Studienfinanzierung Was Studenten verdienen
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Das Bafög-System ist nach wie vor kompliziert

Drei Punkte des Gesetzentwurfes sind unumstritten: Masterstudenten sollen Bafög beantragen können, wenn sie beim Studienstart nicht älter als 35 Jahre sind. Bislang lag die Altersgrenze bei 30 Jahren – zu niedrig, wenn Bachelorabsolventen ernsthaft ermuntert werden, vor dem Master in die Praxis zu gehen. Bei einem ersten Fachrichtungswechsel wird es Bafög weiter als hälftige Mischung aus Zuschuss und Darlehen geben statt nur als Darlehen. Und Zeiten für die Kindererziehung sollen künftig großzügiger angerechnet werden.

Das Bafög für das Turbo-Studium fit zu machen, ist eine drängende Aufgabe: Bei straffen Bachelorstundenplänen bleibt Studenten kaum Zeit zum Jobben. Ohne wirksames Bafög würde damit allein die Finanzkraft der Eltern entscheiden, ob sich ein Abiturient ein Studium leisten kann. Adnan Alibasic hat Glück: Ihn unterstützen seine Eltern, obwohl auch sein Bruder studiert. Doch wackelt eine der drei Finanzquellen Job, Bafög, Eltern, gerät er ins Schleudern. Schon ein Praktikum will gut überlegt sein, wenn er in der Zeit kein Geld verdienen kann.

Ob der Aufschlag auf die Frei- und Förderbeträge unter diesen Bedingungen der sozialen Lage der Studierwilligen gerecht wird, bezweifeln Kritiker. Das Studentenwerk empfiehlt statt der anvisierten Erhöhung des Freibetrags um drei Prozent eine Steigerung von fünf Prozent, bei den Sätzen selbst vier Prozent plus. Die SPD-Bundestagsfraktion fordert, die Freibeträge um wenigstens zehn Prozent anzuheben. "Wir wollen mindestens 100 000 zusätzliche Bafög-Geförderte", sagt SPD-Bildungspolitiker Ernst Dieter Rossmann. Die Bildungsgewerkschaft GEW hält bei beiden Beträgen einen Zuwachs von zehn Prozent für sinnvoll. "Etwa die Hälfte dieser Forderung sorgt für den Ausgleich der Einkommens- und Preisentwicklung 2007 bis 2010", argumentiert die GEW. Die andere Hälfte soll die Situation spürbar verbessern. Als Schavan ihre Erhöhung ankündigte, erinnerte GEW-Vorstandsmitglied Andreas Keller daran, dass Bund und Länder 2008 gemeinsam 2,3 Milliarden Euro ins Bafög gesteckt hätten – "in einer Zeit, in der uns die Banken und Automilliarden gerade so um die Ohren fliegen, ein überschaubarer Betrag."

Während GEW, SPD und Studentenwerk auf eine Aufwertung des Bafögs drängen, das 2011 40 Jahre alt wird, mahnt das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) eine weitergehende Reform an. Die wettbewerblich orientierte Denkfabrik empfiehlt ein "neues Bafög", das unter einem Dach auch Studienkredite, Beitragsdarlehen der Länder und Stipendien vereint.

Im Mannheimer Bafög-Amt erlebt Hilfskraft Alibasic, wie sich Antragsteller im Dickicht der Paragrafen verirren. Vermutlich kennt sich kaum ein Student so gut mit Bafög aus wie er. Doch auch Alibasic erfuhr durch Zufall, dass sich seine Eltern die Hilfe für Oma und Opa in Bosnien anrechnen lassen können – und sein Bafög-Anspruch steigt.

Trotz dieser Tücken verteidigt das Studentenwerk das Bafög-System. "Es sind keine strukturelle Änderungen nötig", sagt Meyer auf der Heyde. Im Gegenteil: Bafög sei ein Instrument des Sozialstaates. Eine Hilfe, auf die es einen Rechtsanspruch gebe. Das mache sie komplizierter, aber verlässlicher als freiwillige und frei verteilbare Stipendien. Das Bafög sei eine wichtige Errungenschaft. Das bestätigten die Bafög-Empfänger: Vier von fünf sagen, ohne diese Hilfe könnten sie nicht studieren.

