Materialforschung Forscher entwickeln eine Mini-Tarnkappe

Seit Langem versuchen Forscher, Gegenstände mit optischen Tricks unsichtbar zu machen. In Karlsruhe hat das geklappt. Doch die Tarnkappe aus Metamaterialien ist winzig.

Tarnung mit Kappe - In Karlsruhe ist man dem Traum vom Unsichtbarsein etwas näher gekommen

Tarnung mit Kappe - In Karlsruhe ist man dem Traum vom Unsichtbarsein etwas näher gekommen

Harry Potter macht es vor, kaum hüllt er sich in einen altmodisch gemusterten Umhang, verschmilzt seine Silhouette mit der Umgebung und er wird unsichtbar. Doch schon bevor der Zauberschüler aus der Feder seiner Erfinderin Joanne K. Rowling entsprang, träumten die Menschen davon, sich in manchen Situationen einfach unter einer Tarnkappe zu verbergen. Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) sind diesem Traum nun ein Stückchen näher gekommen. Zugegeben ein winziges Stückchen.

Denn die Tarnkappe, die sie in der neusten Ausgabe des Magazins Science vorstellen, ist noch nicht einmal 100 Mikrometer lang. Dennoch ist es damit gelungen, ein dreidimensionales Objekt zu verbergen. Dazu haben die Forscher einen Fotolack auf ein Glas-Substrat aufgetragen, den sie mit einem Laser weiter bearbeiteten. "Damit produzieren wir 3D-Strukturen mit optischen Eigenschaften, die es in der Natur nicht gibt", erläutert Studienautor Tolga Ergin. Diese Metamaterialien genannten Gebilde erinnern entfernt an Holzstapel. Über diese Schicht wird eine dünne Lage aus Gold gelegt, in der sich eine winzige Delle befindet.

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Wie kleine Holzscheite werden die Metamaterialien gestapelt. Darüber liegt die Goldschicht mit der Delle, die man durch die Lichtstreuung eigentlich nicht sieht

Wie kleine Holzscheite werden die Metamaterialien gestapelt. Darüber liegt die Goldschicht mit der Delle, die man durch die Lichtstreuung eigentlich nicht sieht

Durch die Eigenschaften des Fotolacks wird das einfallende Licht von der Goldbeule so zurückgeworfen, dass man sie nicht mehr sieht. Das ist so, als würde man etwas unter einem Teppich verstecken, ohne dass danach die Wölbung zu sehen ist.

Bisher funktioniert die Mikrotarnkappe nur mit Licht im Infrarotbereich, dass zwar einige Tiere, nicht aber wir Menschen sehen können. Damit sie auch mit für uns sichtbarem Licht arbeitet, müsste die Struktur der Metamaterialien noch feiner werden.

Vor vier Jahren wurde schon einmal eine Art Tarnkappe vorgestellt. Leider funktionierte der Prototyp, den Wissenschaftler aus den USA und England entwickelt hatten, nur zweidimensional und weitab von optischen Wellenlängen.

Bleibt die Frage, wann die Tarnkappe in brauchbarer Größe auf den Markt kommt. Technisch sei es laut Nicolas Stegner, Zweitautor der Studie, schon möglich, die Tarnkappe beliebig zu vergrößern. "Nur würde die Herstellung extrem lange dauern", schon für den Aufbau des Mikrounsichtbarmachers haben die Forscher mehrere Stunden gebraucht. Ohnehin sind die Karlsruher nicht daran interessiert, konkrete Anwendungsmöglichkeiten zu erforschen. Etwa für die Rüstungsindustrie, die sicher gerne ihre Soldaten oder ganze Panzer damit tarnen würde. "Wir machen Grundlagenforschung", sagen sie.

 
Leser-Kommentare
  1. Übrigens: Der Sack Reis, der gestern in China umgefallen ist, soll wieder aufgestellt worden sein!

  2. Wieso gleich mit einem Reissack vergleichen?
    Ab wann gibt es die bei KIK?

    Aber mal ernsthaft. Das ist doch ne Errungenschaft wie das Fliegen. Ich find es klasse! Im Alltag kann das doch ganz neue Möglichkeiten eröffnen. Ein Behälter den man mit Wasser füllt, aber selbst nicht sieht. Dann sind Gläser ruckzuck out!

    • WuTao
    • 20.03.2010 um 5:41 Uhr

    Klar, traeumt jeder Schueler von einem Spickzettel, den man, falls der Lehrer was merkt, schnell unsichtbar machen kann.

    Aber genauso traeumt auch der kontrollsuechtige Ehemann von einer unsichtbaren Kamera, die die Ehefrau an der Wohnzimmerdecke niemals entdecken wuerde. Und fragwuerdige Produktionsunternehmen traeumen von Unsichtbarem Muell, den man in freier Natur deponieren kann, und auf den erst nach Jahren gestossen wird.

    Und was ist, wenn Terroristen anfangen von Unsichtbaren Waffen zu traeumen??

