Medizingeschichte Robert Koch, der Superstar der Medizin

Er jagte Krankheitskeime auf der ganzen Welt: Vor 100 Jahren starb nicht nur der Entdecker des Tuberkulose-Erregers, sondern einer der größten Mediziner seiner Zeit.

Das Portrait von zirka 1903 zeigt den deutschen Mikrobiologen und Mediziner Robert Koch

Das Portrait von zirka 1903 zeigt den deutschen Mikrobiologen und Mediziner Robert Koch

Er starb am 27. Mai 1910, vermutlich an einem Herzinfarkt, nicht an einer Infektion. Das ist erstaunlich, denn der Bakterienforscher Robert Koch hatte sein ganzes Leben lang Krankheitskeime gejagt und seine Hände in den größten Schmutz gesteckt. Er sammelte Proben in menschlichen Leichen und tierischen Kadavern, in verwesten Pflanzen und stinkenden Rieselfeldern, vor allem aber in den erbärmlichsten Unterkünften der Armen, die immer wieder der Ausgangspunkt von Seuchen wurden.

Während der Choleraepidemie 1866 arbeitete er als Assistenzarzt in Hamburg, in der Klinik, in der die meisten Kranken eingeliefert wurden und jämmerlich starben. Denn man konnte nichts tun, in der Zeit "vor Koch". Später jagte er die Schlafkrankheit in Ostafrika, die Beulenpest in Indien und den Typhus im Ruhrgebiet. Robert Koch war immer da, wo Menschen durch Epidemien in großer Zahl starben. Und trotzdem überlebte er 66 Jahre lang.

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In der Karriere Robert Kochs lief eigentlich alles ungewöhnlich. Er startete als Hausarzt in der Provinz und endete als Nobelpreisträger und Superstar. Er stammte nicht aus einer Ärztedynastie, sondern wurde als drittes von 13 Kindern eines Bergrates in Clausthal geboren. Koch arbeitete zunächst nicht in Berlin, Paris oder London, wo die großen Legenden der Medizin forschten, sondern in kleinen Städtchen wie Langenhagen und Wollstein oder kurz in Breslau. Sein Medizinerleben begann nicht als Forscher in einer der renommierten Institutionen des Deutschen Reiches, sondern als Hausarzt in seiner eigenen Praxis. Und das mit nicht sehr großen Erfolgen: Mehrmals musste er aufgeben und die Praxis schließen, einfach weil er pleite war.

Doch der Provinzmediziner war auch ein Forscher, in der freien Zeit und in den Hinterzimmern seiner Praxen. Die erste große Herausforderung stellte sich dem jungen Arzt qua Zuständigkeit. In seinem Bezirk wütete der Milzbrand, eine bakterielle Erkrankung, die das Vieh tötete.

Zwar wusste man schon, dass die im Mikroskop (das es schon gab) sichtbaren kleinsten Erreger irgendwie mit der Krankheit zusammenhängen könnten. Aber ob sie deren Ursache waren oder nur eine unwichtige Begleiterscheinung, war fraglich. Und im Übrigen: Warum ist das Blut kranker Tiere, in denen man die kleinen Organismen erkennen kann, infektiös, anderes Blut ohne erkennbare Erreger aber auch?

Koch arbeitete und arbeitete. Und entdeckt neben den Bakterien noch etwas anderes, viel kleineres. Er vermutete korrekt, dass diese kleinen Teilchen eine reduzierte Dauerform der Milzbrandbakterien sein könnten, die auch dann überlebt, wenn die Bakterien selbst längst abgetötet sind. Es gelang ihm, die Milzbrandbakterien zu züchten. Ein Durchbruch, der im Hinterzimmer einer kleinen Praxis gelang.

Robert Koch löste die Probleme gleich serienweise. Problem eins: Anfangs musste er seinen wissenschaftlichen Besuchern etwa den Milzbranderreger in Liveexperimenten vorführen. Es gab keine mikroskopischen Fotografien, und Zeichnungen waren ungenau und nicht beweisend. Er entwickelt ein Verfahren, mit dem man die Bakterien fotografieren und damit konservieren kann.

Problem zwei: Vor Koch wurden Bakterien in einem flüssigen Nährmedium gehalten. Sie bewegten sich mit der Flüssigkeit und verschwanden ständig aus dem Gesichtsfeld des Mikroskopierenden. Die Lösung: Statt einer Bouillon (dem Standardmedium zur Züchtung von Bakterien) entwickelte Koch eine zähe Algenmasse namens Agar-Agar, in der Bakterien fixiert waren und dadurch leichter beobachtet werden konnten.

Problem drei: Bakterien sind sehr unscheinbar, im Mikroskop gegen den Hintergrund kaum auszumachen. Also suchte er nach Farbstoffen, die sich im Bakterienkörper so anreicherten, dass die Organismen im Mikroskop gut sichtbar wären. Er fand Anilin.

Leser-Kommentare
    • Youb82
    • 28.06.2010 um 2:07 Uhr

    Viel Dank für all diese Informationen über diesen unglaublich zielstrebigen Forscher, der sich selbst vergessen und nur für die Forschung und Wissenschaft gelebt hat.

  1. Viele Zeitungs-und Zeitschriftenautoren leben heute anschei-
    nend in einer Welt von selbstgeschaffenen "Prominenten",
    Stars und Sternchen sowie sonstiger Schickeria, einem in
    sich geschlossenen Mikrokosmos, der von der arbeitenden
    Bevölkerung abgeschottet ist. Versuchen, wirkliche bedeutende Persönlichkeiten wie Robert Koch damit auf eine Stufe zu stellen und als "Superstar" zu vereinnahmen, sollte Widerstand geleistet werden. Dieses ganze üblich gewordene Stargerede gehört in ein Wörterbuch der Unbildung.

  2. ich habe zuerst Roland Koch gelesen. Oh Gott.

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