Bologna-Reform Ingenieure kämpfen für das Diplom

Neun große technische Universitäten wollen im Zuge der Studienreform das Diplom erhalten – als "Markenzeichen deutscher Ingenieurbildung".

Ingenieure bei der Arbeit: Das Diplom soll bleiben

Ingenieure bei der Arbeit: Das Diplom soll bleiben

Die großen technischen Universitäten wollen auch im zweistufigen Studiensystem von Bachelor und Master am Diplomabschluss für Ingenieure festhalten. Der "Dipl.-Ing." solle in Deutschland als Abschlussgrad auch für ein Masterstudium vergeben werden können, fordert der Verband "TU9", in dem neun große deutsche technische Universitäten zusammengeschlossen sind. Der Verband verweist auf eine entsprechende Regel in Österreich. Dort dürfen Unis den Mastergrad auch "Diplom-Ingenieur" nennen, wenn sie es wünschen

Die Präsidenten und Rektoren forderten in einer Mitteilung dieses Recht auch für Deutschland. So könne der Diplom-Grad "als Markenzeichen deutscher Ingenieurbildung erhalten bleiben". Es sei "völlig unverständlich", dass in vielen deutschen Landesgesetzen den Unis das Recht abgesprochen worden sei, den "Dipl.-Ing." als einen Abschlussgrad für ein Masterstudium zu vergeben. Die "TU9" wiesen gleichzeitig darauf hin, dass sie inzwischen nahezu alle Studiengänge auf Bachelor und Master umgestellt hätten.

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Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) bekräftigte, für ihn komme die Einführung von Bachelor und Master in der Medizin nicht infrage. Eine entsprechende Äußerung in der letzten Woche bei einem Treffen mit Ärzteverbänden bestätigte sein Ministerium. Es sei in der Approbationsordnung festgelegt, dass die Ausbildung zum Arzt sechs Jahre dauere. Der Bachelor könne daher in der Medizin nicht zum Regelabschluss werden, sagte eine Sprecherin. Für einen Bachelor-Medizin-Absolventen gebe es gar kein Berufsfeld. Auch der Medizinische Fakultätentag bekräftigte seine Ablehnung gegen den Bachelor. Ein früher erster Abschluss sei schon deswegen nicht notwendig, weil die Abbrecherquote im Medizinstudium mit fünf Prozent niedrig sei.

Befürworter eines gestuften Studiums in der Medizin argumentieren, mit einem Bachelorabschluss könnten Absolventen in viele andere Berufe der Gesundheitsbranche wechseln, selbst wenn sie nicht als Arzt praktizieren dürfen.

Zuerst erschienen im gedruckten Tagesspiegel

 
Leser-Kommentare
    • ADoria
    • 20.04.2010 um 16:17 Uhr
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    Wenn man mit dem Thema "nichts am Hut", dann kann man solch flappsige Bemerkungen machen.
    Das gleiche Problem hat der deutsche Marktvorteil "Made in Germany", den Ignoranten und EU-Ideologen abschaffen wollen und durch "Made in EU" ersetzen wollen. Doch wissen wir aus Frankreich, daß die Käufer sehr genau die Typenschilder der Produkte nach deutschem Ursprung beachten und danach kaufen. Qualität - insbesondere technische Qualität - kommt immer noch aus deutschen Fabriken.
    Dieser Hinweis hat in keiner Weise etwas mit "Deutschtümelei" oder "Großmannsucht" zu tun, sondern mit Arbeitsplätzen für Deutschland !

    Wenn man mit dem Thema "nichts am Hut", dann kann man solch flappsige Bemerkungen machen.
    Das gleiche Problem hat der deutsche Marktvorteil "Made in Germany", den Ignoranten und EU-Ideologen abschaffen wollen und durch "Made in EU" ersetzen wollen. Doch wissen wir aus Frankreich, daß die Käufer sehr genau die Typenschilder der Produkte nach deutschem Ursprung beachten und danach kaufen. Qualität - insbesondere technische Qualität - kommt immer noch aus deutschen Fabriken.
    Dieser Hinweis hat in keiner Weise etwas mit "Deutschtümelei" oder "Großmannsucht" zu tun, sondern mit Arbeitsplätzen für Deutschland !

