Wissenschaftler der Universität Wien haben endgültig mit einem der großen Mythen der Psychologie – dem sogenannten "Mozart-Effekt" – aufgeräumt. Danach soll die Musik des Salzburger Komponisten (1756-1791) einen intelligenzsteigernden Effekt haben. Die Ergebnisse werden im Magazin Intelligence veröffentlicht.

Die Theorie geht zurück auf die US-Psychologin Frances H. Rauscher. 1993 hatte sie im Fachmagazin Nature über verbesserte Leistungen nach dem Hören von Mozarts Musik berichtet. Demnach hätte insbesondere das Hören der 1781 von Mozart komponierten Sonate für zwei Klaviere in D-Dur (KV 448) kurzfristig leistungssteigernde Wirkungen auf die Raumvorstellung gezeigt.

Der Artikel fand international viel Beachtung: Fortan wurden Mozartklänge als magisches Mittel zur Steigerung des IQ von Kindern gefeiert. Schwangeren wurde empfohlen, Mozarts Werken zu lauschen, damit so auch ihre Ungeborenen mit der klüger machenden Musik in Kontakt kommen.

Bereits fünf Jahre später versuchte ein Kollege von Rauscher, mit dieser Mär aufzuräumen. Der US-Psychologe Christopher Chabris untersuchte erneut den Einfluss von klassischer Musik auf Menschen und konnte keinen Einfluss auf den Intelligenzquotienten feststellen.

Nun starteten auch die Wiener Forscher eine neue Untersuchung und holten zum Rundumschlag aus: Sie schauten sich insgesamt 39 Studien mit mehr als 3000 Testpersonen zu dem Thema an. Das ernüchternde Ergebnis lautete, dass die Musik des Wunderkindes nicht einmal einen positiven Effekt auf das räumliche Vorstellungsvermögen habe.

"Ich empfehle jedem, Mozarts Musik zu hören", sagte Forschungsleiter Jakob Pietschnig, "aber die Erwartung, dadurch eine Steigerung der eigenen kognitiven Leistungsfähigkeit zu erzielen, ist nicht erfüllbar".