Integration Stiftungen wollen mehr Migranten an die Unis bringenSeite 2/2

Doch Schüler aus Zuwandererfamilien gehen auf dem Weg in die Hochschule früher verloren: nach der Grundschule oder beim Übergang in die Sekundarstufe II. "Dabei bräuchten Schüler, die nicht Deutsch als Erstsprache haben, oft nur etwas mehr Zeit", sagt Karakasoglu. Kampagnen, die allein Migranten zum Studium ermunterten, gehen für sie ohnehin ins Leere. Migranten müssten vom Aufstieg mittels Bildung nicht überzeugt werden. Umfragen belegten, dass dies oben auf ihrer Wunschliste stehe. Wichtiger sei die spürbare Offenheit im Unialltag. Professoren dürften nicht stöhnen, wenn Studenten ohne Deutsch als Muttersprache im Seminar noch Schwächen zeigten. Statt des Ausspruchs "Wie hast du Abitur gemacht?" sei Unterstützung nötig.

Diese Offenheit sollte sich in der Außendarstellung der Hochschule widerspiegeln, sagt Karakasoglu. Namen und Bilder von Menschen anderer Herkunft sollten nicht nur im Faltblatt für Migranten auftauchen, sondern überall. So dass ein türkischer Junge, dem ein normaler Prospekt in die Hand falle, zu sich sage: "Ach Mensch, da ist auch ein Ali, der Ingenieur wird, das ist nicht nur eine Universität der Deutschen." Eine andere Botschaft an Migranten könnte lauten: "Du bist mehrsprachig aufgewachsen und darum besonders interessant für uns."

Eine Hochschule, die sich auf diesen Weg begeben hat, ist die Fachhochschule Gelsenkirchen. Sie gehört zu den ersten Unterzeichnern der "Charta der Vielfalt", in der sich eigentlich Firmen zur Wertschätzung ihrer Mitarbeiter unabhängig ihrer Herkunft bekennen. In einem Programm beschreibt die FH Ansätze, wie sie Studenten aus Zuwandererfamilien vom Studienstart bis zum Eintritt in den Arbeitsmarkt besser einbeziehen will.

Die Vorreiterrolle der Gelsenkirchener ist kein Zufall. In den Klassenzimmern der Stadt hat jeder zweite Schüler einen Migrationshintergrund. Spätestens beim Rückgang der Studentenzahlen ab 2015 werden sie zu einer umworbenen Zielgruppe. Schon heute bereitet sich die FH darauf vor. Sie baut eine Einstiegs-Akademie auf, die unterschiedliche Qualifikationen beim Start ausgleicht, und beschäftigt Tutoren, die schon während der Schulzeit Kurse in Mathematik, Physik oder Deutsch als Zweitsprache betreuen. Solche Hilfe ist auch sinnvoll, weil Migranten häufiger als andere auf dem zweiten Bildungsweg an die Hochschule kommen oder mit der Fachhochschulreife. Möglich, dass Berlins Hochschulen solche Maßnahmen bald kopieren: Im neuen Preismodell des Berliner Senats sollen Studierende mit Migrationshintergrund den Unis zusätzlich Geld bringen.

Bei ihren dualen Studiengängen möchte die FH Gelsenkirchen Betriebe zur Einstellung von qualifizierten Migranten ermuntern. Für diese wäre diese Form des Studiums wegen der finanziellen Absicherung besonders motivierend, doch offenbar sind gerade die Betriebe ein Nadelöhr. Bei der Ursachensuche könnte die neueste Studie des "Instituts zur Zukunft der Arbeit" helfen. Sie belegt, dass Bewerber mit türkischem Namen bei gleicher Leistung seltener zum Zug kommen als solche mit deutschen Namen.

 
Leser-Kommentare
  1. 1. ...

    "..., doch offenbar sind gerade die Betriebe ein Nadelöhr. ... Sie belegt, dass Bewerber mit türkischem Namen bei gleicher Leistung seltener zum Zug kommen als solche mit deutschen Namen."

