Emotionen im Sport Ist Stolz angeboren oder abgeguckt?

Einmal auf's Treppchen – wenn das gelingt, ist der Stolz der Olympioniken grenzenlos. Doch sind die großen Gefühle im Sport antrainiert? Psychologen und Geisteswissenschaftler suchen Antworten.

Stolz wie Oskar: Rodler Felix Loch nach seinem Olympia-Sieg in Vancouver

Stolz wie Oskar: Rodler Felix Loch nach seinem Olympia-Sieg in Vancouver

Das erste Gold für Deutschland bei den Olympischen Spielen in Vancouver 2010 holte der Rodler Felix Loch. Bei der Siegerehrung springt er energisch in die Höhe. In der Luft grätscht er die Beine, lässt die geballten Fäuste gen Himmel fahren und zeigt seine Zähne. Für einen Moment lässt die Siegerpose ihn überlebensgroß erscheinen. Ist die Pose bloß ein Eitelkeitsritual oder steckt mehr dahinter?

Schon Charles Darwin hat beobachtet, dass stolze Menschen "sich so groß wie nur möglich geben wollen und mit Stolz aufgeplustert zu sein scheinen". Vertreter des zeitgenössischen biologisch-evolutionären Ansatzes in der Emotionsforschung, wie die kanadische Psychologin Jessica L. Tracy und der amerikanische Psychologe Richard W. Robins, gehen davon aus, dass Menschen eine Reihe von angeborenen "Basisemotionen" haben.

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Charakteristisch für diese Gefühle ist, dass sie mit einer typischen Körpersprache einhergehen, die kulturübergreifend von allen Menschen erkannt wird. Der nonverbale Ausdruck kann deutlich von anderen Emotionen unterschieden werden, wie etwa Freude, Angst, Ekel und Traurigkeit. In biologistischer Lesart haben Emotionen die Funktion, das Überleben zu sichern, die Fortpflanzung anzufachen und das Ansehen in der Gruppe zu mehren.

Stolz

Stolz haben die Römer als "Superbia" etikettiert, also als bedenklichen Übermut. Christliche Denker sahen im Stolz sogar die "Königin der Sünde". Die Forschung unterscheidet heute zwischen dem Stolz als Charakterzug – und Stolz als eine angemessene emotionale Reaktion auf eine Errungenschaft.

Der naturalistischen Lesart zufolge ist Stolz eine grundlegende menschliche Gemütsbewegung, die mit einer typischen, universell verstandenen Körpersprache einhergeht. Gesunder Stolz treibt Menschen zu herausragenden Leistungen und zu Altruismus an. 

Für kulturwissenschaftlich geprägte Forscher lässt sich Stolz nicht ohne die spezifische Sprache und Kultur der Menschen erklären.

Treffen diese Merkmale auch auf den Stolz zu? Traditionell wird der Stolz zwar nicht den angeborenen Emotionen zugerechnet. Doch von Darwin ausgehend haben Tracy und Robins eine neue Versuchsreihe entwickelt, um herauszufinden, warum Menschen Stolz empfinden – und ob der Stolz mit einer unverwechselbaren Körpersprache einhergeht.

Sie legten Probanden unterschiedlicher kultureller Herkunft Fotos vor, auf denen die Abgebildeten die Mimik und Gestik des Stolzes vorführen. Können Menschen kulturübergreifend die Körpersprache des Stolzes erkennen?

Leser-Kommentare
  1. ...dass Stolzposen abgeguckt sind, zeigt sich doch auch an kleinen Kindern, die genau sehen, wie die Sieger beim Fussball oder Sport allgemein sich ausdrücken, wenn was gewonnen wurde. Und das ahmen sie dann nach...das Jubelposenspiel ist doch bekannt (aus meiner Kindheit, hehe). Dass Stolz immer verbunden ist mit einer Aufwertung in der Gruppe durch irgendeine Tat, ist auch irgendwie plausibel...Aber wenn Papa sagt, er sei aufs Söhn- oder Töchterchen sehr stolz, dann brechen sich da keine angeborenen Jubelposen bahn...Und bei den Sportlern vermischt sich dann auch alles wieder: Stolz mit Freude, Siegestaumel infolge der Erniedrigung der Verlierenden, vielleicht auch Melancholie, das es geschafft...aber vorbei ist...

  2. Mal abgesehen davon, dass die Siegerpose eines Sportlers eher Triumphgefühl als so etwas wie "Stolz" ausdrückt, habe ich für ritualisierte Verhaltensweisen nur Verachtung übrig.
    Offenbart doch das automatisierte Rollenspiel lediglich die Dominanz äffischer Gene, die den Möchtegern-Menschen fest im Griff haben.
    Und was, bitte schön, soll daran wichtig sein, wenn man möglichst schnell auf Brettern einen Hang hinunterrutscht, einen Granitblock über das Eis schiebt, oder sich gemäß vorgeschriebener Regeln wie ein irrer Zirkusclown auf Schlittschuhen über das Eis hampelt?
    Die Antwort lautet: Gar nichts! Die "Athleten" bedienen einfach nur ihren Drang (und den des engagierten Zuschauers) sich dem Urteil selbsternannter Autoritäten (Kampfrichter) zu unterwerfen, um von ihnen bestätigt zu bekommen, dass sie alles richtig gemacht haben. Braver Junge! Und jetzt husch ins Körbchen!
    Widerliche Sklavenmentalität...

