Das Magnetfeld der Erde kommt immer wieder einmal in die Schlagzeilen. Es hat Einfluss auf das Weltraumwetter – und macht den Menschen zu Unrecht Angst, wenn seine Pole alle paar hunderttausend Jahre umkippen. Dabei tritt seine eigentliche Funktion häufig in den Hintergrund: Das Magnetfeld der Erde bildet einen Schutzschild gegen kosmische Strahlung. Würde es schwächer werden, wären die Erde und seine Bewohner diesen gefährlichen Teilchen aus dem All ausgeliefert – denn ähnlich wie Röntgenstrahlung in hohen Dosen schädigt kosmische Strahlung Zellen. Das Erdmagnetfeld ist also die Bedingung dafür, dass auf einem Planeten Leben entstehen kann.

Jetzt hat ein Forscherteam um John Tarduno von der University of Rochester im US-Bundesstaat New York herausgefunden, dass das Erdmagnetfeld schon vor 3,6 Milliarden Jahren halb so stark war wie heute. Unter Astronomen ist das eine kleine Sensation, denn bisher glaubte man, dass die Vorraussetzungen für Leben auf der Erde zu jener Zeit viel schlechter waren.

Denn das junge Planetensystem war ein ungemütlicher Ort. Die Sonne drehte sich schneller als heute, war von Flecken übersät und schickte im Tagesrhythmus Abermillionen Tonnen energiereiche Teilchen durchs All, gegen die der heutige Sonnenwind ein vergleichsweise laues Lüftchen ist.

Um herauszufinden, wie viel der kosmischen Strahlung das Erdmagnetfeld damals schon abwehren konnte, konzentrierten die Forscher ihre Suche auf zwei Gebiete in Südafrika: den Barberton- und den 300 Kilometer weiter südlich liegenden Nondweni-Grünsteingürtel. Dort fand man 3,2 Milliarden Jahre alte Gesteinsproben, an denen sich nachweisen ließ, dass das Erdmagnetfeld damals etwa halb so stark war wie heute.

Allerdings ist man sich unter Astronomen uneinig, ob das Magnetfeld nicht schon früher entstand und somit gute Bedingungen für die Entstehung von Leben schuf. Deshalb suchten die Wissenschaftler weiter. Mit kleinen Feldspat- und Quartzkristallen und modernsten Messgeräten – wie sie auch in der Computerindustrie verwendet werden, um Chips auf Produktionsfehler zu untersuchen – analysierte sie das Gestein. Und siehe da: Auch in 3,45 Milliarden Jahre alten Proben fanden sich Hinweise auf das Magnetfeld unseres Planeten. Damals muss es  eine magnetische Feldstärke gehabt haben, die etwa 30 bis 50 Prozent niedriger ist als heute, berichten Tarduno und seine Kollegen im Fachmagazin Science.

"Mit dieser Kenntnis können wir den Abstand von der Erdoberfläche berechnen, bei dem sich die Energie des Erdmagnetfelds mit dem Druck des kräftigen solaren Winds unserer noch jungen Sonne gerade die Waage hält", erklärt Tarduno. "Unserem Ergebnis nach war dieser Punkt nur halb so weit entfernt wie heute. Das entspricht dem gleichen Abstand, wie wenn wir jetzt einem starken Sonnensturm ausgesetzt sind", sagt der Geophysiker.