Studienfinanzierung Schwieriger Start für nationales Stipendienprogramm

Das Kabinett hat das nationale Stipendienprogramm beschlossen. Rund 160.000 Studenten sollen von der Förderung profitieren – vorerst werden es jedoch viel weniger sein. Es fehlt das Geld.

Acht Prozent, also rund 160.000 der deutschen Studierenden sollen vom neuen nationalen Stipendiensystem profitieren. So hat es Bundesbildungsministerin Annette Schavan versprochen. Das Bundeskabinett hat das Gesetz am Mittwoch beschlossen. Doch zunächst werden viel weniger Studierende ein Stipendium bekommen als angekündigt. Das kritisiert die Opposition im Bundestag. Es werde eine "sehr lange Vorlaufphase" geben, sagte Ernst Dieter Rossmann, hochschulpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, dem Tagesspiegel. Das Ministerium bestätigte auf Anfrage, dass in diesem Jahr von Bund und Ländern erst 20 Millionen Euro statt der jährlich vom Staat benötigten 300 Millionen Euro eingeplant sind. Auch im Jahr 2013 wird nach der jetzigen Finanzplanung erst die Hälfte des benötigten Geldes zur Verfügung stehen.

Im kommenden Wintersemester könnten also theoretisch erst 40.000 Studierende – das sind zwei Prozent aller Studenten – gefördert werden. Wie viele Studierende im Winter tatsächlich gefördert werden, hängt allerdings davon ab, ob genügend Unternehmen bereit sind, die Stipendien zu unterstützen. Die Stipendien werden nämlich erst verteilt, wenn die Unis private Geldgeber finden. Diese müssen genauso viel wie der Staat zu den Stipendien zuschießen. Bund und Länder teilen sich die Staatskosten.

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Die Studierenden sollen 300 Euro im Monat bekommen. Die Stipendien werden nach Leistung vergeben. Kritiker sagen, bildungsferne Schichten würden so benachteiligt. Die privaten Geldgeber können zudem bestimmen, für welche Fächer und Hochschulen sie Stipendien stiften. In Nordrhein-Westfalen, das das Modell bereits 2009 eingeführt hat, profitieren Ingenieurstudenten: Für sie sind ein Drittel der Stipendien reserviert. Es sei ungeklärt, ob Studierende ihr Stipendium bei einem Fach- oder Hochschulwechsel behalten könnten, sagte Rossmann. Der hochschulpolitische Sprecher der Grünen, Kai Gehring, kritisiert, Firmen erhielten einen "erheblichen Einfluss" auf die Studienwahl von Abiturienten.

Auch die SPD-regierten Länder lehnen das System weiterhin ab. "Wenn man mehr junge Menschen zu einem Studium motivieren will, schafft man das nicht mit unsicheren Stipendiensystemen", sagte die rheinland-pfälzische Kultusministerin Doris Ahnen der dpa. Hochschulen in strukturschwachen Regionen könnten womöglich gar nicht genügend Unternehmen finden, die Stipendien finanzieren. Nicht nur in den neuen Bundesländern, sondern auch in einigen anderen Regionen seien solche Probleme absehbar.

Sachsens Wissenschaftsministerin Sabine von Schorlemer (parteilos) sagte, ihr Land unterstütze das System. Die Bedenken "einiger Hochschulen außerhalb der wirtschaftlichen Metropolen" müssten aber ernst genommen werden. Sachsen dränge darauf, dass den Hochschulen die Verwaltungskosten für die Einwerbung der Stipendien erstattet werden.

Die ebenfalls beschlossene Bafög-Erhöhung halten Kritiker für nicht ausreichend. Die Koalition will den Höchstsatz zum Wintersemester um zwei Prozent erhöhen, von 648 auf 670 Euro. Die Freibeträge sollen um drei Prozent steigen. Insgesamt werden die neuen Bafög-Sätze den Bund 202 Millionen Euro im Jahr mehr kosten. Die Länder zahlen 171 Millionen Euro zusätzlich.

Erschienen im Tagesspiegel vom 21.04.2010

 
Leser-Kommentare
    • zYcx
    • 21.04.2010 um 12:17 Uhr

    Oh, es fehlt mal wieder Geld für Bildung. Kaufen wir lieber ein paar Panzer für einen Krieg, der nichts bringt und den keiner will. Oder doch lieber Banken retten, damit sie im Anschluss weiter machen, als wär nichts gewesen.
    Wir könnten auch für zig Millionen die Straßenschilder austauschen, da ist das Geld zukunftssicher angelegt.
    Ein Armutszeugnis!

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    • Chali
    • 21.04.2010 um 13:07 Uhr

    Warum denn so giftig?!?

    Wir alle können uns doch freuen:
    Der gute Wille ist erkennbar geworden, und bekommen hätten das ohnehin ja hauptsächlich Studenten, die betuchte Eltern haben; die das Geld also sowieso nicht vermissen.