  3. Und ich lasse zu Hause meine Kohle rumliegen und kein Einbrecher sieht was. Oder ich steige in den Bus ein und zahle keine Pfennig, weil der Busfahrer mich nicht sieht. Wenn ich was anstelle, komme ich nicht ins Gefängnis, weil die Polente mich nicht fassen kann.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Eine solche "Tarnkappe" mag ja irgendwann für Gegenstände funktionieren, aber Personen damit unsichtbar machen zu können, scheitert an einem Denkfehler!
    Die "Tarnkappe" funktioniert doch dadurch, dass das Licht um das Objekt herum gelenkt wird und somit kein Licht von diesem Objekt reflektiert und dieses damit nicht mehr gesehen werden kann.
    Hülle ich mich in einen Anzug, der das Licht um mich herum lenkt, damit andere mich nicht mehr sehen können, kann ich auch keine Lichtstrahlen mehr sehen, die von meiner Umgebung reflektiert werden, kurz - ich bin blind!
    Oder habe ich hier einen Denkfehler?

    Eine solche "Tarnkappe" mag ja irgendwann für Gegenstände funktionieren, aber Personen damit unsichtbar machen zu können, scheitert an einem Denkfehler!
    Die "Tarnkappe" funktioniert doch dadurch, dass das Licht um das Objekt herum gelenkt wird und somit kein Licht von diesem Objekt reflektiert und dieses damit nicht mehr gesehen werden kann.
    Hülle ich mich in einen Anzug, der das Licht um mich herum lenkt, damit andere mich nicht mehr sehen können, kann ich auch keine Lichtstrahlen mehr sehen, die von meiner Umgebung reflektiert werden, kurz - ich bin blind!
    Oder habe ich hier einen Denkfehler?

  4. Eine solche "Tarnkappe" mag ja irgendwann für Gegenstände funktionieren, aber Personen damit unsichtbar machen zu können, scheitert an einem Denkfehler!
    Die "Tarnkappe" funktioniert doch dadurch, dass das Licht um das Objekt herum gelenkt wird und somit kein Licht von diesem Objekt reflektiert und dieses damit nicht mehr gesehen werden kann.
    Hülle ich mich in einen Anzug, der das Licht um mich herum lenkt, damit andere mich nicht mehr sehen können, kann ich auch keine Lichtstrahlen mehr sehen, die von meiner Umgebung reflektiert werden, kurz - ich bin blind!
    Oder habe ich hier einen Denkfehler?

    Antwort auf "Geile Phantasien"
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    Dann setzen Sie halt eine Infrarotbrille auf.
    Irgendwas im unsichtbaren Lichtspektrum das nicht herumgeleitet wird.
    Ich denke, da gibt's bestimmt Möglichkeiten.

    Aber um zu nochmal zu dem Sack Reis zurückzukommen.
    In den Nachrichten stand, dass derjenige der den Sack wieder aufstellte, auch ursprünglich umgeworfen hatte.
    Gestern stand in der Pekinger Zeitung, dass man denjenigen gefasst und er ein volles Geständnis abgelegt hat.

    Dann setzen Sie halt eine Infrarotbrille auf.
    Irgendwas im unsichtbaren Lichtspektrum das nicht herumgeleitet wird.
    Ich denke, da gibt's bestimmt Möglichkeiten.

    Aber um zu nochmal zu dem Sack Reis zurückzukommen.
    In den Nachrichten stand, dass derjenige der den Sack wieder aufstellte, auch ursprünglich umgeworfen hatte.
    Gestern stand in der Pekinger Zeitung, dass man denjenigen gefasst und er ein volles Geständnis abgelegt hat.

  5. Anwendung sind zu hunderten denkbar, wie z. B. optische Systeme bei denen die mechanischen Aufhänger ausgeblendet werden müssen. Selbst bei Flachbildschirmen könnt ich mir vorstellen, die Raster für den Lichtstrom verschwinden zu lassen. Viele Sachen kommen mir da in den Sinn.
    Aber Leute verschwinden lassen? Da haben wohl einige zu viele SF Sachen gesehen.

    • joeyjo
    • 20.03.2010 um 10:39 Uhr

    ...um herauszufinden, dass KIT nicht "Karlsruher Institut für Technik" sondern für "Karlsruher Institut für Technologie" bedeutet.

  6. Das ist eine sehr interessante Erfindung, bei der sicherlich unendlich viele Anwendungsmöglichkeiten gibt. Welcher Ingenieur oder Designer träumt nicht davon, die Dinge die er am Produkt nicht zeigen möchte, verbergen zu können.
    Wenn ich dann allerdings lese, dass lediglich Grundlagenforschung betrieben werden soll, frage ich mich, wieso der Steuerzahler dies eigenlich finanzieren soll. Also bitte konkrete Anwendungen entwickeln! Sonst kommt das demnächst aus Japan oder USA und wir haben wieder einmal die Grundsteine gelegt.

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