    Was gibt es da zu untersuchen, ist doch ganz klar, es wird ja auch offen zugegeben: "der Bewerber sollte zu der Arbeitsgruppe passen" ist ein immer wieder gerne formulierter Satz. Und leider ein weites Feld. Oft genug scheinen Migranten "einfach nicht in die Arbeitsgruppe zu passen", selbst bei besten Abschlüssen nicht.

    Es scheint oft genug nicht um die eigentliche Arbeitsaufgabe, sondern um das beste Kumpelgefühl zu gehen. Denn gerade eine heterogene Gruppe (also unterschiedliche Fachrichtungen, Frauen, Migranten, etc...) kann ein Problem aus unterschiedlichsten Winkel betrachten und somit erfolgreicher lösen.

  2. Natürlich bin ich auch dafür, dass Einwanderer in Deutschland bei gleichen Voraussetzungen die gleichen Chancen haben sollen.

    Natürlich bin ich auch dafür, dass die Firmen sich aussuchen dürfen, wer bei ihnen arbeitet.

    Und natürlich kann ich jeden Personalchef verstehen, der nach seinem täglichen Blick in die Tageszeitungen eher keinen Türken oder Araber einstellt, sondern lieber einen Chinesen oder Polen.

    Wie bitte?

    Was der Personalchef da in der Zeitung liest?

    "Kolat fordert" (bitte selbst googeln ...)

    Liebe türkische Mitbürger, Ihre schönsten Feinde haben Sie leider selbst aus der Türkei mit nach Deutschland gebracht.

  3. Es geht natürlich auch mit dem Präteritum ("Kolat forderte"):

    http://www.welt.de/politi...

    Meinen Sie, liebe Mitleser, dass nach so einer Forderung im Personalbüro die Lust aufs Morgenland steigt?

    Niemand schadet den Bewerbern aus der Türkei wohl mehr als jene Mullahs, DITIBs oder Verbandsfunktionäre, die fordern, fordern, fordern ...

  4. Muss denn immer, wenn es um Migrantern geht, ein Bild mit Kopftuechern verwendet werden?
    Die Migranten sind so vielfaeltig, da erscheint diese manische Fixierung auf das Kopftuch schon absichtlich.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Midway
    • 19.02.2010 um 10:59 Uhr

    Den Farbigen nebenstehend erkennen Sie nicht oder?

    • Midway
    • 19.02.2010 um 10:59 Uhr

    Den Farbigen nebenstehend erkennen Sie nicht oder?

    • Midway
    • 19.02.2010 um 10:59 Uhr
    5. ^^

    Den Farbigen nebenstehend erkennen Sie nicht oder?

    Antwort auf "Kopftuecher"
  5. Ich bin 23 und studiere seit Oktober vergangenen Jahres. Ich muss diesem Artikel und einigen Kommentaren hier deutlich widersprechen. Unsere Professorin hat vor kurzem in der Vorlesung gefragt, wie viele hier im Raum denn einen Migrationshintergrund hätten und wie viele nicht. Das Ergebnis: 80% Migrationshintergrund, 20% kein Migrationshintergrund. Ich denke in anderen Städten ist das nicht anders, deshalb wundere ich mich über diesen Artikel.

    • FBS
    • 21.02.2010 um 8:59 Uhr

    Es kommt doch immer wieder vor, dass statistische Aussagen sich stark mit den eigenen Erfahrungen beißen. Natürlich ist Statistik Statistik und auch unwahrscheinliche Konstellationen sein in Einzelfällen möglich, ja sogar zu erwarten. Dennoch, ich persönlich habe einen absolut anderen Eindruck davon bekommen. Bei uns wurde sogar im Rahmen einer Vorlesung explizit nach Chancengleichheit gefragt und der Anteil der Studierenden mit Migrationshintergrund lag deutlich höher als im Artikel benannt. Natürlich kann man auf solche Handzeichenabstimmungen nicht viel geben aber ich wundere mich ebenfalls, ich hatte die Universität im Gegenteil eher immer als sehr international bzw. kulturell vielfältig empfunden.

  6. [...]
    Bitte verzichten Sie auf pauschalisierende Äußerungen, die als diskriminierend empfunden werden könnten. Die Redaktion/km

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