Geologie und KlimaforschungKlimawandel könnte Vulkanausbrüche fördern

Wenn gigantische Eisschichten über Vulkanen schmelzen, sinkt der Druck. Dadurch kann sich schneller Magma im Erdmantel bilden. Und das könnte Einfluss auf Eruptionen haben. von Ralf Nestler

Ist der Ausbruch des Eyjafjöll-Vulkans auf Island, dessen Eruptionswolke dem europäischen Luftverkehr eine Zwangspause verordnete, eine Folge des Klimawandels? Auf den ersten Blick erscheint diese These ziemlich abwegig. Schließlich gab es in jeder Klimaphase Eruptionen, denn sie sind maßgeblich von Kräften im Erdinneren getrieben. Aber nicht allein.

Es mehren sich Hinweise darauf, dass eine weltweite Erwärmung zu verstärktem Vulkanismus führt. In einem Beitrag für die Philosophical Transactions of the Royal Society A hat der britische Vulkanologe Hugh Tuffen von der Universität Lancaster jetzt den aktuellen Wissensstand zu dieser Annahme zusammengefasst (Band 368, Seite 2535). Diskutiert wird sie bereits seit längerem. So hatte 2002 eine Studie gezeigt, dass die vulkanische Aktivität auf Island nach dem Ende der letzten Eiszeit vor ungefähr 12.000 Jahren 30- bis 50-mal höher war als zuvor.

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Der Grund dafür ist der Rückgang des Eises. Mit einer Dicke von mehreren hundert Metern, teilweise sogar Kilometern übt es einen beträchtlichen Druck auf darunter liegende Vulkane aus. Fehlt das Eis, sinkt der Druck, was die Bildung von Magma im Erdmantel beschleunigt. Normalerweise befinden sich dort nämlich nur ein bis zwei Prozent Flüssigkeit.

Ein Druckabfall senkt den Schmelzpunkt des Mantelmaterials: Trotz gleichbleibender Temperatur von mehr als 1000 Grad Celsius nimmt der flüssige Anteil zu. Diese "Dekompressionsschmelzen", wie sie von Geowissenschaftlern bezeichnet werden, haben eine geringere Dichte als das umgebende Gestein und drängen nach oben, beispielsweise in den Krater des Eyjafjalla-Vulkans.

Den Zusammenhang zwischen zurückweichendem Eis und verstärkter Vulkanaktivität an einem einzigen Förderschlot beweisen zu wollen, wäre unsinnig. Dafür spielen bei einem Ausbruch zu viele verschiedene Faktoren eine Rolle: von der Erdbebenhäufigkeit bis zu Änderungen der chemischen Zusammensetzung des Magmas im Lauf der Zeit. Außerdem seien da noch Vulkane wie der isländische Torfajökull, die trotz Eisschmelze ruhig bleiben, merkt Tuffen an.

Im weltweiten Durchschnitt jedoch, das zeigte eine statistische Analyse des Harvard-Forschers Peter Huybers und seines Teams im vergangenen Jahr, gab es nach dem Ende der letzten Eiszeit einen stärkeren Vulkanismus als heute. "Trotzdem gibt es noch viele Wissenslücken", schreibt Tuffen. So wisse man nicht, wie viel Zeit zwischen dem Schmelzen und einer Reaktion der Vulkane vergehe. Es können wenige Jahre oder Jahrzehnte, mitunter Jahrhunderte sein.

"Darüberhinaus ist die gegenwärtige Schmelzperiode weltweit nur über 100 bis 200 Jahre belegt", fügt er hinzu. "Der Gesamtrückgang des Eises weltweit bis heute beträgt vermutlich weniger als zehn Prozent dessen, was nach der letzten Eiszeit zwischen 18.000 und 7000 Jahren weggetaut ist." Die Befunde zur Vulkantätigkeit aus jener Zeit ließen sich darum nicht eins zu eins auf die Gegenwart übertragen.

