Kriminalbiologie Mit Bakterien auf Verbrecherjagd

Forensiker könnten in Zukunft mithilfe von Mikroorganismen nach Tätern fahnden. Eine neue Studie zeigt, wie individuell die Keimbelastung auf unseren Fingern ist.

Bei jeder Berührung hinterlassen wir nicht nur Fingerabdrücke, sondern auch unseren persönlichen Bakteriencocktail

Bei jeder Berührung hinterlassen wir nicht nur Fingerabdrücke, sondern auch unseren persönlichen Bakteriencocktail

Trockene Ebenen, stoppelige Steppen, Berge, Täler, Feuchtbiotope: Die menschliche Haut kommt einem riesigen Kontinent mit verschiedenen Vegetationszonen und den unterschiedlichsten Landschaften gleich – und er bietet Raum für Milliarden von Lebewesen. Wissenschaftler der Universität Colorado haben deshalb den Lebensraum Homo Sapiens erforscht. Bereits im vergangenen Herbst veröffentlichten sie eine Art Bevölkerungsatlas der verschiedenen Oberflächenbakterien. Das Ergebnis: Nicht nur von Körperregion zu Körperregion unterscheiden sich die Mikroorganismen, jeder Mensch hat außerdem seinen ganz eigenen Bakterienmix.

Die Zusammensetzung ist so individuell, dass ein weiteres Forscherteam aus Colorado jetzt die erste Anwendungsmöglichkeit präsentiert: Der bakterielle Fingerabdruck könnte polizeilichen Ermittlern demnächst auf die Spur eines Täters bringen. Hinterlassene Hautbakterien von den Fingern und Handflächen könnten dort als Hinweis auf Kriminelle dienen, wo keine echten Fingerabdrücke oder genetisches Material gefunden wurden.

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In einer Vorstudie zählten die Forscher 4700 verschiedene Bakterienspezies auf den Händen von 51 Probanden, dabei kamen aber nur fünf Arten bei allen Teilnehmern vor. Auch regelmäßiges Händewaschen verringerte die Menge unterschiedlicher Bakterien nicht. "Wenn wir uns durch den Alltag bewegen, hinterlässt jeder von uns einen einzigartigen Schweif von Ungeziefer", sagt Noah Fierer, Hauptautor der neuen Studie, die im Wissenschaftsmagazin PNAS veröffentlicht worden ist.

Für ihre Forensik-Studie analysierten die Mikrobiologen die Handflächen von neun Personen sowie deren Computermäuse. Zu den Ergebnissen mischten sie die Handproben von 270 anderen Menschen. In allen neun Fällen zeigte sich die Bakterienzusammensetzung auf den Mäusen so ähnlich zu den entsprechenden Probandendaten, dass sie mit bis zu 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit richtig zugeordnet werden konnten. Ein weiterer Vorteil: Auch noch zwei Wochen nach der Berührung sind die Bakterien in gleicher Zusammensetzung nachzuweisen.

Für die Analyse isolierte das Team kleine Stücke des Erbguts der Bakterien aus den Proben von Händen und Mausoberfläche und untersuchten sie gleichzeitig. "Das ist etwas, was wir noch vor zwei Jahren nicht hätten machen können", sagt Fierer. "Im Moment sequenzieren wir 450 DNA-Proben parallel, nächstes Jahr können es schon tausend sein". Erst seit Kurzem ist es möglich, genetisches Material in großen Mengen zu bezahlbaren Preisen zu untersuchen, diese Entwicklung trägt für Fierer entscheidend dazu bei, wie erfolgreich seine Methode einmal sein könnte.

Leser-Kommentare
  1. Der Artikel spricht schon ganz richtig von einem reinem "Hinweis". Als Indiz oder zur Entlastung eines konkreten Verdächtigen ist der "bakterielle Fingerabdruck" sicher nützlich aber mir graust es jetzt schon vor ersten Verurteilungen auf Basis solcher kaum erforschten Tests.

    Und wie man bei nur 9 Probanden unter unbekannter Verteilung auf eine Test-Sicherheit von 90% kommt ist mir schleierhaft. Ich hoffe, dass für die Zulassung als Beweismittel vor Gericht, deutlich höhere Anforderungen an die entsprechenden Studien gestellt werden.

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