Gehirnjogging per Videospiel ist weitgehend nutzlos

Nicole Kidman zieht die Stirn kraus. Sie spielt "Dr. Kawashimas Gehirnjogging" auf der Nintendo-DS-Spielekonsole, und soeben hat ihr Dr. Kawashima auf dem Bildschirm verkündet: "Ihr geistiges Alter entspricht 52 Jahren!" Kidman ist frustriert. "Trainieren Sie Ihren Kopf!" ruft eine Stimme aus dem Off der Schauspielerin zu.

Ob extrem beliebte und erfolgreiche Spiele wie "Dr. Kawashimas Gehirnjogging" wirklich halten, was sie versprechen, daran haben Fachleute allerdings nicht erst seit heute ihre Zweifel. Die werden nun eindrucksvoll bestätigt. Auch wenn es dem Spieler gelingen sollte, sein "Gehirnalter" zu senken – im Alltag wirkt sich das nicht aus, ergab eine große britische Untersuchung. Gehirnjogging per Videospiel ist weitgehend nutzlos.

An der Studie, die gestern im Fachblatt Nature (online vorab) veröffentlicht wurde, nahmen 11.430 Personen zwischen 18 und 60 teil. Sie wurden mit Hilfe der Internetseite "Lab UK" der BBC und des BBC-Wissenschaftsmagazins "Bang Goes The Theory" rekrutiert. Alle Teilnehmer absolvierten vor und nach der sechswöchigen Gehirnjogging-Phase einen Test.

Geprüft wurden logisches Denken, verbales Kurzzeitgedächtnis, räumliches Arbeitsgedächtnis und assoziatives Lernen. Damit ist ein guter Überblick über die geistige Leistungsfähigkeit möglich. Auch auf Gehirnkrankheiten wie Alzheimer und Schizophrenie geben die bewährten Tests Hinweise.

Die Versuchspersonen wurden in drei Gruppen eingeteilt. In der ersten trainierten die Probanden logisches Denken, Planen und Problemlösungsverhalten mit Hilfe populärer Gehirnjogging-Programme. In der zweiten erprobten die Teilnehmer im Videospiel Kurzzeitgedächtnis, Aufmerksamkeit, das Verarbeiten räumlicher Eindrücke und mathematische Fertigkeiten. Die dritte Gruppe diente zum Vergleich, ihre Mitglieder bekamen lediglich einfache Suchaufgaben für das Surfen im Internet. Das Gehirnjogging sollte mindestens drei Mal pro Woche für mindestens zehn Minuten betrieben werden.

Nach sechs Wochen stellte sich heraus, dass die Teilnehmer zwar besser in dem geworden waren, was sie mehr oder weniger täglich trainiert hatten. Aber die allgemeine geistige Leistungsfähigkeit hatte sich nicht gesteigert, ganz egal, ob die Teilnehmer nur im Internet unterwegs gewesen waren oder ihr Gehirnjogging betrieben hatten.