HIV in Südafrika Wo HIV-Positive glücklich sind

In Südafrikas Spatzendorf finden HIV-positive Kinder ein neues zu Hause – und haben so fast die gleiche Lebenserwartung wie gesunde.

Es riecht nach warmer Erde, fröhliches Kindergeschrei ist zu hören, roter Staub weht durch die Luft. Sparrow-Village – Spatzendorf – heißt die kleine Siedlung aus runden Steinhäuschen, deren Bewohner die Sonne im winterlichen Johannesburg genießen. Nicht nur der Name erinnert an einen Kindergarten, auch die Szenerie: Kinder fahren Gokart oder flechten sich gegenseitig die Haare. Der Name soll Passanten nicht gleich abschrecken und die Bewohner vor Diskriminierung schützen: Im Spatzendorf wohnen etwa 400 Menschen, die meisten HIV-positiv.

Südafrika zählt zu den Ländern mit der höchsten HIV-Infektionsrate auf der ganzen Welt: Etwa jeder fünfte Erwachsene ist betroffen. Die Akzeptanz der Erkrankten ist dennoch in vielen Gegenden gering, "schnell haftet einem ein Stigma an und man wird verurteilt", berichtet Patricia, eine Infizierte.

Hier glauben viele Leute, dass Aids nicht existiert, sondern nur Propaganda der westlichen Medien ist. Von der Existenz des HI-Virus wissen sie nichts. Sogar der ehemalige Präsident Thabo Mbeki empfahl seinen Landsleuten, im Falle einer Infektion zu Knoblauch oder Roter Beete zu greifen. Die Unwissenheit der Bevölkerung versucht man mit Präventionsprogrammen zu bekämpfen. Bis Mitte 2011 will die Regierung eine Milliarde Kondome an die Bevölkerung verteilen – bisher sei knapp die Hälfte ausgegeben, schätzt Lefa Thame, der für die Aidshilfeorganisation Treatment Action Campaign (TAC) arbeitet, die sich in Südafrika für die Rechte von HIV-Infizierten einsetzt.

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"Viele Eltern verstoßen ihre Kinder, sobald sie herausfinden, dass sie mit dem HI-Virus infiziert sind", erklärt Robert Miller, Mitarbeiter des Spatzendorfs – einem privat organisierten und durch Spenden finanzierten Hilfsprojekt. "Wenn die Polizei solche Kinder auf der Straße findet, werden sie direkt zu uns gebracht." Meist dürfen sie nicht sofort in die großen Iglus, in denen ihre Kameraden wohnen. Zuerst verbringen sie Tage bis Wochen auf der zum Dorf gehörigen Krankenstation, die ebenfalls einem Iglu ähnelt. Der Eindruck eines arktischen Dorfs inmitten der südafrikanischen Savanne entsteht. "Aber das war nicht die Intention der Erbauer", weiß Miller. "Durch die besondere Bauweise können Infektionen vermieden werden." Im Steiniglu herrsche besonders gute Luftzirkulation, sodass sich Tuberkulosebakterien schlechter vermehren können.

Tuberkulose ist eine große Gefahr für Aids-Kranke, denn ihre Abwehrkräfte sind oft zu schwach, um den lebensgefährlichen Erreger abzuwehren. Insbesondere in Südafrika gibt es viele multiresistente Tuberkulosebakterien, jeder achte Patient ist damit infiziert. Oft ein Todesurteil, denn Antibiotika wirken gegen die resistenten Erreger nicht mehr.
  

Leser-Kommentare
    • joG
    • 07.07.2010 um 19:18 Uhr

    ...Leider hat man damals, als AIDS erkannt wurde die Kranken nicht in solchen Dörfern untergebracht. Da wären mehrere zehn Millionen Menschen nicht angesteckt worden und gestorben.

    • 42317
    • 08.07.2010 um 10:58 Uhr

    Würde gern mal wissen, welche Nebenwirkungen die ganzen Medikamentencocktails haben, die die Leute da kriegen.

    • Ghassi
    • 27.07.2010 um 19:23 Uhr

    Die AIDS-Debatte ist eine traurige Angelegenheit, welche trotz Aufklärung nach wie vor ihre Verbreitung findet. Speziell zu Südafrika kann ich sagen, dass viele der dortigen Bürger den sog. Sangomas, also traditionellen Medizinmännern, glauben schenken. Leider befinden sich innerhalb dieser Heiler auch schwarze Schafe, die ihrem Patienten zur HIV-Heilung die Vergewaltigung einer Jungfrau empfehlen! Ich will zum Ausdruck bringen, dass HIV nicht nur durch Unwissenheit der Beteiligten weitergegeben wird, sondern durch bewusste Fehlinformation Dritter. Diese gesellschaftlichen Konfliktlinien sind soweit ich weiß während der AIDS-Konferenz unzureichend behandelt worden.

    Anbei empfehle ich folgenden Artikel:
    http://2010sdafrika.wordp...

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