  1. Wenn schon, dann sollten doch wohl alle Studiengänge den Dipl.-Ing. als Markenzeichen behalten. Netter Marketing-Gag der TU9...

    • WIng
    • 20.04.2010 um 17:13 Uhr

    "TU9 - das sind die führenden Technischen Universiäten in Deutschland: RWTH Aachen, TU Berlin, TU Braunschweig, TU Darmstadt, TU Dresden, Leibniz Universität Hannover, Karlsruhe Institute of Technology, TU München, Universität Stuttgart."

    Ein Anfang ist doch wohl gemacht, wenn sich die TU9 für den Erhalt des 'Dipl.-Ing.' aussprechen. Es jetzt umzusetzen wäre wünschenswert.

    Im übrigen macht es keinen Sinn, einem Lehramts- oder BWL-Studenten den Titel 'Dipl.-INGENIEUR' zu verleihen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Behalten" ist etwas anderes als "bekommen". Es gibt nicht nur die TU9, sondern auch noch eine Reihe weiterer sehr guter Hochschulen, die bis Bologna Diplomingenieure ausgebildet haben.

    "Behalten" ist etwas anderes als "bekommen". Es gibt nicht nur die TU9, sondern auch noch eine Reihe weiterer sehr guter Hochschulen, die bis Bologna Diplomingenieure ausgebildet haben.

    • WIng
    • 20.04.2010 um 17:17 Uhr

    "TU9 - das sind die führenden Technischen Universiäten in Deutschland: RWTH Aachen, TU Berlin, TU Braunschweig, TU Darmstadt, TU Dresden, Leibniz Universität Hannover, Karlsruhe Institute of Technology, TU München, Universität Stuttgart."

    Das ist doch ein wünschenswerter Anfang. Der deutsche Ingenieurstitel ist weltweit angesehen und anerkannt und gilt als Markenzeichen.

    Im übrigen macht es keinen Sinn, einem Lehramts- oder BWL-Studenten den Titel 'Dipl.-INGENIEUR' zu verleihen.

  2. endlich einmal eine Haltung, die an die Erfolge der deutschen Ingenieursausbildung ansetzt und auch die Erwartungen der Abnehmer in der Wirtschaft einbezieht.

    Bei "Bologna" haben wahrscheinlich Juristen einen europäischen deal eingefädelt, dem der Dipl.Ing zum Opfer fiel.

    Warum haben die Universitäten solange geschwiegen?

    Warum hat man eigentlich nicht alle Staatsoberhäupter Europas im Rahmen der Internationalisierung zu "King" und "Queen" gemacht. Mit lebenslanger Dienstzeit, damit das europäisch vergleichbarer wurde???

  3. Wenn man mit dem Thema "nichts am Hut", dann kann man solch flappsige Bemerkungen machen.
    Das gleiche Problem hat der deutsche Marktvorteil "Made in Germany", den Ignoranten und EU-Ideologen abschaffen wollen und durch "Made in EU" ersetzen wollen. Doch wissen wir aus Frankreich, daß die Käufer sehr genau die Typenschilder der Produkte nach deutschem Ursprung beachten und danach kaufen. Qualität - insbesondere technische Qualität - kommt immer noch aus deutschen Fabriken.
    Dieser Hinweis hat in keiner Weise etwas mit "Deutschtümelei" oder "Großmannsucht" zu tun, sondern mit Arbeitsplätzen für Deutschland !

  4. Ich habe es immer für einen Fehler gehalten, das Ingenieurs-Diplom abzuschaffen. Das gilt übrigens auch für den Dipl. Kfm. und den Dipl. Betriebswirt (FH).

    Wobei ich beim Betriebswirt (FH) aber zurück zu den Wurzeln will (Kaufmannsgehilfenbrief plus 3 Jahre Praxis).

    Die Bologna-Erklärung führte in der deutschen Praxis zu einer Verwässerung von Diplomen und zu einer Abwertung der FH-Abschlüsse. Deshalb weg mit Bologna.