 
Leser-Kommentare
    • Lapje
    • 10.03.2010 um 11:05 Uhr

    150 Euro Kindergeld 400 Euro Nebenjob 450 Bafög sind bei mir 1000 Euro und nicht rund 900.

    Und nochwas: Sicherlich müssen Studenten davon auch Material kaufen, und ich will auch nicht bestreiten dass sich die Studienbedingungen verschlchtert haben - aber man darf auch nicht aus den Augen verlieren dass Manche Menschen VOllzeit arbeiten und nicht soviel Geld haben...

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    ...ob mit oder ohne Nebenjob auch als Vollzeitbeschäftigung.

    ...ob mit oder ohne Nebenjob auch als Vollzeitbeschäftigung.

    • 2eco
    • 10.03.2010 um 11:15 Uhr

    Ich finde den Anfang des Artikels ziemlich ironisch. Mit 900 oder 1000 Euro im Monat muss man keine Finanzplanung bis zum letzten Cent machen. Vor allem nicht bei 300 € Miete.

    Ich bezahle auch ca. 300 Euro für Miete und habe keine 900 Euro zur Verfügung. Aufgerundet sind es vielleicht 800.

    Ich kann mich aber nicht über Geldsorgen beklagen. Im Gegenteil ich komme mit dem Geld gut aus und kann mir auch ab und zu etwas gönnen.

    Vielleicht gibt es aber auch Leute, die im Monat 150 Euro in der Kneipe oder im Imbiss lassen...(?)

    Eine Leser-Empfehlung
    • nesaja
    • 10.03.2010 um 11:21 Uhr

    Also ich komme als Student mit 550-650€ im Monat aus. Alles eine Frage der Ansprüche.

    Eine Leser-Empfehlung
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    • Pyr
    • 10.03.2010 um 12:44 Uhr

    Eigentlich kann man mit dem Bafög-Höchstsatz von ungefähr 650 Euro sehr gut leben. Ich zahle für die Miete zwar nur um die 260 Euro, aber habe da sogar noch genügend Geld um mich ausschließlich von Bio-Produkten zu ernähren.

    Das Problem sehe ich eher darin, dass man als Student viel zu wenig vernünftiges Essen bekommt. Die meisten Mensen in Deutschland sind... naja, einfach schlecht, auch wenn es positive Ausnahmen wie Dortmund gibt. Und Fastfood ist teuer, aber die Zeit zum Kochen fehlt definitiv.

    Das Problem dürften wohl eher Konsum von Luxusgütern sein. Zigaretten, Alkohol, Fleisch (ja das ist ein Luxusgut!) braucht's eben einfach nicht, ohne die kann *jeder* Leben.

    Sicherlich sind die Mieten in manchen Städten wie z.B. München teurer, aber wenn man nur im Aldi einkaufen geht, sollte das wirklich kein Problem sein, mit 650 Euro über die Runden zu kommen. Ich habe am Ende jedes Monats noch was übrig.

    Mich würde interessieren, woher dieser astronomisch hohe Wert von 770 Euro im Monat kommt. In Aachen kommt man locker mit 600 über die Runden.

    • Pyr
    • 10.03.2010 um 12:44 Uhr

    Eigentlich kann man mit dem Bafög-Höchstsatz von ungefähr 650 Euro sehr gut leben. Ich zahle für die Miete zwar nur um die 260 Euro, aber habe da sogar noch genügend Geld um mich ausschließlich von Bio-Produkten zu ernähren.

    Das Problem sehe ich eher darin, dass man als Student viel zu wenig vernünftiges Essen bekommt. Die meisten Mensen in Deutschland sind... naja, einfach schlecht, auch wenn es positive Ausnahmen wie Dortmund gibt. Und Fastfood ist teuer, aber die Zeit zum Kochen fehlt definitiv.

    Das Problem dürften wohl eher Konsum von Luxusgütern sein. Zigaretten, Alkohol, Fleisch (ja das ist ein Luxusgut!) braucht's eben einfach nicht, ohne die kann *jeder* Leben.

