfstand, darunter versteht man das Regieren und Verwalten mit Hilfe moderner Informationstechnologien.

Die Hälfte der Projekte soll sich auf „Sicherheit in der Telekommunikation“ konzentrieren. Hier hat die TU einen Schwerpunkt aufgebaut, nicht zuletzt durch die Zusammenarbeit mit den Telekom-Laboratories (T-Labs). In Kooperation mit der Fraunhofer-Gesellschaft und mehreren Firmen soll erforscht werden, wie man zweifelsfrei erkennt, wer der wahre Absender einer E-Mail ist.

Nun ist Sicherheitsforschung ein heikles Feld, in dem die Interessen des Einzelnen und der Gesellschaft aufeinander stoßen können. Als Preis für möglichst viel Sicherheit müssen oft Einschränkungen der persönlichen in Kauf genommen werden. Deutlich zeigt sich dies bei den zeitraubenden Kontrollen auf Flughäfen und bei der Kontroverse um „Nacktscanner“.

Sicherheitslücken bei Internet und Handy laden wiederum dazu ein, schädliche Programme zu installieren, um den Nutzer auszuspionieren oder ihm finanziell zu schaden. Nicht selten werden wichtige Dateien gelöscht oder das Gerät unbrauchbar gemacht. Zur Abwehr reichen die üblichen Gegenmaßnahmen wie Virenscanner oder Firewall oft nicht mehr aus. Hier wurde von den „T-Labs“ das Projekt „Smartphone Anomaly Detection“ initiiert. Dabei merkt sich das System, was der Nutzer normalerweise auf seinem Handy macht. Änderungen des charakteristischen Verhaltens lassen erkennen, dass ein Virus das Kommando übernommen hat.

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