Bis zu 795.000 Liter Öl fließen täglich unkontrolliert aus den drei bislang bekannten Lecks am Bohrloch der gesunkenen BP-Insel Deepwater Horizon . Diese 5000 Barrel Öl bedrohen das Ökosystem im Golf von Mexiko sowie die Lebensgrundlagen der Menschen an der Südostküste der USA . Um der Katastrophe Herr zu werden, müssen diese durch das Sinken der Bohrplattform entstanden Löcher abgedichtet werden. Jedoch gehen Experten davon aus, dass es BP kaum gelingen dürfte, die in 1,5 Kilometern Tiefe liegenden Lecks schnell zu stopfen.

Eigentlich gibt es auf Bohrinseln Vorrichtungen gegen Katastrophen dieser Art, so auch auf der Deepwater Horizon . Erhöht sich in den Öl- und Gasleitungen der Druck plötzlich und unerwartet, soll sich automatisch ein System aus Rohren und Sicherheitsventilen an dem tief im Meer gelegenen Bohrloch schließen. Dies ist auf der BP-Plattform jedoch nicht geschehen, zumindest nicht in dem erforderlichen Umfang.

Dieses 450 Tonnen schwere Blowout-Preventer genannte Notfallsystem soll daher mit unbemannten Tauchrobotern aktiviert werden . Es befindet sich direkt am Bohrloch am Meeresboden und ein Erfolg wäre wohl die schnellste Lösung, den Ölaustritt unter Kontrolle zu bringen. Doch ist es bislang nicht gelungen, den Blowout-Preventer mit den Tiefseerobotern in Gang zu setzen.

Die nächste eher kurzfristige Möglichkeit, auf der die Hoffnungen jetzt ruhen, ist, in den nächsten Tagen Kuppeln über die drei Lecks am Bohrloch zu stülpen. Gelänge dies, könnte das ausströmende Öl aufgefangen und dann über eine Abzugsröhre zur Oberfläche gepumpt und ein Schiff geleitet werden. Die erste dieser Kuppeln soll in Kürze fertig sein, sie wiegen jeweils 74 Tonnen und sind aus Stahl und Beton gefertigt. Jedoch sind solche Kuppeln noch nie in 1500 Metern Tiefe ausprobiert worden und es kann Wochen dauern, sie richtig zu platzieren.

Eine einfache und direkte Lösung wäre es, das Bohrloch schlicht mit Zement zu verschließen. Doch ist hierfür der Druck zu hoch, mit dem das Öl nach oben schießt. Daher müssen sogenannte Entlastungsbohrungen vorgenommen werden, die den Druck aus dem defekten Bohrloch nehmen und über die das Öl kontrolliert abfließen kann. Ist das geschehen, kann mit Schlamm und Zement geflutet werden.

Das Wichtigste hier ist, dass die Entlastungsbohrung tatsächlich das defekte Bohrloch trifft, was als schwierig gilt. Bei einem ähnlichen Unglück vergangenen Sommer vor der Küste Australiens brannte die Bohrinsel Montara . Dabei trat seit dem 21. August mit viel Druck unkontrolliert Öl aus. Doch die darauf folgenden Entlastungsbohrungen am 6., 13., 17. und 24. Oktober trafen das Bohrloch nicht, das gelang erst am 1. November, mehr als zehn Wochen nach dem Unfall. Und im Gegensatz zur Deepwater Horizon lag das Bohrloch der Montara in nur 75 Metern Tiefe. Immerhin gilt das unterseeische Terrain bei der Bohrinsel im Golf von Mexiko als gut erkundet.

Um einen unkontrollierten Ölaustritt langfristig zu stopfen, gelten Entlastungsbohrungen als sicherste Methode. BP hat daher zwei Spezialschiffe zum Unglücksort geschickt. Doch die Zeit arbeitet gegen die Experten. Obamas Innenminister Ken Salazar sagte am Sonntag, es könnte bis zu drei Monate dauern, bis Bohrungen die Lecks zum Versiegen bringen.