    Sicherlich sind die Mieten in manchen Städten wie z.B. München teurer, aber wenn man nur im Aldi einkaufen geht, sollte das wirklich kein Problem sein, mit 650 Euro über die Runden zu kommen. Ich habe am Ende jedes Monats noch was übrig.

    Mich würde interessieren, woher dieser astronomisch hohe Wert von 770 Euro im Monat kommt. In Aachen kommt man locker mit 600 über die Runden.

    • Chali
    • 10.03.2010 um 11:26 Uhr

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Polemik. Danke, die Redaktion/se

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    • Lapje
    • 10.03.2010 um 11:36 Uhr

    ...dann sollten demnächst nur die studieren, bei denen sich die Eltern es leisten können (ich will nicht wissen wieviele dann von Beruf Sohn sind). Und die, die wirklich pfiffig sind, die wir wirklich gebrauchen könnten bleiben auf der Strecke weil sie es sich nicht leisten können. So züchtet man auch eine neue Elite herrann...und wo die uns hingebracht haben, haben wir ja schon oft gesehen...

    • Soahc
    • 10.03.2010 um 20:11 Uhr

    "Als Handwerker oder so werden die sich sicher viel besser fühlen."

    Tut mir Leid, aber bei so ner Meldung könnt ich [...] oder so...Gepriesen sei das Geld!

    [Gekürzt, bitte achten Sie auf Ihre Wortwahl. Danke. /Die Redaktion pt.]

    ... dass Sie das nur ironisch meinen. Alles andere wäre menschenverachtend.

    Ich habe studiert, obwohl meine Eltern keine Akademiker sind. Ich habe während des Studiums weit unter Harz IV Niveau gelebt, aber irgendwie hat es immer gereicht. Meine Eltern haben mir nur selten mal einen kleinen Obolus überwiesen, aber das Groß meiner Kosten musste ich mir aus drei Nebenjobs zusammenklamüsern, das meiste ging für Studiengebühren, Krankenversicherung, teure Exkursionen und nicht für Kneipengänge drauf.

    Ich habe dieses finanzielle Durststrecke im Nachhinein nie bereut und leiste nun meinen Beitrag. Wenn nur diejenigen studieren dürften, deren Eltern sich das leisten können, brauchen wir uns über einen Fachkräftemangel am Ende nicht zu wundern. Denn nicht jeder, der aus reichem Haus kommt und von Vater von und zu sein Studium in den Allerwertesten geblasen bekommen hat, besitzt auch den intellektuellen Background dazu (siehe Guttenberg und Koch-Mehrin). Alles reiche Leute, aber geistige Luftnummern ohne den blassesten Schimmer, wie man akademisch arbeitet.

    So schafft sich Deutschland ab, das Land der Dichter und Denker, der Ingenieure und Tüftler: Hoffnungsvolle Talente dürfen nicht an die Uni, weil die Eltern das Portfolio nicht haben.

    • Lapje
    • 10.03.2010 um 11:36 Uhr

    ...dann sollten demnächst nur die studieren, bei denen sich die Eltern es leisten können (ich will nicht wissen wieviele dann von Beruf Sohn sind). Und die, die wirklich pfiffig sind, die wir wirklich gebrauchen könnten bleiben auf der Strecke weil sie es sich nicht leisten können. So züchtet man auch eine neue Elite herrann...und wo die uns hingebracht haben, haben wir ja schon oft gesehen...

    • Soahc
    • 10.03.2010 um 20:11 Uhr

    "Als Handwerker oder so werden die sich sicher viel besser fühlen."

    Tut mir Leid, aber bei so ner Meldung könnt ich [...] oder so...Gepriesen sei das Geld!

    [Gekürzt, bitte achten Sie auf Ihre Wortwahl. Danke. /Die Redaktion pt.]

    ... dass Sie das nur ironisch meinen. Alles andere wäre menschenverachtend.

