Jungfernzeugung : Haifisch-Babys ohne Vater

Ein Haifisch-Weibchen hat lebensfähigen Nachwuchs gezeugt, ohne sich mit einem Männchen gepaart zu haben. Die Jungfernzeugung war bei Haien bisher selten zu beobachten.

Sensation im Haifischbecken: Im Naturkundemuseum Karlsruhe hat das Weibchen Mariechen wiederholt Eier abgelegt, ohne sich mit einem männlichen Hai gepaart zu haben. Bislang waren Wissenschaftler davon ausgegangen, dass die alleinlebende Haidame begattet worden sein könnte, bevor sie nach Karlsruhe gelangte. Dies liegt aber schon fast ein Jahrzehnt zurück.

Nach genetischen Untersuchungen des Nachwuchses wurde klar: Die Eier wurden nicht befruchtet. Zum ersten Mal wurde damit bei Haien in Europa eine Jungfernzeugung beobachtet, sagte Johann Kirchhauser vom Museum in Karlsruhe. Das Bambushai-Weibchen bekam bereits seit 2001 immer wieder im Alleingang Nachwuchs. In den vergangenen Jahren waren drei Fälle von Jungfernzeugungen bei Haien in US-Schauaquarien gemeldet worden.

Jedes Jahr legt das Karlsruher Haifisch-Weibchen 50 bis 80 Eier ab, von denen die meisten unbefruchtet sind. Dann schlüpften daraus bisher bereits 13 Jungtiere, von denen etwa die Hälfte überlebte. Im September stellte sich schließlich der 14. Nachwuchs der Haidame ein. "Nach mehreren Jahren Babypause hat uns das total überrascht", sagte Kirchhauser.

Er habe die These von der Spermaspeicherung stets bezweifelt. Nach einem so langen Zeitraum habe das Jungtier ihn darin schließlich bestätigt. "Wir ließen die DNA der Mutter, dem Baby und zwei älteren Schwestern von Spezialisten in München untersuchen", sagte er. "Jetzt können wir definitiv sagen, dass keine Männchen beteiligt waren. Die genetische Analyse aller vier Tiere hat eine so große Übereinstimmung, dass das ausgeschlossen werden kann."

Anders als zum Beispiel beim jüngsten bekannten Fall einer Jungfernzeugung aus einem Aquarium in Detroit (USA) geht der Karlsruher Fall nach Ansicht Kirchhausers weit über alle bisherigen Berichte hinaus. "Während in US-Aquarien nur einige Jungtiere dokumentiert wurden, konnte bei uns diese außergewöhnliche Fortpflanzungsstrategie über einen Zeitraum von acht Jahren belegt werden."

Ein Rätsel aber bleibt: Vor mehr als acht Jahren war auch ein Jungtier mit männlichen Geschlechtsmerkmalen unter dem Nachwuchs. "Eigentlich wären auf diesem Wege aber nur weibliche Nachkommen zu erwarten", sagt Kirchhauser. "Das versteht niemand im Moment, das müssen wir noch untersuchen." Er will daher das tote männliche Tier in München sezieren lassen.

Die eingeschlechtliche Vermehrung, auch Jungfernzeugung oder Parthenogenese, wurde bisher auch bei einigen Vogelarten, Reptilien und Amphibien nachgewiesen. Damit sind Säugetiere nach Überzeugung von Forschern die einzige Wirbeltiergruppe, in der die Jungfernzeugung nicht festgestellt wurde. Nur mit Klonierungsverfahren können auch bei Säugetieren Jungen ohne Vater entstehen.

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Kommentare

16 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

@ wolfgangheiss: Jedenfalls war Maria

nach der katholischen Lehre vor, während und nach der Geburt Jungfrau. Nach dem Neuen Testament war Josef nicht der Vater von Jesus. Allerdings haben Sie Recht, dass die Sache nicht mit der Haifischgeschichte vergleichbar ist, bei der tatsächlich kein Vater vorhanden ist. Bei Maria war als Zeuger ja der Heilige Geist tätig, der bekanntlich in der Dreieinigkeit mit Jesus identisch ist.

Tatsächlich war Maria außerdem der einzige Mensch, der jemals ohne die Erbsünde geboren wurde. Bei allen anderen wurde sie erst mit der Taufe, falls erfolgt, restlos beseitigt.

Wenn du jetzt auf Jesus Christus anspielst:

Da ist von Parthenogenese keine Rede, nur von "ohne Erbsünde empfangen". Das kann vieles bedeuten, zB dass Marias Eltern nicht vorbestraft waren, oder dass Maria kein hypothekenbelastetes Grundstück besaß oder keine Erbkrankheiten hatte,...
Der Vater von Jesus war wahrscheinlich der Erzbengel Gabriel, wobei ich davon jetzt auch nicht mehr 100% überzeugt bin, weil ja auch das Mariechen aus dem Artikel einmal einen parthenogenetischen Sohn bekam. Vielleicht ist es Maria und Mariechen gelungen, das sry-Gen zu kopieren.