Space-Shuttle Guter Start in eine schwere ZeitSeite 2/2

Die Stimmung in Florida ist schlecht. Obama hat hier ohnehin keinen Rückhalt, nun richtet sich die Kritik auch gegen den Ex-Astronauten und Nasa-Chef Charles Bolden. Nach eigener Auskunft hat er selbst dem Präsidenten den Vorschlag unterbreitet, Constellation zu streichen. Das Programm war in zeitlichen Verzug geraten und hätte 30 Milliarden Dollar extra gekostet, um die avisierte Mondlandung eines Astronauten bis 2020 zu schaffen.

Am Freitag sprach Bolden in einer internen Veranstaltung zu seinen Mitarbeitern im Kennedy-Space-Center. Die Zusammenfassung für die Öffentlichkeit lieferte er am folgenden Tag. In seiner legeren Art, Kaugummi kauend und mit einem Pappbecher voll Kaffee, trat Bolden vor die Kameras. "Ich habe meine Lektion gelernt", sagte er in Bezug auf die einsame Entscheidung, die selbst enge Mitarbeiter nicht von ihm, sondern aus den Medien erfahren haben. Aber er stehe zu seinem Plan.

"Ich hoffe sehr, dass ich Firmen hierher zum Kennedy-Space-Center holen kann", sagt er. Damit die Anlagen weiter genutzt werden und vor allem neue Jobs entstehen. Die Leute hier seien gut. Der teilweise ziemlich heruntergekommene Komplex solle in den nächsten fünf Jahren mit knapp zwei Milliarden Dollar zur "Startanlage des 21. Jahrhunderts" ausgebaut werden.

Amerika brauche ein eigenes System, um Astronauten ins All zu bringen, betont Bolden. Die privatwirtschaftliche Variante, so hofft er, wird "schneller, billiger und besser" sein als es die bisher verfolgte Kombination aus Ares-Rakete und Orion-Raumkapsel. Er halte fest an den Plänen für Astronautenflüge zu Mond, Mars oder einem Asteroiden. So schnell werden diese Ziele aber nicht angesteuert, vielleicht im nächsten Jahrzehnt.

"Das Ende von Constellation ist nicht das Ende der bemannten Raumfahrt", sagt der Nasa-Chef. Im Gegenteil, Amerika werde sich bis 2020 an den Betriebskosten der ISS beteiligen. Bisher galt die Zusage nur bis 2015.

Für die übrigen Partnerländer, Europa, Russland, Japan und Kanada, und auch manche Nasa-Forscher war das eine gute Nachricht. Sie hatten immer wieder dafür geworben, die Station möglichst lange zu betreiben. Jedes zusätzliche Jahr an Laufzeit bedeutet mehr wissenschaftliche Ergebnisse aus Versuchen in der Schwerelosigkeit, aber auch zur kosmischen Strahlung oder bei der Erforschung von Elementarteilchen. Allein unter deutscher Führung sind rund 50 Versuche bereits abgeschlossen, 47 weitere in Vorbereitung. 

In Zukunft dürfte die Zahl noch steigen, denn seit dem vergangenen Jahr können dauerhaft sechs statt vormals drei Astronauten in der Station leben. Mit Tranquility und Cupola sollen die Arbeitsbedingungen in knapp 400 Kilometer Höhe weiter verbessert werden.

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 08.02.2010)

 
Leser-Kommentare
  1. ...endlich zieht fiskalische Vernunft auch in die Domäne von Star-Trek-Fans ein.

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    • Midway
    • 08.02.2010 um 13:19 Uhr

    Na, vielleicht sollten Sie mal wissen, dass Star Trek uns ziemlich weit gebracht hat ,P

    • Midway
    • 08.02.2010 um 13:19 Uhr

    Na, vielleicht sollten Sie mal wissen, dass Star Trek uns ziemlich weit gebracht hat ,P

    • BISI
    • 08.02.2010 um 12:38 Uhr

    Der Staatliche Teil wird privatisier. Es lebe der Wettbewerb und hier ist wieder ein Hauch von der Spirale des Kapitalismus zu spüren. Finde ich gut, es gibt nämlich genug reiche Amis, die gerne mit der NASA auf diesem Gebiet arbeiten würden (und auch Europär). Na vielleicht lebe ich ja noch, wenn wir auf dem Mond einkaufen gehen können. ;)

    • Midway
    • 08.02.2010 um 13:19 Uhr
    3. ^^

    Na, vielleicht sollten Sie mal wissen, dass Star Trek uns ziemlich weit gebracht hat ,P

    Antwort auf "Schön..."
    • Crest
    • 08.02.2010 um 14:34 Uhr

    Das mag man als etwas schmerzlich empfinden, aber der Fortschritt war schon immer eine Echternacher-Springprozession.

    Was tröstet (und da darf ich noch einmal Geppert im Original zitieren):

    ...in einer anderen Hinsicht scheint es gegenwärtig zu einer Renaissance des Weltraumdenkens zu kommen: Ein ganz zentraler Aspekt war immer das Argument, dass die Menschheit über sich, nach außen greifen müsse, um ihre Zukunft zu sichern, wenn nicht gar zu retten.

    (Schön, dies von einem Historiker zu hören.)

    Herzlichst Crest

    • Runan
    • 08.02.2010 um 21:32 Uhr

    Privatisierung und Wettbewerb ja - aber nur wenn Qualität und Sicherheit stimmt. Eines sollten wir auf keinen Fall tun - das träumen aufgeben @agree crest

    Gruß
    Runan

  2. ...der Neid der aus Menschen spricht.
    Ich kann mir zumindest nichts besseres vorstellen als genau in diesem Raum meine sowieso notwendigen Übungen zu absolvieren.
    Ein Trimrad mit der Aussicht!
    Weit weg von den anderen Typen in dieser Sardinenbüchse und mit guter Musik kann man durchaus Stunden in diesem feinen Kämmerlein trainieren.

    Ich will da hoch!!!

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