Zeit: Frau Schuler, Sie und Ihr Mann haben mit Hilfe einer Leihmutter zwei Kinder in den USA bekommen. Wie kam es dazu?

Brigitte Schuler: Mein Mann hatte davon gehört und im Internet recherchiert. Davor hatten wir über viele Jahre vergeblich versucht, selbst Kinder zu bekommen. Insgesamt hatte ich sieben Fehlgeburten.

Zeit: Und Sie fanden die Idee gleich gut?

Schuler: Natürlich nicht. Es war anfangs unvorstellbar für mich, dass eine fremde Frau meine Kinder austrägt oder dass ich meine eigenen Kinder nicht werde stillen können. Ungefähr vier Jahre dauerte es, bis ich sagte: O.K., lass uns nach Kalifornien fahren und uns das einmal anschauen.

Zeit: Warum Kalifornien?

Schuler: Die Rechtslage ist in jedem US-Staat anders. Die kalifornischen Gesetze machen es den Kinderwunschpaaren am einfachsten. Dort wird man sofort als Mutter und Vater in die Geburtsurkunde eingetragen. Wir haben dort zwei Organisationen angeschrieben und die besucht.

Zeit: Was machen diese Organisationen?

Schuler: Das sind Agenturen, die vom ersten Kennenlerngespräch mit der Leihmutter bis zur Übergabe der Kinder alles organisieren. Sie besorgen die Klinik, stellen die Anwälte und helfen mit Psychologen. Zudem hat uns die Agentur mit Paaren zusammengebracht, die selbst Kinder mithilfe einer Leihmutter bekommen haben. Das war, wie soll ich sagen, kalifornisch entspannt, äußerst professionell …

Zeit: … und teuer?

Schuler: Und teuer. Pro Kind hat uns das Verfahren 80.000 Dollar gekostet, wovon die Leihmutter circa ein Drittel bekommen hat. Eigentlich dauert es dann einige Monate, bis eine passende Leihmutter gefunden ist. Aber gerade war ein anderes Paar abgesprungen, so dass wir gleich mit der Prozedur beginnen konnten. Unsere Leihmutter hieß Joanne, sie hatte drei Kinder und war eine Arzthelferin in einer gynäkologischen Praxis. Die kannte das Leid unfruchtbarer Paare.

Zeit: Wurden Ihre eigenen Eizellen verwendet?

Schuler: Leider nein. Dafür war ich schon zu alt, nämlich 45 Jahre. Wir benötigten also eine Eizellspenderin. Auch mit dieser Frau haben wir uns getroffen.

Zeit: Wollten sie das unbedingt?

Schuler: Ja. Für uns war klar, dass beide Frauen einverstanden sein müssen, dass unsere Kinder sie kennenlernen können, wenn sie es später möchten.