    Vielleicht könnte man das System noch etwas verbessern:
    Wenn die Eltern nachweisen, dass sie ihrem Kind monatlich 999 Euro überweisen, bekommen diese ein "Stipendium ehrenhalber" in Form von 5 Euro pro Jahr, und Kinder wie Eltern werden zu einem prächtigen Bankett eingeladen!

    • Chali
    • 21.04.2010 um 13:07 Uhr

    Warum denn so giftig?!?

    Wir alle können uns doch freuen:
    Der gute Wille ist erkennbar geworden, und bekommen hätten das ohnehin ja hauptsächlich Studenten, die betuchte Eltern haben; die das Geld also sowieso nicht vermissen.

    Vielleicht könnte man das System noch etwas verbessern:
    Wenn die Eltern nachweisen, dass sie ihrem Kind monatlich 999 Euro überweisen, bekommen diese ein "Stipendium ehrenhalber" in Form von 5 Euro pro Jahr, und Kinder wie Eltern werden zu einem prächtigen Bankett eingeladen!

  1. bekommen unsere Politiker Geld und nicht zu knapp. Man sollte wohl deren "Stipendien" um vieles kürzen, so haben wir schon was zum weiter verteilen!

    • Chali
    • 21.04.2010 um 13:07 Uhr

    Warum denn so giftig?!?

    Wir alle können uns doch freuen:
    Der gute Wille ist erkennbar geworden, und bekommen hätten das ohnehin ja hauptsächlich Studenten, die betuchte Eltern haben; die das Geld also sowieso nicht vermissen.

    Vielleicht könnte man das System noch etwas verbessern:
    Wenn die Eltern nachweisen, dass sie ihrem Kind monatlich 999 Euro überweisen, bekommen diese ein "Stipendium ehrenhalber" in Form von 5 Euro pro Jahr, und Kinder wie Eltern werden zu einem prächtigen Bankett eingeladen!

    Antwort auf "alles wie immer"
  2. die fehlende Investition in Menschen rächt sich, wie immer. Holt doch endlich die fehlenden Gelder von den Banken zurück, die schon wieder exorbitante Gewinne einfahren, obwohl sie nur durch Steuerhilfen weiter existieren konnten. Bietet breitgefächerte Bildung statt der für Firmen zugeschnittenen, damit engeren Fähigkeiten. Und wie wäre es damit, für öffentliche Kredite keine Zinsen zu zahlen? Was soll das, eingenommene Steuern als Zinsen den Banken zu schenken?

  3. "Das Bundeskabinett hat das Gesetz am Mittwoch verabschiedet", heißt es in dem Artikel.

    Nach dem Grundgesetz werden Gesetze vom Deutschen Bundestag (=Gesetzgeber) verabschiedet, nicht von der Bundesregierung! Diese beschließt nur Entwürfe, die sie dem Bundestag zuleitet. Mit solchen Schnitzern leistet der Tagesspiegel dem Nichtwissen Vorschub, welches Organ welche Rolle im Staat einnimmt.

  4. sind die grundlegenden Prizipien der deutschen Bildungs- bzw. besser gesagt, der Entbildungspolitik seit der geistig-moralischen Wende im Jahre 1982.

    Keiner von unseren Macht- und Entscheidungsfunktionären hat auch nur das geringste Interesse, ein Bildungssytem zu schaffen, in welchem den Abkömmlingen unserer existierenden Besitz- und Machtelite irgend ein leistungsfähiger Bastard aus der Unterprivilegiertenschicht den doch vernetzten als wissenden Söhnen und Töchtern dieser "Elite" reale "Konkurrenz" machen könnte.

    Und wer die Karrierewege an den heutigen Universitäten mit hoher Konzentration, starkem Interesse und dem erforderliche Zeitaufwand betrachtet und analysiert, der versteht auch gleich zweierlei:
    1. Kennen ist sehr viel entscheidender als Können.
    2. Die haburgische Intitiative "Wir wollen lernen" dokumentiert exakt worum es geht: Abgrenzung, Ausgrenzung und die totale Beseitigung und Verhinderung von realem Leistungswettbewerb.

    Solche totalitären Besitzstandsstrukturen, wie sie in Deutschland seit der geistig-moralischen Wende etabliert wurden, haben zu der inzwischen seuchenartigen Verbreitung des Nepotismus in Deutschland geführt und die Abkapselung der privilegierten Seilschaftskreise unseres Lobbyistensystems in Wirtschaft, Politik, Verwaltung und Justiz geschaffen, welche die Etablierung der heutigen Finanzspekulations- und -anlagenbetrugswirtschaft geführt hat, die noch totaler Leistungsfeindlich ist als es das wilhelminische Bildungssystem war.

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