Amphibien-Erbgut Sind wir nicht alle ein bisschen Frosch?

Genetiker haben das Erbgut des tropischen Krallenfroschs analysiert. Die Ähnlichkeit zum menschlichen Genom ist frappierend – eine Chance für die Wissenschaft.

Mensch, Frosch, Huhn: Die Wirbeltiere haben mehr gemeinsam, als es scheint

Mensch, Frosch, Huhn: Die Wirbeltiere haben mehr gemeinsam, als es scheint

Das Genom des tropischen Krallenfrosches ist dem menschlichen Erbgut erstaunlich ähnlich. Das zeigt eine umfassende Analyse des Frosch-Genoms, die Wissenschaftler jetzt im Magazin Science vorgestellt haben.

Xenopus tropicalis – der tropische Krallenfrosch – ist an der afrikanischen Westküste von Senegal bis Kamerun beheimatet. Bereits in den vierziger Jahren machte einer seiner Verwandten, der Apothekerfrosch X. laevis, Karriere als lebendiger Schwangerschaftstest. Doch jetzt könnte Xenopus tropicalis ihm den Rang als Laborstar ablaufen: Nie zuvor wurde ein Amphibien-Genom so gründlich entziffert.

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Der Froschtest

Bevor chemische Teststreifen als Schwangerschaftstest entwickelt wurden, nutzte an in den USA – genau wie in deutschen Apotheken – den Krallenfrosch Xenopus laevis als Versuchstier. Denn der Homonhaushalt der Tiere reagiert erstaunlich empfindlich auf das menschliche Schwangerschaftshormon Choriongonadotrophin.

Für den Text spitze man einem Krallenfrosch-Weibchen eine Urin-Probe der Frau unter die Haut. War diese schwanger, reagierte die Amphibie in aller Regel innerhalb von zwei Tagen, indem es laichte. Die Versuchstiere überlebten die Stapazen und waren nach wenigen Tagen bereit für den nächsten Test. Das brachte Xenopus laevis auch den Namen "Apothekerfrosch" ein.

Später wurde die Art gerne als Modell-Organismus in Laboren genutzt, da er leicht zu züchten ist, große Eier legt und die Embryonen robust und leicht zu bearbeiten sind. (dal)

Grob sequenziert hatte man es bereits im Jahr 2005. Doch erst jetzt haben Wissenschaftler aus weltweit 24 Instituten um Uffe Hellsten von der Universität Berkeley in Kalifornien die ganze Analyse abgeschlossen. Mit erstaunlichem Ergebnis: Etwa 80 Prozent der bis heute bekannten Gene, die beim Menschen Krankheiten verursachen können, fanden die Forscher auch in der Frosch-DNA. Mit gut 20.000 Genen, die den Bauplan für Eiweiße codieren, ist das Amphibien-Erbgut nur unwesentlich kleiner als das des Menschen. Das macht Xenopus tropicalis als Modell-Organismus besonders attraktiv – denn an ihm könnten Erbkrankheiten erforscht und Therapien erprobt werden.

Leser-Kommentare
  1. Diesmal ein sehr interessanter Artikerl. Vielen Dank an die Redaktion.

  2. müssen doch auch Ursachen haben. Erforscht man auch die Ursachen? - Ich kann mir nicht vorstellen, daß das immerwährende Leben auf der Erde, verkörpert in den verschiedensten Formen, Schäden in das Erbgut setzt, sondern mit diesem Kick sanfte Anpassungen an die Lebensbedingungen vornimmt. - Was geschieht wirklich, wenn der Mensch beim Menschen diesen Kick rückgängig macht, den Menschen "heilt", ohne zu wissen, wohin das Leben gehen will? Ohne zu wissen, welche Ursachen den Kick bedingen, und also nicht die Ursachen ausräumt, sofern sie vom Menschen in die Welt gesetzt wurden. - Berichten Sie bitte weiter; und Dank für diesen Artikel. -

  3. Da werden jetzt wohl einige herhalten müssen...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    die Frösche werden im Labor recht alt, ca. 10 Jahre. Für die Experimente werden die Froscheier verwendet, aus denen man Extrakt herstellt. Der Extrakt verhält sich in vielen Prozessen - DNA Replikation etc - wie das intakte Ei. Für die Eiablage werden die Frösche mit Hormon injeziert. Danach haben sie eine Ruhephase von 3 - 6 Monaten. Sie werden in Aquarien gehalten. Nur so zur Info.

    die Frösche werden im Labor recht alt, ca. 10 Jahre. Für die Experimente werden die Froscheier verwendet, aus denen man Extrakt herstellt. Der Extrakt verhält sich in vielen Prozessen - DNA Replikation etc - wie das intakte Ei. Für die Eiablage werden die Frösche mit Hormon injeziert. Danach haben sie eine Ruhephase von 3 - 6 Monaten. Sie werden in Aquarien gehalten. Nur so zur Info.

  4. die Frösche werden im Labor recht alt, ca. 10 Jahre. Für die Experimente werden die Froscheier verwendet, aus denen man Extrakt herstellt. Der Extrakt verhält sich in vielen Prozessen - DNA Replikation etc - wie das intakte Ei. Für die Eiablage werden die Frösche mit Hormon injeziert. Danach haben sie eine Ruhephase von 3 - 6 Monaten. Sie werden in Aquarien gehalten. Nur so zur Info.

    Antwort auf "Der armen Frosch..."
    • Gafra
    • 02.05.2010 um 18:47 Uhr

    50 % unserer Gene mit der Banane?!
    Hab ich mal gelesen.
    Das eröffnet doch ganz neue Möglichkeiten, vor allem solche ohne Tierverbrauch, aber wahrscheinlich ähnlich sinnvoll wie mit.

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