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    ...@Luca Brasi, Du tust ja geradezu als stündest Du über allen Dingen und schweifst gekonnt umher in einer zweckfrei autonomen Geistesfreiheit: ein Käse des Fußes auch dies. Jeder möchte - auf seinem Feld - sich beweisen, etablieren, anerkennen lassen kraft einer Leistung, die natürlich im Rahmen der schon vorgegebenen Regeln sich entfalten muss. Und mit seinem Körper eine außergewöhnliche Leistung (im Sport) zu vollbringen, ist doch etwas befriedigendes. Und sich auf einem Feld, das eine gewisse Tradition schon über Generationen besitzt, zu versuchen - olympische Sportarten etwa - ist noch keine "Sklavenmoral" (a la Nietzsche). Sklave ist doch eher der "zweckfrei" schwadornierende Idealist...ein Spätromantiker, solipsistischer Ästhetizist...ein Gruß an Richard Wagner.

    ...@Luca Brasi, Du tust ja geradezu als stündest Du über allen Dingen und schweifst gekonnt umher in einer zweckfrei autonomen Geistesfreiheit: ein Käse des Fußes auch dies. Jeder möchte - auf seinem Feld - sich beweisen, etablieren, anerkennen lassen kraft einer Leistung, die natürlich im Rahmen der schon vorgegebenen Regeln sich entfalten muss. Und mit seinem Körper eine außergewöhnliche Leistung (im Sport) zu vollbringen, ist doch etwas befriedigendes. Und sich auf einem Feld, das eine gewisse Tradition schon über Generationen besitzt, zu versuchen - olympische Sportarten etwa - ist noch keine "Sklavenmoral" (a la Nietzsche). Sklave ist doch eher der "zweckfrei" schwadornierende Idealist...ein Spätromantiker, solipsistischer Ästhetizist...ein Gruß an Richard Wagner.

  3. Hier ist der schlagende oder - besser gesagt - der krakeelende Beweis dafür, dass der Mensch, der im Kindesalter bei seinen Eltern nicht die Aufmerksamkeit und mütterliche (auch väterliche) Liebe und Wärme bekam, jetzt versucht, sich diese woanders zu holen.
    Leider geht das meistens in die "Hose", weil kaum jemand versteht, warum er dies eigentlich macht und immer das gleiche Thema auf brüht, obwohl alle es schon satt haben, dem überhaupt noch Beachtung zu schenken.
    Je mehr er sich aber selbst durch andere darin bestärkt fühlt, die auf ihn hereinfallen oder versuchen, ihn zu widerlegen, um so mehr stachelt es den "Psycho" an, sich noch intensiver mitzuteilen - bis hin zur Selbstzerstörung.

    Hört die Masse einfach weg, dann wird der "Bengel" zwar noch eine Weile "kläffen", aber irgendwann setzt er sich in seine "Schmoll-Ecke" oder sucht seinen Therapeuten auf.

    Der Sportler sucht seine Anerkennung auf anderem Gebiet und wird, ohne dass er es will zum Objekt der Begierde:
    - Sponsoren
    - Mediziner
    - Presse, Rundfunk, Fernsehen
    Viel zu spät, nämlich nach dem Ende seiner Karriere, hat er es dann entweder geschafft, populär zu sein oder er verschwindet in der Versenkung - trotz seiner Erfolge.

    Bestes Beispiel ist doch gerade unsere "Anni", die mit ihrem bisherigen Abschneiden bei Olympia höchstens einen "Wanderpokal" der deutschen Eislaufunion bekommen wird. Da steht doch ihre Konkurrentin "Pechi" momentan weitaus besser da- selbst in den "ewigen" Medaillenlisten bei Olympia.

  4. 4. Nanana

    ...@Luca Brasi, Du tust ja geradezu als stündest Du über allen Dingen und schweifst gekonnt umher in einer zweckfrei autonomen Geistesfreiheit: ein Käse des Fußes auch dies. Jeder möchte - auf seinem Feld - sich beweisen, etablieren, anerkennen lassen kraft einer Leistung, die natürlich im Rahmen der schon vorgegebenen Regeln sich entfalten muss. Und mit seinem Körper eine außergewöhnliche Leistung (im Sport) zu vollbringen, ist doch etwas befriedigendes. Und sich auf einem Feld, das eine gewisse Tradition schon über Generationen besitzt, zu versuchen - olympische Sportarten etwa - ist noch keine "Sklavenmoral" (a la Nietzsche). Sklave ist doch eher der "zweckfrei" schwadornierende Idealist...ein Spätromantiker, solipsistischer Ästhetizist...ein Gruß an Richard Wagner.

    Antwort auf "Stolz und Fußkäse"
  5. @Nanana: "Sport" hat mit seinem ursprünglichen Wortsinn (Vergnügen) schon lange nichts mehr zu tun. Als sinnloses Kalorienverbrennen unter absurden Regeln ist der "Spaß", wenn nicht gar generell auf der Strecke geblieben, allein nur noch das Privileg der "Sieger"; alle anderen haben bitteschön enttäuscht, frustriert und niedergeschlagen zu sein.
    Kommando: "Schäm dich!" Und wer sich ohne Not einem einengenden Regelwerk unterwirft, ist entweder zu feige, zu faul, oder zu blöd, um eigene Entscheidungen zu treffen, und für deren Konsequenzen Verantwortung zu tragen! "Ich habe nur Befehle befolgt." ist eine deutsche Ausrede, die schon einmal nicht funktioniert hat...

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    Solche Ausreden höre ich ständig von Versagern und Faulpelzen.

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  6. Solche Ausreden höre ich ständig von Versagern und Faulpelzen.

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