Leserkommentare
  1. dass der Klimawandel für alles Unheil dieser Erde verantwortlich ist und der Weltuntergang bevorsteht.
    Die Kühe haben Blähungen und killen das Klima, dadurch schmelzen die Gletscher und die Vulkane brechen aus. dies führt zur Verdunkelung des Himmels und eine neue eiszeit bricht aus.
    Hilfe, Hilfe Armageddon naht.
    Esst mehr Salat und keine Schnitzel mahr

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    wunderbar beschrieben. Chapeau!
    ... dann fällt der Himmel runter und alle Spatzen sind tot.

    • exi2
    • 21. April 2010 17:23 Uhr

    Klimawandel und Weltuntergang sind deutliche Gefahren.
    Der Rest des Textes kann nur noch ironisch gemeint sein. Denn selbst was die Kühe als Blähung von sich geben, ist ein Teil der natürlichen Kreisläufe. Wäre also kein Problem, sondern nur ein Detail des Wandels der immer stattgefunden hat und stattfindet. (Und die Folgen von Vulkanen sind nicht so eindeutig wie beschrieben; sie könne verdunkeln - müssen es aber nicht. Sie können das Klima anzheizen - müssen es aber nicht. Derlei ist immer davon abhängig wieviel SOx oder COx ausgestoßen wird und in welche Höhe es geschleudert wird.)
    Das ursächliche Problem ist der Verbrauch des fossilen Kohlenstoffs (Kohle, Erdöl, Erdgas). Denn dieser war seit Jahrmillionen kein Teil eines natürlichen Kreislaufes und überfordert die Kreisläufe.
    Reist weniger, heizt anders!

  2. Man kann die Ironie durchaus verstehen. Irgendwie wartete man schon auf diese Schlagzeile und wenn sie dann auch gerade mal "5 minuten" nach dem Ausbruch erscheint kann man auch seriös nicht mit positiver Resonanz rechnen.

    Zum Thema: Selbst wenn abschmelzende Eiskappen irgednwie den Vulkanismus fôrdern haben wir noch viele hundert wenn nicht gar tausende von Jahren Zeit. Kein ernsthafter Eisforscher würde behaupten das Grönland und die Antarktis "demnächst" schon eisfrei wäre.

  3. In der Klimatologie gibt es den Effekt einer sog. "negativen Rückkopplung"(=Temperatur senkend).

    Größere Vulkanausbrüche sind bekanntlich in der Lage, die weltweiten Temperaturen z.T. sogar über mehrere Jahre abzusenken.

    Wenn nun aufgrund höherer Temperaturen die Anzahl derartiger Vulkanausbrüche tatsächlich zunehmen sollte, dann könnte man dies auch als einen natürlichen Mechanismus zur Stabilisierung der Temperatur des Planeten begreifen.

    Schellnhuber sagte einmal: "...Vielleicht haben wir irgendetwas Entscheidendes übersehen, etwa dass es in der planetarischen Maschinerie irgendeinen Selbststabilisierungsmechanismus gibt..." (Quelle: Interview der ZEIT mit H.J.Schellnhuber mit dem Titel "Manchmal könnte ich schreien" vom 2.9.2009)

  4. wunderbar beschrieben. Chapeau!
    ... dann fällt der Himmel runter und alle Spatzen sind tot.

  5. Flugzeuge beschleunigen den Klimawandel, der Klimawandel fördert Vulkanausbrüche, Vulkanausbrüche behindern den Luftverkehr. Vielleicht sollten die glorreichen Fluggeselllschaften ihre Aktivitäten auf ein verträgliches Maß reduzieren. Die letzten Tage haben deutlich gemacht wie sehr Umwelt und Lebensqualität durch die Fliegerei beeinträchtigt werden. Das waren für Menschheit und Planeten die besten Tage des Jahres vielleicht des Jahrzehnts.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • exi2
    • 21. April 2010 17:30 Uhr