    Der Begriff Bologna-Prozess bezeichnet bekanntlich ein politisches Vorhaben zur Schaffung eines einheitlichen europäischen Hochschulwesens bis zum Jahr 2010. Der Pferdefuss: Er beruht auf einer im Jahre 1999 von 29 europäischen Bildungsministern im italienischen Bologna unterzeichneten, völkerrechtlich nicht bindenden Bologna-Erklärung. Ich wiederhole "nicht bindend".

  5. Als Student im letzten Diplomerjahrgang der Fachrichtung Maschinenbau an der RWTH Aachen bin ich der Meinung, dass es nicht in Ordung ist den Masterabschluss mit dem Diplom gleichzusetzen. Für beide Abschlüsse gelten unterschiedliche Prüfungsordnungen und die Studierenden haben nicht den selben Kenntnisstand.

    So entfallen im Bachelor/Master beispielsweise sämtliche Vorleistungen, die noch im Diplomstudiengang bei nahezu jeder Prüfung verlangt wurden. Weiterhin stimmt die Fächerzusammensetzung und die Länge der Prüfungen nicht mehr mit denen im Diplom überein. Diese wurden verkürzt, was bedeutet, dass nicht mehr die selbe Anzahl an Themen geprüft werden kann.
    Als Insider auch aus der Lehre finde ich es daher nicht angemessen einem Master Abschluss ein Dipl.-Ing. gleichzusetzten.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Diese Aussage ist unpassend und falsch, besonders, wenn sie von einem "Insider" kommt. Inhaltlich ist der Master nicht schlechter ausgebildet als der Dipl.-Ing., die Schwerpunkte liegen etwas anders. Viele Vorleistungen waren letztlich "Sitzscheine", die nach dem Motto vergeben wurden "komme bis Du mich nervst und dan gebe ich Dir den Schein, damit ich meine Ruhe habe". Scheine als Prüfungsvorleistung wirken in vielen Fällen auch studienzeitverlängernd und verhindern nur, dass die Studenten durch die Prüfung fallen und damit frühzeitig ihr Studium beenden. Auch früher gab es schon Wechsel der Prüfungsordnungen, bei denen erforderliche Leistungen geändert wurden.
    Die Leier "Früher war bei uns alles besser und sowieso viel härter" ist hier unangemessen. (Ich habe 20 Jahre vor Ihnen in Aachen mein Diplom gemacht und behaupte ja auch nicht, die Prüfungsordnungen nach mir seien sowieso zu einfach). Der deutsche Masterabschluss ist nach wie vor ein hochwertiger Abschluss.

    haben die Diplom-Inhaber nach deutschem Standard im Wettbewerb ùm Stellen in der Erwerbswirtschaft.

    Ich stelle ungern Bewerber mit Bachelorstandard ein. So wie ich, agieren auch andere Entscheider!

    Diese Aussage ist unpassend und falsch, besonders, wenn sie von einem "Insider" kommt. Inhaltlich ist der Master nicht schlechter ausgebildet als der Dipl.-Ing., die Schwerpunkte liegen etwas anders. Viele Vorleistungen waren letztlich "Sitzscheine", die nach dem Motto vergeben wurden "komme bis Du mich nervst und dan gebe ich Dir den Schein, damit ich meine Ruhe habe". Scheine als Prüfungsvorleistung wirken in vielen Fällen auch studienzeitverlängernd und verhindern nur, dass die Studenten durch die Prüfung fallen und damit frühzeitig ihr Studium beenden. Auch früher gab es schon Wechsel der Prüfungsordnungen, bei denen erforderliche Leistungen geändert wurden.
    Die Leier "Früher war bei uns alles besser und sowieso viel härter" ist hier unangemessen. (Ich habe 20 Jahre vor Ihnen in Aachen mein Diplom gemacht und behaupte ja auch nicht, die Prüfungsordnungen nach mir seien sowieso zu einfach). Der deutsche Masterabschluss ist nach wie vor ein hochwertiger Abschluss.

    haben die Diplom-Inhaber nach deutschem Standard im Wettbewerb ùm Stellen in der Erwerbswirtschaft.

    Ich stelle ungern Bewerber mit Bachelorstandard ein. So wie ich, agieren auch andere Entscheider!

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