Temperatur minus sechs Grad, ein bisschen Schneefall in der Nacht zuvor, der Boden glänzt matt – Glatteis! Selbst der Sportlichste kann plötzlich unsanft auf dem Eis landen. Häufig bleibt nur ein blauer Fleck zurück. Manche aber, gerade Ältere, führt der Gang zum Bäcker direkt ins Krankenhaus. Die Unfallchirurgen haben in den verschneiten und vereisten Winterwochen noch mehr zu tun als sonst.

Das kann mir nicht passieren. Ich trete aus dem Haus ins winterliche Hamburg mit dünnen, genoppten Gummiplatten unter den Schuhen. Hinten an den Fersen sind sie mit Klettband befestigt. Aus der Gummimischung ragen jeweils fünf Spikes aus einem gehärteten Metall hervor, das auch in skandinavischen Winterreifen verwendet wird. »Gleitschutz« nennt der finnische Hersteller Devisys seine Anti-Rutsch-Hilfe.

Das Prinzip ist einfach: Beim Gehen ist immer eine Ferse auf dem Boden; damit verhakt man sich dank der Metallspikes im Untergrund. Das funktioniert selbst bei vereisten, nicht gestreuten Steigungen. Anfangs fühlen sich die Gummivorrichtungen an meinen Schuhen noch an wie ein zusätzlicher Absatz, bald aber nehme ich sie nicht mehr wahr.

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Zahlreiche Hersteller bieten einen Gleitschutz an, der Preis liegt je nach Modell zwischen etwa zehn und 40 Euro. Die Schuh-Spikes von Behrendt zum Beispiel zieht man sich über die ganze Schuhsohle, was etwas mühsam ist. Das Modell Quickstep der Firma RUD bietet gar Schneeketten für die Füße, bestehend aus geschweißtem Edelstahl mit besonders greifstarken, angeblich selbstreinigenden Kettengliedern. Die Firma Yaktrax besitzt das Patent auf eine Art Netz, das sich über die Schuhsohle spannt und aus Naturkautschuk und Edelstahlfedern besteht. Leider sind auch hier Anziehen und Justieren Aufgaben, angesichts derer man spontan lieber zu Hause bleibt.

Andere Modelle lassen sich einfach über die Fußspitze stülpen, sie setzen nur vorne unter dem Fußballen an. Die kommen gar nicht erst infrage. Denn über Sturz oder nicht entscheidet das Aufsetzen der Ferse auf den Boden: Wenn man hier keinen Halt hat, rutscht der Schuh weg. Das sagen Gehforscher vom Wiener Forschungsinstitut für Orthopädietechnik. Dort haben Forscher zusammen mit der Fachklinik Zicksee 22 Anti-Rutsch-Hilfen getestet. Gemeinsam mit dem Modell icey vom Anbieter Springyard ist der Devisys Testsieger. Beide kosten rund 30 Euro und bieten ausschließlich Fersengleitschutz.

In Deutschland findet man Anti-Rutsch-Hilfen noch selten. Man muss sich in ein Sanitätshaus begeben oder im Internet suchen. Doch die Nachfrage steigt. Die Post hat schon Briefträger mit Devisys ausgestattet; auch die Autobahnpolizisten in Baden-Württemberg tragen Anti-Rutsch-Hilfen.

Pause in einem Kaffee. Die Spikes sind nur ein paar Millimeter lang, daher stören sie weder auf Asphalt noch auf Teppichboden. Erst als ich auf dem Weg zur Toilette Parkett betrete, höre ich ein laut kratzendes Geräusch, rutsche weg und kann mit Mühe einen Sturz vermeiden. Auf glatten Oberflächen wie Parkett oder Marmor wird aus dem Gleitschutz eine Gleithilfe.

Die Hackenbremse lässt sich glücklicherweise auch im Stehen unkompliziert ab- und anlegen. Selbst ältere Menschen mit eingeschränkter Beweglichkeit kommen damit zurecht. Ästhetisch gibt es übrigens weniger Bedenken als erwartet. Die schwarzen Riemen sind unauffällig; nur der Reflektor an der Hinterseite wirkt unelegant.

Härtetest: Die Außenalster in Hamburg ist zugefroren und bildet eine Eisfläche, die fast so groß ist wie das Fürstentum Monaco. Vorsichtig taumelnd, flanieren die Hamburger auf ihrem See. Ich dagegen überquere das Eis zügig und festen Schrittes, nur beim Abstoßen mit der Fußspitze rutsche ich manchmal ein wenig weg. Stürzen? Kein Gedanke – Test bestanden!

Doch als der sechste Schlittschuhfahrer neben mir vorbeigleitet und ein Kind in Gummistiefeln lachend vor mir her rutscht, werde ich neidisch. Wie schön kann Rutschen sein!