Im Fokus: Der Teilchenbeschleuniger LHC in Genf. Eine Deutsche klagte, weil sie den Untergang der Welt befürchtet © Fabrice Coffrini/AFP/Getty Images

Das Bundesverfassungsgericht hat eine Verfassungsbeschwerde abgelehnt, die sich gegen Versuchsreihen am europäischen Kernforschungszentrum Cern richtete. Eine deutsche Klägerin befürchtet, dass in dem Teilchenbeschleuniger Large Hadron Collider (LHC) Schwarze Löcher entstehen, welche die Erde verschlucken.

Die Verfassungsrichter hatten keine Einwände gegen Entscheidungen des Oberverwaltungsgerichts Nordrhein-Westfalen. Dort hatte die Klägerin mit einem Eilantrag bereits erfolglos verlangt, dass die Bundesrepublik die Versuche in der Schweiz stoppt. Die Klägerin besitzt die deutsche Staatsbürgerschaft und lebt in Zürich, 220 Kilometer entfernt vom Sitz des Forschungszentrums in Genf.

Der LHC liegt als 27 Kilometer langer Ringtunnel in etwa 100 Metern Tiefe unter der Erdoberfläche und reicht bis nach Frankreich. Die Forscher lassen dort Elementarteilchen kollidieren, um neue Einblicke in die Entstehung des Universums zu erhalten. Vor seinem Start im Herbst 2008 wurden immer wieder die Befürchtung laut, dass dabei Schwarze Löcher im Miniaturformat entstehen könnten.

Nach Ansicht der Karlsruher Richter hat die Klägerin nicht ausreichend dargelegt, warum sie durch die Tests in ihren Grundrechten verletzt wird. Außerdem fehle ein schlüssiger Vortrag dazu, warum der von ihr befürchtete Schaden eintrete werde. Die Größe eines vermeintlichen Schadens – hier die Vernichtung der Erde – erlaube keinen Verzicht auf eine ordentliche Begründung. Es genüge nicht, "Warnungen auf ein generelles Misstrauen gegenüber physikalischen Gesetzen, also gegenüber theoretischen Aussagen der modernen Naturwissenschaft zu stützen", sagten die Richter.

Physiker halten es für ausgeschlossen, dass der LHC Schwarze Löcher erzeugen und damit die Erde verschlucken könnte. "Die ganze Diskussion ist völlig albern und absurd", sagte der amerikanische Physiknobelpreisträger David Gross im Rahmen der jahrelangen Diskussion. Wären die Befürchtungen berechtigt, hätte die Katastrophe längst stattfinden müssen: "Die Erde und der Mond sind aber noch da, obwohl es Kollisionen kosmischer Teilchen gibt, die noch viel energiereicher sind."