    Die Fluggesellschaften aber auch die restliche Gesellschaft sollte sich auf ein verträgliches Maß reduzieren. Einmal brauchen wir nicht so viel Transportwesen, dann brauchen wir den Transport nicht in jedem Fall so schnell als möglich. Die ach-so-bemitleidenswerden Autobauteile die jetzt noch bei Daimler fehlen, weil sie nicht aus China eingeflogen werden konnten, die hätte man auch hierzulande produzieren können. Oder, falls man dem Geizdenken der Industrie folgt (billig in Ch. produzieren - teuer in D. verkaufen), dann hätte man die Bauteile auch mit Zepellinen einfliegen können. - Für viele andere Transport-Fälle gilt vergleichbares. Unverderbliches kann auch langsam transportiert werden; schnell verderbliches sollte gar nicht transportiert werden.

  6. Nicht hinterfragen bitte. Annehmen, nicht glauben. Zahlen, nicht kritisieren.....

    Selbstverständlich ist das nicht falsch, daß ein aufgetauter Permafrostboden anders feststellen lässt als eben ein gefrorener, aber wie Sie schreiben, niemand nimmt an, daß der durch menschliches Zutun nennenswert auftauen kann.

    Überhaupt, scheint erst seit der definitiven Feststellung und Anerkennung der nachweislichen Plattentektonik, die Klimatologie einen "wissenschaftlich" nenneswerten Stellenwert angestrebt zu haben.
    Wie dem auch sei, nachdem seit der "schwersten Krise seit der Reformation" zu lesen war, sind so gewaltige Ausbrüche von so immensen Vulkanen mit so unsichtbaren Wolken behaftet, daß man sich des hitorischen Momentes gar nicht mehr bewusst ist. Immerhin mußte der gesamte europäische Luftraum via Luftsicherheit gesperrt werden während der deutsch Militärbischof sich öffentlich entschuldigte.

    Wie auch immer, da ja selbst der sogenannte Temperaturmittelwert bei schlimmsten Schätzungen nicht direkt zum Auftauen der Polflächen reicht, also selbst 10°C eine -50°C warme Eisfläche nicht auftaut, muß es, der Staistik wegen, ja wo anders kälter werden als es Heute ist.

    Denn, eine überall festllbare Temperaturerhöhung, würde ja keinerlei Statistik erfordern.

  7. Dass der Vulkan ausgebrochen ist, beweist ja alleine schon, dass es eine Erderwärmung gibt. Zumindest im Umfeld des ganzen Lavazeugs, das da rauskommt, dürfte der Temperaturanstieg in kurzer Zeit die 2 Grad Kopenhagen-Ziel wesentlich übertroffen haben. Wenn die Isländer die Lavasteine jetzt auch noch hier im Baumarkt verkaufen, machen sie damit ein Vermögen auf Kosten unseres Planeten.

    Wenn der Klimawandel so weitergeht und überall das Eis schmilzt, können wohl bald auch Schöller und Langnese dicht machen.

    Bloß gut, dass es heute ein IPCC gibt. Zu Zeiten eines Plinius hat die Gletscherschmelze bloß schwülstige Prosa über den Vesuv nach sich gezogen, mit denen wir Ende der 80er-Jahre noch im Lateinunterricht gequält wurden: http://bluthilde.wordpres...

  8. Wie in einer kürzlich in der wissenschaftlichen Zeitschrift "Native" veröffentlichten Studie von einem Team grönländischer Hasen- und Kaninchenforscher belegt, können Kaninchenbaue in erdbebengefährdeten Zonen und an Vulkanhängen zu einer Entlastung des Drucks der Erdkruste beitragen und so Erdbeben und Vulkanausbrüche vermindern oder sogar ganz verhindern.

    Anhand der Studie wird belegt, daß durch eine Ansiedlung mehrerer Milliarden Zwergkaninchen im Gletschergebiet des Eljafjöttelblabla ein bevorstehender Ausbruch des Nachbarvulkans Flöttelmöttelpingu wenn nicht verhindert so aber gegebenenfalls nicht unwesentlich verzögert werden könnte.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
  • Schlagworte Eiszeit | Erdbeben | Island | Vulkan | Hawaii | Palermo
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