    Ich habe studiert, obwohl meine Eltern keine Akademiker sind. Ich habe während des Studiums weit unter Harz IV Niveau gelebt, aber irgendwie hat es immer gereicht. Meine Eltern haben mir nur selten mal einen kleinen Obolus überwiesen, aber das Groß meiner Kosten musste ich mir aus drei Nebenjobs zusammenklamüsern, das meiste ging für Studiengebühren, Krankenversicherung, teure Exkursionen und nicht für Kneipengänge drauf.

    Ich habe dieses finanzielle Durststrecke im Nachhinein nie bereut und leiste nun meinen Beitrag. Wenn nur diejenigen studieren dürften, deren Eltern sich das leisten können, brauchen wir uns über einen Fachkräftemangel am Ende nicht zu wundern. Denn nicht jeder, der aus reichem Haus kommt und von Vater von und zu sein Studium in den Allerwertesten geblasen bekommen hat, besitzt auch den intellektuellen Background dazu (siehe Guttenberg und Koch-Mehrin). Alles reiche Leute, aber geistige Luftnummern ohne den blassesten Schimmer, wie man akademisch arbeitet.

    So schafft sich Deutschland ab, das Land der Dichter und Denker, der Ingenieure und Tüftler: Hoffnungsvolle Talente dürfen nicht an die Uni, weil die Eltern das Portfolio nicht haben.

  1. In den meisten Fällen wird der bafög betrag wohl reichen, doch in meinem fall ist dieser schon knapp bemessen. Nicht jeder wird eine günstige wohnung ergattern.

    in meinem fall ist es etwas spezieller, da ich vollzeit in helsinki studiere, dort reicht der zuschlag nicht ganz aus ohne das ich auf besonderen luxus zurückgreife.

    gut, jetzt sagen einige. warum muss man auch im ausland studieren?!

    ich meine, man sollte die freiheit haben zu studieren wo man möchte.

    • Lapje
    • 10.03.2010 um 11:36 Uhr

    ...dann sollten demnächst nur die studieren, bei denen sich die Eltern es leisten können (ich will nicht wissen wieviele dann von Beruf Sohn sind). Und die, die wirklich pfiffig sind, die wir wirklich gebrauchen könnten bleiben auf der Strecke weil sie es sich nicht leisten können. So züchtet man auch eine neue Elite herrann...und wo die uns hingebracht haben, haben wir ja schon oft gesehen...

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    • Chali
    • 11.03.2010 um 6:06 Uhr

    ... die herangezüchtete Elite ist eben nicht "neu".

    Im Neo-Feudalismus pflanzt sich lediglich die alte Elite fort.

    • Chali
    • 11.03.2010 um 6:06 Uhr

    ... die herangezüchtete Elite ist eben nicht "neu".

    Im Neo-Feudalismus pflanzt sich lediglich die alte Elite fort.

  2. Leider geht der korrekte Kerninhalt des Artikels ob des Beispielstudenten unter. Viele Studenten müssen mit wenig Geld auskommen. Aber aus eigener Erfahrung und auch in meinem Freundekreis ist fast 1000 Euro nicht wenig, erst recht nicht repräsentativ und verdreht die Fakten. Dies wird die Sympatie für die Studenten, die wirklich knapp bei Kasse sind wohl mindern.

    Auch ich komme mit 550 Euro im Monat aus. Man kann zwar nicht großartig sparen und es reicht auch nicht für einen teuren Urlaub(aber da gibts als Student mit Abenteurlust ja Alternativen).
    Wenn man natürlich ein Auto haben muss, oder ständig Essen geht, kann man die "Not" des, meiner Meinung nach, unrepräsentativen Beispielstudenten natürlich verstehen...

  3. dass er mit den 900/1000 Euro nicht zurecht kommt, sondern eher, dass er, sobald sein Nebenjob wegfällt, in finanzielle Schwierigkeiten kommt.
    Sein Job im Bafög Amt ist für das Thema des Artikels ein gutes Beispiel: Er beschäftigt sich zum einen eher mit Geld statt mit Goethe (da er in der Zeit nicht studiert sondern jobbt) und zum anderen bekommt er finanzielle Probleme, sobald er nicht mehr jobbt (z.B. während des Praktikums). Was auch wieder dazu führt dass er sich über Geld Gedanken macht.

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