Ärzteausbildung Die Charité reformiert das MedizinstudiumSeite 2/2

Anfang 2009, kurz nach Beginn ihrer Amtszeit, hatte Grüters-Kieslich gesagt, für die Charité sei "vorstellbar", Bachelor und Master in der Medizin einzuführen. Davon ist jetzt nicht mehr die Rede. Gross bekräftigte zwar, dass er Bachelor und Master "persönlich eher offen gegenübersteht". Der Lehrplan sei prinzipiell "bolognakompatibel". Eine Umstellung mache aber wenig Sinn, solange es für Medizin-Bachelors keine richtigen Berufsfelder gebe. Als Ärzte könnten sie nicht praktizieren, da die Approbationsordnung dafür ein Studium von sechs Jahren vorschreibt. Offenbar hat die Charité auch Angst, gegen den Willen breiter Medizinerkreise vorzupreschen. Der medizinische Fakultätentag, die Bundesärztekammer und Gesundheitsminister Philipp Rösler lehnen den Bachelor vehement ab.

1,6 Millionen Euro kostet die Umstellung allein in diesem Jahr. Der Senat habe zugesagt, diese Summe zu übernehmen, sagte Grüters-Kieslich. Die Charité-Vertreter versuchten Zweifel zu zerstreuen, sie würden den Lehrbetrieb überhastet umbauen und so ein großes Chaos auslösen, was intern befürchtet wird. Es gebe einen "klaren Plan, wie alle Veranstaltungen gestaltet werden", sagte Harm Peters, der für die Studiengangssteuerung verantwortlich ist. Die ersten beiden Semester würden "bis auf Details" stehen. Die Studierenden seien eng in die Konzeption einbezogen.

Probleme für auswärtige Studierende, die künftig in höheren Semestern in den Modellstudiengang wechseln wollen, lassen sich aber bereits absehen. Die meisten Unis bieten das konventionelle Medizinstudium an, ihr Angebot werde kaum mehr mit dem der Charité vergleichbar sein, sagte Gross. Studierende könnten daher schlecht in einem späteren Abschnitt nach Berlin wechseln. Ihnen würden dann die praktischen Fertigkeiten fehlen, die die Charité nun allen Studierenden früh beibringen möchte.

(Erschienen im Tagesspiegel vom 29.06.2010)

 
Leser-Kommentare
  1. Sehr ehrbar, die Reformen an der Berliner Charité. Aber was in diesem Artikel als brandneue Innovation gepriesen wird, ist an einem halben Duzend Universitäten, u.a. in Heidelberg, Witten/Herdecke und Bochum längst schon umgesetzt - teilweise schon seit 10 Jahren.

    Wenn man überhaupt von einer Leistung sprechen kann, dann, weil der komplette Studiengang umgestellt wird. Im Falle von Heidelberg oder Bochum laufen die wesentlich kleineren Reform- oder Modellstudiengänge als Beiwerk neben den großen Regelstudiengängen. Allein Witten/Herdecke verfügt lediglich über einen Modellstudiengang - da ist die Anzahl der Studierenden aber wesentlich kleiner. Insofern und weil diese Hochschule ja nicht große Kohorten ausbilden soll, hinkt aber der Vergleich.

    • meuser
    • 30.06.2010 um 11:54 Uhr

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf sexistische Kommentare und tragen Sie mit argumentativen Äußerungen zur Diskussion bei. Die Redaktion/cs

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    Lieber meuser, eventuell haben Sie kürzlich zuviel Überstunden und Doppelschichten geleistet, sonst würden Sie fähig sein zu erkennen, dass Ihr beschriebenes Problem genau die nötige Lösung für das Gesundheitssystem und die unnötig häufigen, durch Überstunden verursachten Qualitätsprobleme in Krankenhäusern wäre.

    • meuser
    • 30.06.2010 um 21:31 Uhr

    entfernt. Bitte verzichten Sie auf zynische Äußerungen, die von anderen Foristen als beleidigend aufgefasst werden könnten. Bei Fragen zur Moderation wenden Sie sich bitte direkt an community@zeit.de. Danke. Die Redaktion/km

    Lieber meuser, eventuell haben Sie kürzlich zuviel Überstunden und Doppelschichten geleistet, sonst würden Sie fähig sein zu erkennen, dass Ihr beschriebenes Problem genau die nötige Lösung für das Gesundheitssystem und die unnötig häufigen, durch Überstunden verursachten Qualitätsprobleme in Krankenhäusern wäre.

    • meuser
    • 30.06.2010 um 21:31 Uhr

    entfernt. Bitte verzichten Sie auf zynische Äußerungen, die von anderen Foristen als beleidigend aufgefasst werden könnten. Bei Fragen zur Moderation wenden Sie sich bitte direkt an community@zeit.de. Danke. Die Redaktion/km

  2. Lieber meuser, eventuell haben Sie kürzlich zuviel Überstunden und Doppelschichten geleistet, sonst würden Sie fähig sein zu erkennen, dass Ihr beschriebenes Problem genau die nötige Lösung für das Gesundheitssystem und die unnötig häufigen, durch Überstunden verursachten Qualitätsprobleme in Krankenhäusern wäre.

    Antwort auf "Frauenüberschuss!"
    • meuser
    • 30.06.2010 um 21:31 Uhr

    entfernt. Bitte verzichten Sie auf zynische Äußerungen, die von anderen Foristen als beleidigend aufgefasst werden könnten. Bei Fragen zur Moderation wenden Sie sich bitte direkt an community@zeit.de. Danke. Die Redaktion/km

    Antwort auf "Frauenüberschuss!"
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    Die Medizinstudentinnen, die ich kenne, scheuen nicht unbedingt die blutige Arbeit, haben die Wahl des Bereiches aber noch vor sich.

    Diesen "Fakt" von dem Sie sprechen würde ich gerne sehen. Freue mich auf Ihre Quelle...

    Die Medizinstudentinnen, die ich kenne, scheuen nicht unbedingt die blutige Arbeit, haben die Wahl des Bereiches aber noch vor sich.

    Diesen "Fakt" von dem Sie sprechen würde ich gerne sehen. Freue mich auf Ihre Quelle...

  3. Die Medizinstudentinnen, die ich kenne, scheuen nicht unbedingt die blutige Arbeit, haben die Wahl des Bereiches aber noch vor sich.

    Diesen "Fakt" von dem Sie sprechen würde ich gerne sehen. Freue mich auf Ihre Quelle...

    • Ewok
    • 01.07.2010 um 11:12 Uhr

    Interessant dass ein Bild aus der Medizinischen Hochschule Hannover herhalten musste, über den dortigen Modellstudiengang hat die ZEIT jedoch zumindest in letzter Zeit nie berichtet, dabei könnte man nach fünf Jahren jetzt Bilanz ziehen und auch ruhig einen vergleichenden Blick darauf werfen, was auf die Komillitonen an der Charité zukommen wird...selbst wenn das Konzept dort geringfügig anders ist.

    Nach meiner Erfahrung ist die Auflösung der strikten Trennung von Klinik und Vorklinik sinnvoll, jedoch sollten die naturwissenschaftlichen Grundlagen der Vorklinik weiter in vollem Umfang gelehrt werden. Einzig die Biochemie hat mir im Studium beim Verständnis der klinischen Fächer bisher überhaupt nicht geholfen...

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